Auf ein Wort

Auf ein Wort mit Werner Ziegler

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Auf ein Wort mit Werner Ziegler

Liebe koi-Leserin, lieber koi-Leser,

heute mal wieder ein Sprichwort:
Reden ist Silber, Schweigen ist Gold

Jeder von uns kennt dieses Sprichwort. Es fordert uns auf, nur dann etwas zu sagen, wenn es etwas Wichtiges ist, etwas, was eine Diskussion weiterbringt, etwas, was neue Ansichten und Aspekte einbringt. Unpassendes, Überflüssiges, Wiederholungen sollten also vermieden werden.

Was wären aber all die Diskussionen in den Parlamenten, in den Talkshows, in den Arbeitskreisen, wenn sich jeder an die genannten Empfehlungen halten würde? Die beanspruchte Zeit würde sehr verkürzt werden. Menschen, die lieber Silber statt Gold haben, sind also wahre Zeiträuber. Auch die Qualität wird durch ellenlange Wiederholungen und Bedeutungslosigkeiten nicht verbessert. Sehr oft wird man an Karl Valentin erinnert, der einmal sagte: „Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen.“

Bedeutet dieses Schweigen, lieber etwas geheim zu halten als etwas zu verraten? Doppeldeutigkeiten und Widersprüche in Kauf zu nehmen? Lieber im Vagen zu bleiben als gegen irgendwelche Regeln und gesellschaftliche Normen zu verstoßen? Müssen wir uns – wie Pascal es sagte – vor uns selbst verkleiden und verbergen?

Ein eindeutiges NEIN! Es geht bei unserem Sprichwort nicht darum, aus irgendwelchen Zwängen heraus nichts zu sagen, ja etwas Wichtiges zu verheimlichen. Es geht darum, immer dann das Wort zu ergreifen, wenn Aspekte noch nicht oder nicht genügend angesprochen wurden, wenn die eigene Meinung eine abweichende ist und wenn wichtige Details beizutragen sind. Grundsätzlich muss gefragt werden: Bringt mein Redebeitrag die ganze Diskussion weiter? Verbessert mein Beitrag die Qualität einer anstehenden Entscheidung? Stellt meine Wortmeldung wirklich einen Mehrwert dar? Wenn dies alles so ist, dann muss etwas gesagt werden! Dies bedeutet in vielen Fällen Mut. Insbesondere dann, wenn die eigene Meinung von der der Mehrheit abweicht. Rousseau spricht dabei vom Wegwerfen der Zwänge und der Befreiung aus der Sklaverei der Konventionen.

Von Herzen wünsche ich Ihnen viel Gesundheit und Freude
Ihr W. Ziegler