Auf ein Wort

Auf ein Wort

-
Auf ein Wort
Prof. Dr. Werner Ziegler

Liebe koi-Leserin, lieber koi-Leser,

auch wenn es bisher noch gar kein richtiger Winter war, so freuen wir uns doch alle, mit dem Monat März den richtigen Frühling begrüßen zu dürfen. Dabei ist es unerheblich, ob wir am 1. März den meteorologischen oder am 20. März den kalendarischen Frühlingsanfang begehen. Hauptsache ist, dass das Frühjahr hält, was es verspricht: Schönes Wetter bei ausreichendem Regen, erwachende Natur, viele Frühlingsblumen, Verlangen nach Spaziergängen und Wanderungen. Genießen wir diese – im wahrsten Sinne des Wortes – wunderbar Zeit!

Sie erinnern sich: Ab und zu wollte ich ein Sprichwort näher unter die Lupe neh-men. Heute ist es wieder so weit. Das Sprichwort „Streit um des Kaisers Bart“ ist an der Reihe. Was es sagen will, ist uns klar. Ein Streit um Kleinigkeiten, um völlig belanglose Dinge. Nicht selten ergeben sich aus diesen Banalitäten Auseinandersetzungen, die tiefe Gräben ziehen. Damit wir uns nicht missverstehen: Streit um wichtige Din-ge, um beste Lösungen, um Berücksichtigung unterschiedlichster Belange ist nötig, wichtig und meist auch fruchtbar. Gerade wir in Geislingen müssen dies angesichts der unglaublichen und katastrophalen Misere um unser Michelberg-Gymnasium sehen. Diese Auseinandersetzungen sind dringend notwendig. Sie dürfen aber nie zu persönlichen Attacken und nicht zu bleibenden oder nur schwer zu heilenden Zerwürfnissen führen.

Aber zurück zum Sprichwort. Die Bedeutung ist klar, nicht dagegen die Herkunft. Es gibt die unterschiedlichsten Ansätze. Die einen meinen, dass das Sprichwort auf eine sinnlose wissenschaftliche Auseinandersetzung zurückgeht, die sich mit der Frage beschäftigt, ob bestimmte römische Kaiser oder auch Karl der Große einen Bart trugen. Andere meinen, Kaiser Wilhelm II. ist der Auslöser. Er hat statt des Voll-bartes nur noch den bekannten Oberlippenbart getragen. Viele Sprachwissenschaftler (z. B. Prof. Dr. Karl-Heinz Göttert) sprechen von diesen Ansätzen als „Unsinn“. Nach ihnen geht das Sprichwort auf das Gedicht von Horaz zurück, „um den Ziegenbart streiten“. Es geht um die unsinnige Kontroverse, ob Ziegenhaare als „Wolle“ bezeichnet werden darf. Und tatsächlich heißt das Sprich-wort im Englischen: To contend about a goat‘s wool“.

Wie auch immer: Wir sollten weder um des Kaisers Bart, noch um den Ziegenbart streiten. Konzentrieren wir uns auf Wichtiges und Wesentliches!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen wunderbaren Start in den Frühling
Ihr Werner Ziegler

 

Weitere “koi” Nachrichten findet ihr hier

Teile diesen Beitrag auf: