Auf ein Wort

Auf ein Wort mit Prof. Dr. Werner Ziegler

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Auf ein Wort mit Prof. Dr. Werner Ziegler
Prof. Dr. Werner Ziegler

Liebe koi-Leserin, lieber koi-Leser,

willkommen im Juni, der dieses Jahr so viel Angenehmes bringt. Da ist zunächst ein sehr hohes Fest der Christenheit: Pfingsten. Zugegeben, unter den drei Hochfesten ist Pfingsten das Fest mit einem besonders anspruchsvollen Inhalt: Ausschüttung des Heiligen Geistes – Geburtsstunde der Christenheit.

Wir dürfen uns über den Feiertag „Pfingstmontag“ freuen. Vielleicht erinnert sich die eine oder der andere noch daran: Gerade im Zusammenhang mit der Pflegeversicherung wurde bei uns ausführlich darüber gestritten, den Pfingstmontag als arbeitsfreien Feiertag abzuschaffen. Gott sei Dank ist es nicht soweit gekommen. In Frankreich wurde 2005 dieser Feiertag abgeschafft und nach erheblichen Protesten 2008 wieder eingeführt. Und da sind natürlich die wunderbaren Pfingstferien – in unserem Ländle 14 Tage lang! Es verwundert deshalb nicht, dass diese Zeit von Vielen für den eigentlichen Sommerurlaub genutzt wird.

Der Juni bringt uns auch den längsten Tag und die kürzeste Nacht. Am 21. Juni ist es wieder soweit: Sommersonnenwende. Es ist ein schöner Brauch, dieses Ereignis mit Sonnwendfeuern, Tanz und Vergnügen zu feiern. Denn eines ist klar, auch wenn der Sommer erst anfängt, die Tage werden schon wieder kürzer. Der längste Tag mit seinem frühen Beginn erinnert mich an folgendes Sprichwort: „Morgenstund hat Gold im Mund.“ Es ist eines der beliebtesten und bekanntesten Sprichwörter überhaupt.

#Es will uns sagen, dass es sich lohnt, möglichst früh sein Tagwerk zu beginnen, weil da das Arbeiten am leichtesten fällt. Wenn nun jemand denkt, dass dieses Sprichwort, das das frühe Aufstehen anmahnt und den lobt, der möglichst zeitig ans Werk geht, ganz typisch deutsch ist, der irrt. In vielen anderen Ländern gibt es ähnliche Aussagen. In England ist es der frühe Vogel, der den Wurm fängt. In Frankreich macht der Frühe einen großen Gewinn. In Ungarn findet der Frühaufsteher ein Goldstück. (siehe auch Göttert, Eile mit Weile). Dies alles klingt wie ein (ungerechtfertigter) Vorwurf an die Langschläfer: Sie nutzen ihre Zeit nicht richtig. Sie verpassen wichtige Stunden ihres Lebens. Die Langschläfer revanchieren sich mit: „Morgenstund hat Gold im Mund und Blei im Ar…“ oder „Morgenstund ist aller Laster Anfang.“ Merken wir uns eines: Es ist egal, wann die Arbeit erledigt wird. Es kommt darauf an, dass sie richtig und rechtzeitig erledigt wird.

In diesem Sinne wünsche ich einen wunderschönen Juni!
Ihr W. Ziegler