Auf ein Wort

Auf ein Wort mit Prof. Ziegler

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Auf ein Wort mit Prof. Ziegler

Liebe koi-Leserin, lieber koi-Leser,

unter all den mehr oder weniger sinnvollen Sprüchen, die es über die Weihnachts- und Neujahrszeit zu lesen gab, fiel mir einer ganz besonders auf: „Nimm dir Zeit für die Dinge, die dich glücklich machen.“ Schon merkwürdig, dass wir daran erinnert werden müssen.

Mit der Zeit ist es etwas Merkwürdiges. Noch nie gab es so viele „Zeitersparer“ wie heute. Denken wir nur an das schnelle Reisen, an die vielen Haushaltshilfen, an die tollen Kommunikationswege. Und trotzdem haben wir angeblich immer weniger Zeit. „Zeitmangel“ ist zum Schlagwort geworden. Dabei gibt es ihn genau genom-men gar nicht. Der Tag hat immer noch 24 Stunden und das Normaljahr immer noch 365 Tage. „Hab keine Zeit“ ist zur Standardaussagen geworden. Ja, schlimmer noch: Man traut sich ja kaum noch sagen, dass man Zeit hat. Läuft man damit nicht Gefahr, als Faulenzer hingestellt zu werden?

Abgesehen von diesem Phänomen, stellen sich jetzt natürlich die Fragen, was denn die „Glücksmacher“ sind und warum wir so wenig Zeit für sie haben? Nach einer Umfrage in Deutschland ergibt sich folgende Rangfolge der Glücksgründe: Gesundheit, Partnerschaft, Familie, Menschen um sich, eine Aufgabe haben, Kin-der, Beruf, Erfolg, Freunde, Geld und Hobby. (siehe: de.statista.com). Damit diese Gründe zum Tragen kommen, sollten aber die Grundbedingungen für Glück erfüllt sein. Diese sind laut UNO mindestens 2.500 Kalorien und 100 Liter Wasserver-brauch am Tag, mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum, ein Platz zum Kochen sowie sechs Jahre Schule.

Und warum haben wir so wenig Zeit, für die Glücksbringer? Mögliche Antworten sind: Wir priorisieren zu wenig. Wir unterscheiden zu wenig, was wirklich für uns, unser Fortkommen, aber auch für unsere privaten Beziehungen und unsere Ge-sundheit wichtig ist. Wir stellen Privates hinten an. Wir sagen viel zu wenig „Nein“! Nein-Sagen muss man lernen. Nein-Sagen bringt schon mal Verstimmungen mit sich. Die Frage ist, was opfern wir durch ein „Ja“?

Von Herzen wünsche ich Ihnen viel Zeit für das Glücklichsein – und bleiben Sie gesund – Ihr W. Ziegler