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Der Geislinger Bahnhofsteg

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Der Geislinger Bahnhofsteg

Über 100 Jahre alt

Wir sind in den letzten Monaten öfters mit der Zukunft des Geislinger Bahnhofstegs konfrontiert worden, teilweise auch direkt nach einem Bericht gefragt worden. Aber klar doch, bitte sehr! Zum Sachverhalt: Der Steg wurde seitens der Bahn der Stadt Geislingen vermacht, befindet sich aber auf dem Grundstück der Deutschen Bahn und in Sachen Unterhalt und Verkehrssicherung bestehen Meinungsverschiedenheiten, die noch immer nicht ganz geregelt sind. Von einer Sanierung über einen Neubau bis hin zum Abriss/Wegfall des Steges liegen alle Pläne auf dem Tisch.

Merci an die Stadt, die uns mit einer wunderbaren öffentlichen Gemeinderats- drucksache versorgt hat, die im November letzten Jahres erstellt wurde.

Aber von vorne: Im Zuge der Erstellung der Bahnunterführung Weiler Straße wurde zwischen der Deutschen Bahn, dem Landkreis Göppingen und der Stadt Geislingen im Juni 1969 vereinbart, dass der Fußgängersteg im Bahnhof Geislingen mit dem Tage der Eröffnung des Verkehrs unter der neuen Eisenbahnüberführung in seinem derzeitigen baulichen Zustand einschließlich des Berührungsschutzes für elektrische Fahrleitung in das Eigentum sowie in die Erhaltungslast der Stadt übergeht. Seit 2003 gibt es regelmäßige Mängelmitteilungen der Deutschen Bahn an die Stadt über den Zustand des über 100 Jahre alten Stegs. Diese wurden von der Abteilung Tiefbau, soweit ohne Eingriffe in den Bahnverkehr und sofern technisch möglich, beseitigt.

Treppengelände Geislinger Bahnhofsteg – Bild: Piet Mall | Fotodesign

Festgestellte Mängel 

Im Prüfbericht der Hauptuntersuchung vom März 2013 wurden Mängel festgestellt (wie beispielsweise Ausbrüche an den Betonfertigteilen, Blattrost an der kompletten Konstruktion, Betonauflager stark eingerissen ff.), aber die Standsicherheit und Tragfähigkeit wurden als nicht beeinträchtigt bescheinigt.

Das Grundstück der Zuwegung von der Alten Weiler Steige gehört der Deutschen Bahn. Seit November 2018 ist diese Zuwegung auf einer Seite komplett gesperrt, auch die Zuwegung über die Treppenanlagen ist ebenfalls in einem desolaten Zustand. Im Bereich der gesperrten Zuwegung hat es Risse bis zu acht Zentimetern, die sich weiter vergrößern. Der komplette Hang, mit beiden Zuwegungen, ist ein Kriechhang und die Bewegungen im Hang kommen nicht zur Ruhe. Daher besteht weiterhin die Gefahr eines Böschungsbruches wie aus dem Gutachten von der Materialprüfanstalt IFM vom September 2018 ersichtlich ist. Auch haben erhebliche horizontale Bewegungen stattgefunden, da sich eine Gleitfuge bis über die Mitte des Gehweges gebildet hat.

Sanierungsbedarf

Sollte aufgrund des schlechten baulichen Zustandes des Geislinger Bahnhofstegs beschlossen werden, die Fußgängerüberführung nicht mehr zu betreiben, wird die Deutsche Bahn gemäß Auskunft, die einzige Zuwegung ebenfalls sperren. Eine eventuelle Gefährdung des Bahnbetriebs durch ein Abrutschen des Hanges an dem gesperrten Weg liegt laut Deutscher Bahn aber nicht vor. Eine Hangsanierung ist mit Schreiben der Deutschen Bahn vom 05.03.2019 nicht vorgesehen. Der einzig verbliebene Zugang über die Treppenanlage kann noch begangen werden, hier ist zu erkennen, dass die talseitige Treppe absackt, der vorhandene Beton, der dies verhindern soll, hat sich ebenfalls verschoben, sodass ein breiter klaffender Spalt zu erkennen ist. Die Treppen können derzeit noch begangen werden, jedoch liegt hier ebenfalls Sanierungsbedarf vor.

Ziel ist es, die Diskussion gemäß der Bekanntgabe des Technischen Ausschusses vom 09. Mai 2019 wieder auf zu nehmen und damit gleichzeitig den Punkt aus der Haushaltsquerliste zu bearbeiten. Um die Bedeutung des Geislinger Bahnhofstegs zu bewerten wurde das Büro Modus Consult mit einer Fußgängerzählung beauftragt. Diese wurde im November 2018 durchgeführt. Außerdem wurde das Ingenieurbüro H

Aufstieg Geislinger Bahnhofsteg – Bild: Piet Mall | Fotodesign

ampf mit der Beurteilung des aktuellen Zustands des Stegs und der Erarbeitung von verschiedener Lösungsvarianten mit den jeweiligen finanziellen Auswirkungen im Februar 2019 beauftragt.

Auf Grundlage dieser Darstellungen soll der Technische Ausschuss des Gemeinderates sich eine Meinung bilden. Die Fußgängerzählung des Büros Modus Consult im November 2018 ergab, dass im Durchschnitt 333 Fußgänger durch die Weiler Unterführung und 430 über den Bahnhofsteg gehen. Es gehen insgesamt 1/3 mehr Personen über den Steg als durch die Weiler Unterführung. Bei dieser Betrachtung muss beachtet werden, dass der Bereich der Schlosshalde oft als Parkplatz für Bahnreisende und Hochschule benutzt wird und somit eventuell das Zählungsergebnis beeinflusst.

Das in Auftrag gegebene Instandhaltungskonzept vom Ingenieurbüro Hampf vom 01.03.2019 bestätigt folgende Mängel, daraus ein Auszug:

• Sichtbare Korrosionsschäden an der gesamten Tragkonstruktion
• Stärkere Korrosionsschäden im Anschluss an die Knotenbleche, teilweise bereits mit Querschnittsminderung
• Stärkere Korrosionsschäden an der Tragkonstruktion Treppe West, ebenfalls mit Querschnittsminderung
• Korrosion im Bereich der Brückenauflager
• Geländer stark verrostet.

Grafitis am Geislinger Bahnhofsteg – Bild: Piet Mall | Fotodesign

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Bauwerk gravierende Mängel aufzeigt, aber die Standsicherheit zum jetzigen Zeitpunkt nicht gefährdet ist. Die Instandsetzungsarbeiten sind stark von den Vorgaben der Deutschen Bahn beeinflusst. Während der Bauphase werden umfangreiche Gleissperrungen auf einer stark befahrenen Strecke notwendig. Auf dieser Hauptverkehrsachse der Deutschen Bahn betragen die Sperrungen durch den nächtlichen Güterverkehr ungefähr zwei Stunden in der Nacht, an den Wochenenden etwas länger. Die Vorlaufzeit, Absprachen und Genehmigungen sowie deren Kosten durch die Deutsche Bahn sind bislang nur schwer abschätzbar. Es kann davon ausgegangen werden, dass Eintaktungen von Gleissperrungen durch die Einplanung von Zugumleitungen ungefähr zwei bis drei Jahre Planungsvorlauf benötigen und zu erheblichen Baukosten führen.

 

Nachfolgend werden folgende Varianten betrachtet

1. Sanierung des bestehenden Geislinger Bahnhofstegs

• Steg nicht barrierefrei (wie bisher). Kosten: 1.325.000,00 Euro
• Steg barrierefrei eventuell Anbau eines Aufzuges wenn statisch möglich. Kosten: 1.688.000,00 Euro

2. Neubau eines Stegs mit Abbau des vorhandenen Geislinger Bahnhofstegs

• Steg nicht barrierefrei. Kosten: 1.465.000,00 Euro
• Steg barrierefrei mit Aufzug. Kosten 1.795.000,00 Euro

3. Wegfall / Abbau des vorhandenen Geislinger Bahnhofstegs 

• Kosten: 489.000,00 Euro

Die Kosten basieren auf einer groben Kostenschätzung vom März 2019 ohne Berücksichtigung von Planungskosten. Die Betrachtung wurde ohne den Rückbau der Zuwegungsanlagen betrachtet. Die Sanierung der bisher gesperrten Zuwegung und der Treppenanlage wird mit ca. 300.000 €, brutto geschätzt. Bis zur tatsächlichen Bauausführung muss noch mit entsprechenden Kostensteigerungen gerechnet werden. Das Sachgebiet ist aufgrund des baulichen Zustandes und der mit einer Sanierung bzw. eines Neubaus verbundenen Kosten der Meinung, den Bahnhofsteg entfallen zu lassen. Seit der Eröffnung der Weiler Unterführung steht eine alternative Verbindung zur Verfügung, so dass keine Notwendigkeit besteht, den Steg zu erhalten.

Wir halten euch auf dem Laufenden.