Historie

Der Kaisersheimer Hof

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Der Kaisersheimer Hof
Der Kaisersheimer Hof

Das Kloster und die Stadt Geislingen

Die Beziehungen zwischen Kloster und Stadt waren geregelt durch die Abmachungen der Grafen von 1284, wonach das Haus des Klosters frei sein sollte von jeder Forderung der Grafen, ihrer Vertreter und der Bürger. Daran ist offenbar, solange die Grafen die Herren von Geislingen waren, nichts geändert worden und Ulm änderte an den Besitzverhältnissen auch nichts. Aber da für diese Stadt die Motive, die für die Grafen eins maßgebend gewesen waren, keine Rolle mehr spielten, so ist offenbar die Frage der Steuerfreiheit unterschiedlich aufgegriffen worden.

Um Galli 1447 kam es zu einem Vergleich zwischen Ulm und dem Kloster, wonach Haus, Hofraite und „Gesäß“ (Besitztum) samt allem Zubehör für immer frei ein sollten von Steuer, Wacht und Dienst, aber jeder „Insäß“ und Inhaber, die das Gotteshaus darin setzen würde, sollte denen von Geislingen „alweg Steuer und Dienst geben und tun von allen seinen Gütern, die er unter der Hand hätte“, wie jeder Bürger zu Geislingen; vor allem sollte er sich an der Wacht (auf der Stadtmauer) beteiligen. Insasse war wohl nur der Kastner mit seiner Familie und vielleicht der ein oder andere Knecht. Landwirtschaft wurde ja von Laienbrüdern auf dem Hofe nicht betrieben. Wohl war das Kloster mit der Zeit Grundherr über viele Grundstücke, namentlich Wiesen geworden, aber es trieb diese nicht selbst um, sondern hatte sie ausgeliehen und zog dafür Gülten, das heißt Pachtgeld ein.

Das Bayrische Hauptstaatsarchiv in München hat in freundlichem Entgegenkommen einige Fotokopien von lateinischen Einträgen in Rechnungsbüchern des Klosters über Gülten von Geislingen zur Verfügung gestellt, die Geislinger Bürger jährlich dem Kloster zu entrichten hatten. Die Fotokopien tragen keine Jahreszahlen, aber aus den Namen, die sie enthalten, können sie an Hand der „Belegstellen von 1600“ zum Teil erschlossen werden. Es ist zum Beispiel bei einem öfter aufgeführten Wiesenzins von 2 Pfd. 30 h. angegeben, dass 2 Pfd. Davon bestimmt sind für einen Jahrtag für Conrad Molito, das heisst Conrad Müller und seine Frau Gedrut (Gertrud) von Geislingen. Nach den Belegstellen findet sich ein Mann dieses Namens in einer Spitalurkunde von 1452. In einem Nachtrag zu diesem Eintrag ist bemerkt, dass von dieser Wiese von der Kasse einer nicht näher bezeichneten Agnes in Esslingen jährlich auf Widerruf 8 Pfd. zu reichen seien.

Mit bekannteren Größen hat man es, was die Namen der Gültpflichtigen betrifft, bei den folgenden Urkunden zu tun. Hier erscheint der Name „Ways“, also die Familie Weiss. Es fährt fort mit: „de parte horrei“. Was ist mit dem „horreum“, der Scheuer oder dem Speicher gemeint? Handelt es sich um eine dem Kloster gehörende, irgendwo in Geislingen stehende Scheuer oder eine Scheuer auf dem Gelände des Klosterhofs?

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Jahre 1803 von Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963