Historie

Der Kaisersheimer Hof

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Der Kaisersheimer Hof
Kayssamer

Der Kaisersheimer Hof

Der Kaisersheimer Hof (früher Schillerstraße 12, 1954 der Erweiterung der MAG-Maschinenfabrik zum Opfer gefallen) führt in seiner Geschichte noch weiter zurück als die Sebastiansbruderschaft, in das Jahrhundert der Gründung der Stadt Geislingen, und war zuletzt nur noch der Sitz einer kleinen Landwirtschaft, einer Fuhrhalterei und einer kunstgewerblichen Werkstatt.

Vor Jahrhunderten sah man hier zu gewissen Zeiten Wagen um Wagen anfahren, mehr oder weniger voll beladen mit Garben oder Fruchtsäcken, dann und wann mit einem Korb Hennen und Eier. Wenn in der geräumigen Scheuer ausgeladen war, trat der Bauer wohl ins Haus, aber nicht um den Erlös aus dem Mitgebrachten in Empfang zu nehmen, sondern im Gegenteil, um noch eine kleinere oder größere Summe Geldes auf den Tisch zu legen, meist je mehr Frucht, desto mehr auch Geld. Der das einzog war nicht der Besitzer des Hofes und Gläubiger des Bauern, sondern nahm Geld und Frucht in Empfang als Vertreter des Herrn und wurde Amtmann oder später Kastner oder noch voller Kastenvogt, im Volksmund „Kayssamer“ genannt.

Der Herr war das auf einem Höhenzug des Fränkischen Jura auf dem linken Donauufer über Donauwörth gelegene Zisterzienser-Kloster Kais(ers)heim, in dessen Gebäuden das bayrische Zuchthaus Kaisheim untergebracht heute untergebracht ist. Dass aber Kaisersheim eine sehr früh schon gebrauchte Form des Namens ist, beweist die früher auch übliche lateinische Form Caesarea. Dieses Kloster hatten die Grafen von Lechgmünd 1134 angelegt, etwa zur gleichen Zeit, in der bei uns in Württemberg die am besten erhaltenen Kloster Maulbronn und Herrenalb gegründet wurden.

Die Besonderheit der Zisterziensermönche war, dass sie statt eines Übermaßes an gottesdienstlichen Verrichtungen und einer mehr gelehrten Betätigung die tägliche Handarbeit im Handwerk und in der Landwirtschaft, letzteres vor allem durch ihre Laienbrüder, wieder mehr pflegten. Sie lehnten auch, um ganz unabhängig zu sein, jede weltliche Obergewalt ab, erhielten aber doch vom hohen Adel und noch mehr vom niederen viele Stiftungen. Wie kam nun dieses so weit entfernte Kloster zu Besitz in Geislingen? Das hing zusammen mit den Verbindungen der Grafen von Helfenstein zu Kaisersheim.

Das Kloster stand in näheren Beziehungen zu den Grafen von Dillingen, in dem in seiner Nähe liegenden Städtchen. Die Grafen von Helfenstein aber waren mit diesem Grafengeschlecht verwandt, seit Graf Ulrich VI. von Helfenstein die Erbtochter Willibirgis des Dillinger Grafen Hartmann d. Ä. geheiratet hatte. Die Dillinger haben auch die Beziehungen der Helfensteiner zum Kloster Anhausen vermittelt.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Jahre 1803 von Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963