Historie

Der landwirtschaftliche Hintergrund des Spitals

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Der landwirtschaftliche Hintergrund des Spitals
Das Spital

Der landwirtschaftliche Hintergrund des Spitals

Hinsichtlich der Mithilfe der Pfründner (Insassen des Spitals/ Altersheims) wurde ein Unterschied gemacht. Denjenigen unter ihnen, welche „ire Pfrönden in Spital erkauft” hatten, durfte „kain Bettgewand noch andere beraitschaft . . . noch ainige bekleidung gegeben, gemacht noch gebössert werden“. Aber „die jenige so Arm and umb Gottes willen in Spital genommen worden sein, Soll man mit Bettgewand und bekleidung im Spital und uff desselben Costen versehen und versorgen“, und nun das Gegenstück dazu:

„Doch sollen dieselben Pfröndner und Pfröndnerinnen dem Spital so Lang sie es Leibs halber vermögen, schaffen und arbaiten und sich kainer Arbait waigern, Allein soll hinfüro der Spitalmaister und Maisterin … der Alten Leut mit Anhaltung der Feldarbaiten verschonen und an derselben Stall Taglöhner bestellen und gebrauchen.“ Im Zusammenhang mit der Regelung gewisser Verhältnisse und Leistungen im Spital, die im Einzelnen aufzuzählen zu weit führen würde, wurde in der Gerichtssitzung des 6. Mai 1751 folgendes bestimmt: „So sollen auch die betagten Weibspersonen kein Spielerlohn [d. h. Spühlerlohn] mehr bezahlen, die jungen Weibsbilder der Köchin beim Spielen an die Hand gehen und diese die 2 x vors Spielwasser von denen Spitalbauern noch ferner zu gaudieren hatten.“ Das Spielwasser wurde offenbar von diesen Bauern, weil es fett war, noch zur Schweinemast verwendet, und die Köchin als Lieferantin durfte sich dafür eines Douceurs von 2 x erfreuen, aber für welchen Zeitraum? Dass die noch jungen Frauen zur Beihilfe in der Küche herangezogen wurden, ist verständlich. Verwunderlicher aber ist die Fortsetzung im Protokoll: „Und gleichwie von des Herrn Obervogts Wohlgeboren hierbei auch zu vernehmen gewesen, Alt wäre Sie berichtet [man beachte Wortlaut and Schreibung wegen der Devotion!], dass man vom Hospital Niemand mehr aufs Jagen hergeben wolle, Da doch solches vorhin jederzeit beschehen seye, So wird dieses von denen Hospitalpflegern dahin beantwortet, dass sie die erwachsenen Mannspersonen vom Jagen abzuhalten, zumalen wenn man Sie im Hospital nicht brauche, Sich nie in Sinn kommen lassen, die Buben aber bäten sie möchte man damit verschonen, weil sie hierdurch notwendig die Schuelen versaumen müssten, welches Ihnen an Ihrem zeitlichen und öwigen wohlergehen gar leicht hinderlich sein konnte.“ Also auf der einen Seite nutzbringende Arbeitslosenunterstützung, auf der anderen Seite auffallend hohe Schätzung der Schule.

Im Fall ernster Erkrankung kamen die Pfründner auf die Krankenstube, stand es bedenklich um sie, so wurden sie „mit den hlg. Sacramenten versehen“. In diesem Falle nahm der Spitalmeister des Kranken Schlüssel zu seiner Kammer und Truhe zu sich, um seine Fahrnis und Habe zu schützen und sie dann den Spitalpflegern abzuliefern, wenn der Kranke starb.
Dieser sollte bis zuletzt mit aller gebührenden Pflege und Wart im Essen und Trinken versorgt werden.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963