Historie

Der Ödenturm brennt

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Der Ödenturm brennt

Vor 100 Jahren

Der Abend des 18. Januar 1921 blieb vielen Geislingern lange Zeit im Gedächtnis. Ein Wintergewitter war aufgezogen und hatte durch Blitzschlag zunächst das elektrische Licht lahmgelegt. Oberhalb der kurzzeitig nur durch Gas beleuchteten Stadt war dann plötzlich jedoch der Ödenturm durch Flammen hell erleuchtet. Ein Blitz hatte in das Dach des Turmes eingeschlagen und den Dachstuhl in Brand gesetzt. Das Feuer breitete sich schnell auf den ganzen hölzernen Innenausbau aus, der schließlich im Inneren des Turmes in sich zusammenbrach. Die zum Ödenturm geeilte Freiwillige Feuerwehr konnte das Bauwerk nicht löschen und nur den umliegenden Wald vor einer Ausbreitung des Brandes schützen. Die Stadt verlor eines ihrer Wahrzeichen und ein schon damals beliebtes Wander- und Ausflugsziel.

Es verwundert daher nicht, dass nur wenige Tage nach dem Unglück erste Planungen zum Wiederaufbau entstanden. Schon am 21. Januar erfolgte auf Anregungen aus der Bürgerschaft zur Einsparung von Steuermitteln ein Spendenaufruf. Auch wenn die Stadt größere Beträge von lokalen Firmen wie der WMF erhielt, so ermöglichten doch erst die Gaben aus der Bevölkerung, die teilweise durch eine Tür-zu-Tür-Sammlung von Schülerinnen generiert wurden, die Wiedererrichtung.

Vom hohen Stellenwert des Turms für die Stadt und ihre Bewohner zeugen dabei Spenden, die von ehemaligen Geislingern aus aller Welt eingingen. Über Kontakte in ihre frühere Heimat hatten nicht nur Spender in Düsseldorf oder Köln von der Sammlung erfahren. Aus New York sandten gleich mehrere Familien mit Geislinger Wurzeln größere Beträge, ebenso wie andere, die mittlerweile in Norwegen und Peru lebten. Sie alle trugen zu einem Spendenaufkommen von knapp 20.000 Mark bei.

Schon seit seiner Entstehung als exponiertes Vorwerk der mittelalterlichen Burg Helfenstein waren durch Blitzeinschläge immer wieder Reparaturen und neue Innenausbauten notwendig geworden. Im Mittelpunkt stand dabei über Jahrhunderte die Eigenschaft als Beobachtungsturm für die Geislinger Brandwache, die bis 1810 im Falle einer Feuersbrunst vom Ödenturm aus Alarm gab. Im Jahr 1921 stand jedoch der touristische Nutzen des Turmes im Vordergrund.

Bereits im September 1921 fanden die von Geislinger Firmen durchgeführten Bauarbeiten ihren Abschluss. Die Bürgerschaft hatte ihr Wahrzeichen in nur acht Monaten zurückerhalten. Das Wintergewitter vom 18. Januar 1921 und seine Folgen schockierten Geislingen, unterbrachen aber nur für einige Monate die Möglichkeit eines unvergleichlichen Blickes über die Stadt und ihre Umgebung. Vielen Dank an Herrn Dr. Philipp Lintner vom Stadtarchiv Geislingen für diesen Bericht.