Historie

Die Loffenwiesen – Geislingens Geschichte

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Die Loffenwiesen – Geislingens Geschichte

Das Mähen des dritten Grases

Die Loffenwiesen setzten sich gegen Norden fort in den Wiesen, die sich an der Eyb ab- und aufwärts hinzogen, und weiter hinaus in den Wiesen des Längentals. Viele von diesen zur Gewinnung von Heu und in geringerem Maße auch von Öhmd bestimmten Wiesen waren auch von Obstbäumen bestanden.

Die Gewinnung von Öhmd war in älteren Zeiten, wo noch der Weidebetrieb überwog, auf bestimmte Wiesen beschränkt, um den Weidertrag nicht zu mindern, ebenso wie auch die Umwandlung von Wiesen in Äcker und umgekehrt erschwert war, letzteres vor allem, damit die für ewige Zeiten einmal festgesetzte Gült immer gleich blieb. Aber man lese und staune! Am 24. November 1774 wurde im Gericht in Geislingen festgestellt, dass in diesem Jahr ihre Wiesen haben dreimal mähen lassen: „der Altenstatter Millen, Christian Eberhards zu Hofstetten am Steig Wittib durch ihrer Tochter Martin Heubergers Weib allhier, Enter Straub, Millen an der Staig und Johannes Krafft, Baur zu Amstötten“.

Schon am 29. September 1763 wurde geklagt

Über „das mähen des dritten grases auf denen Wiesen“ als etwas „ohnerlaubtes“, und zu „Beschwer- und verdriesslichkeiten anlass gebendes“, wurde schon den 29. September 1763 geklagt, „es seind auch den 1. Oktober 1765 und 30. August 1766 Zerschiedene Personen deswegen gestraft worden“. Diese hatten das Mähen des dritten Grases damit erklärt, dass das „Aufklauben“ des Obstes unter den Bäumen erschwert sei, wenn das Gras nicht gemäht ist. „Vor dismal will man denen Obernannten ihr Verfahren zwar übersehen, es soll aber der von einigen den 26. August 1773 Einem hochlobl. Oberamt übergebenen Imploration [Bitte] ohnerachtet, bei zweimaligen Mähen der Wiesen und zwar bei 4 Gulden Straf von jedem Tagwerk in Zukunft verbleiben.“ Das Gericht sieht also offenbar die Vernünftigkeit des Vorgehens der Verklagten ein, aber Herkommen muss Herkommen bleiben, in Zukunft wird doch gestraft. Am 27. August 1753 wurde auch das Öhmdnachrechen als Obstdiebstahl mit Strafe bedroht.

Wozu nun die vielen Wiesen?

Entsprach ihrer Zahl und Größe die Größe des Viehstands? Das letztere lässt sich natürlich nicht mehr feststellen, weil die Statistik damals noch nicht erfunden war.
Es lässt sich nur soviel anführen, dass, wie der ganze landwirtschaftliche Betrieb früherer Zeiten, der Futterbau viel extensiver betrieben wurde, d. h. für die Erzielung des gleichen Futterbetrages früher eine wesentlich größere Fläche benötigt wurde. Aber wer brauchte denn Wiesenfutter? Sollen wir annehmen, dass die „Pfaffen“ und der Schulmeister Schwarz , die wie wir früher sahen, aus Wiesen Gült entrichteten, einen Stall unterhalten haben? Oder wenn sie durch Erbschaft erbgültige Wiesen erhalten haben, warum haben sie nicht auf dieses Erbe zugunsten von etwas anderem verzichtet? Oder zogen sie aus dem Ertrag der Wiesen mehr Nutzen als die Gült betrug?

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963