Historie

Ein lustiger Nachtwächter

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Ein lustiger Nachtwächter

Geislingen im 18. Jahrhundert

Ein für die Sicherheit der Stadt und ihrer schlafenden Bewohner nicht ganz unwichtiger Posten war derjenige der vier Nachtwächter.

Die Aufgabe des Nachtwächters war es, nachts durch die Straßen und Gassen der Stadt zu gehen und für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er warnte die schlafenden Bürger vor Feuern, Feinden und Dieben. Er überwachte das ordnungsgemäße Verschließen der Haustüren und Stadttore.

Häufig gehörte es auch zu den Aufgaben des Nachtwächters, die Stunden anzusagen – weniger als Auskunft als mehr zur Anzeige, dass er seinem Dienst ordnungsgemäß nachging. Diese Ansage konnte auch in der Form eines Nachtwächterliedes geschehen. Der Nachtwächter hatte das Recht, verdächtige Personen, die nachts unterwegs waren, anzuhalten, zu befragen und notfalls festzunehmen. Zur typischen Ausrüstung eines Nachtwächters gehörten eine Hellebarde oder eine ähnliche Stangenwaffe, eine Laterne und ein Horn.

Der Nachtwächter gehörte, obwohl er eine wichtige Tätigkeit in der Stadt ausführte, wie zum Beispiel der Abdecker oder der Henker, meist zu den unehrlichen Berufen und lebte daher in sehr bescheidenen Verhältnissen. Mit der flächendeckenden Einführung von Straßenbeleuchtungen und neuen Polizeigesetzen um die Wende zum 20. Jahrhundert ging gleichzeitig die Abschaffung der meisten Nachtwächter einher.

Am 28. März 1788 hatte das Gericht den neuen Nachtwächter Friedrich Fetzer, einen „gewesten Beck“ vereidigt und ihm die Nachtwächterordnung vorgelesen. Dabei erhielt er die Weisung, seinen Kollegen von Amtes wegen zu sagen, dass in Zukunft der Tag sommers um zwei Uhr und winters um fünf Uhr anzuschreien sei, dass sie also so lange zu wachen haben. Da dadurch die Wache im Winter um drei Stunden verlängert wurde, beantragten sie eine Holzzulage für die Wachstube.

Bisher hatten sie offenbar das Holz für die Heizung ans den Holzvorräten der Stadtscheuer geholt. Nun werden ihnen zwei Klafter Holz vom Spital zugebilligt, dafür aber wurde die Requirierung aus der Stadtscheuer untersagt. Mit dem Nachtwächter Fetzer hatte das Gericht aber offenbar den Bock zum Gärtner gemacht. Denn in der Sitzung des 2. Dezember 1790 wurde festgestellt, dass er statt der Ordnung nach anzurufen „boshafte ohnanständige Schreie ausgestoßen“ habe.

Vor Gericht zitiert, erscheint er nicht. Da sich das Gericht durch diese Schreie selbst beleidigt fühlte, bittet es den Obervogt, ihn wegen seinen „ohnverschämten“ Vergehens zu bestrafen. Abgestraft wurde er durch „Incarceration“, also Inhaftierung.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963