Historie

Geislingens Historie – Das Geislinger Spital

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Geislingens Historie – Das Geislinger Spital
Die Gründer

Das Geislinger Spital

Wenn nun die Geschichte des Spitals eine Darstellung finden soll, so wird sie kein Nachruf sein, wie bei der Sebastiansbruderschaft und dem Kaisersheimer Hof. Denn wenn auch die alten Spitalgebäude zum Teil der Spitzhacke zum Opfer gefallen sind und noch modernen Bauten Platz machen sollen, teils nach Umbauten schon einer anderen Verwendung zugeführt worden sind, so bestehen sie in anderen Formen und unter anderem Namen weiter.

Es sollte ja nicht nur eine Pflegestätte sein für Kranke, denen es an häuslicher Pflege fehlte oder deren Krankheit nicht mit den einem Haushalt zur Verfügung stehenden Mitteln behoben werden konnte, es sollte auch nicht nur Unterkunft für Alte und Gebrechliche sein, die sich nicht selbst versorgen konnten. Ja, es wurde immer mehr zum Ersatz des Elternhauses für Verwaiste und Verwahrloste. Es sollte von Anfang an auch vorübergehend eine Bleibe sein für die armen Brüder und Schwestern von der Landstraße (es befand sich aber auch in Geislingen die Urzelle des Spitals unweit des nächsten Stadttores, um die oft recht unerwünschten Gestalten möglichst bald wieder aus der Stadt entfernen zu können). Diese sozialen Leistungen werden in der Neuzeit von privater, staatlicher und kirchlicher Seite immer mehr als verpflichtend erkannt und anerkannt. Wer hat das Spital gegründet? Stadt oder Staat? Keines von beiden.

Beide Institutionen versagten sich im Mittelalter dem, was wir in dieser Hinsicht heute als ihre Pflicht ansehen, vollständig. Oder die Kirche? Direkt nicht, wohl aber indirekt, sofern sie es dem Menschen zur ernsten Pflicht gemacht hat, für sein und der Seinigen Seelenheil zu sorgen, und indem sie ihm als einen der Wege hierzu die Wohltätigkeit gegenüber Armen und Kranken erwiesen hat. So haben alle Gründungen und Stiftungen des Mittelalters mit wohltätigen Zwecken nicht einen rein humanitären, sondern einen religiösen Hintergrund gehabt. Wir lesen denn auch in dem noch erhaltenen Text eines Stiftungsbriefes, dass die Stifter „durch got und durch unser und unser vordern seil hail willen, vom dem ez her chomen ist“, (nämlich das, was jetzt gestiftet wird) ihre Stiftung gemacht haben. Der Stifter ist nun nicht etwa irgendein Glied des helfensteinischen Grafengeschlechts, wie man erwarten könnte, weil noch zur Zeit der Stiftung über der Stadt die Stammburg des Hauses ragte.

Denn schon 1351 am Katharinentag (25. November) rief, vielleicht in Nachwirkung des Schwarzen Todes, der kurz zuvor in fast ganz Europa zu einem Massensterben geführt hatte, ein helfensteinischer Dienstmann mit Zustimmung seines Dienstherrn, Graf Ulrich X., das Spital ins Leben: „Ich Sitz (Seitz) von Nallingen und mit mir min elchiu Husfrow Ann des Schnappers seligen ettwenn (einst) slichiu wirtin verjehen (erklären) baidu mit ainander unverschaidenlich …daz wir … haben verschafftet und vermachet diu guot, diu hienach geschrieben stant ,,, da zain spital gemacht wird ze Gislingen…“

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963