Historie

Geislingens Historie

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Geislingens Historie
Der Kaisersheimer Hof

Verkauf des Klosterhofs

Auf die langwirtschaftlichen Grundstücke und den Wald legte die Stadt wert und das behielt sie. Für die Wohngrundstücke hatte sie keine Verwendung, vielleicht scheute sie auch bauliche Aufwendungen auf die alten Häuser.

Sie stieß deshalb die baulichen Anwesen in der Froschgasse, der heutigen Schillerstraße am 7. Februar ab um 1500 Gulden an das Geislinger Spital (nach einigem Hin und Her: Ulm forderte zuerst 2000 Gulden).

Es muss auffallen, dass beim Verkauf des Steinhauses, das doch einst auch zum Kaiserheimer Hof gehört hatte, nicht mehr erwähnt wird, ebenso das Haus der St.-Franziscus-Kaplanei, die heutige Schubartschule. Offenbar ist beides schon früher vom Kloster abgestoßen worden, weil dieses keine geeignete Verwendung dafür hatte, und in herrschaftlichen Besitz übergegangen. Nach dem Stadtbuch war es Sitz des Pflegers Hans Umgelter, der in diesem Amt in Geislingen etwa von 1533 bis 1586 nachweisbar ist.

Damit wird ein nicht recht verständlicher Revers vom 11. November 1575 zusammenhängen, wonach dieser Pfleger und ein N.N. Weckherlin Wasser für die Herrschaftsstube des Kaisersheimer Kastenhaus bezogen haben und nun aufgefordert werden, davon gütlich abzustehen, wenn der Rat dieses Wasser für die Gemeinde oder des Bades Wegen brauche, das ja bis zu seiner Zerstörung im 30jährigen Krieg zwischen der Kapellmühle und dem Klosterhof lag.

Wie das Spital die ihm durch den Kauf zugefallen Häuser weiterverwendet hat, ist noch nicht völlig aufgeklärt. Nach der Rüeffischen Renovation von 1730 hatte das Spital damals in der Unterstadt zu erhalten „das Haus so ein jederweiliger Physicus Medicinae alhie bewohnt“, also war damals die Amtswohnung des Stadtphysicus in der unteren Stadt. 1766 aber war die Doktoratswohnung im Wohngebäude des ehemaligen Kaisersheimer Hofs, das aber auch unter den Gebäuden der Hospitalpflege aufgeführt ist. Im Steinhaus befand sich um diese Zeit die Stadtschreiberei, es soll aber Privatbesitz gewesen sein.

1809 ging auch das Haus der Doktorswohnung in Privathände über, in die des letzten von Ulm eingesetzten Physicus Dr. Vetter, und blieb von da an Privatbesitz (in den 60er Jahren in den des einst sehr verdienten und angesehenen Reallehrers Fink), danach der Maschinenfabrik MAG und der Metallwerkstätte Rau.

Das Steinhaus aber muss im 19. Jahrhundert an die Oberamtspflege gekommen sein, denn aus ihrem Besitz wurde es von der Justizverwaltung für das Oberamtsgericht erkauft. Nach der Erbauung eines neuen Oberamtsgerichts in der Schulstraße 1880, wurde es der Amts-und Wohnsitz des Forstamts, und der Rest war an Privatpersonen vermietet. Durch zahlreiche Umbauten zeugten nur noch die ungemein starken Mauern von seinem hohen Alter.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Jahre 1803 von Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963

 

Bild: Bild: Merianstich von Geislingen, der im Jahre 1643 angefertigt worden ist – mitten im 30jährigen Krieg.