Historie

Bauern in der Stadt und in Altenstadt

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Bauern in der Stadt und in Altenstadt

Gült in Geislingen

Man wird sich das engere Landschaftsbild um Geislingen noch bis im 19. Jahrhundert hinein so vorstellen müssen, dass die Stadt in weitem Umkreis umgeben war von einem Kranz von Wiesen und Gärten, in den nur wenige Ackerflächen für Bauern, mehr an der Peripherie, eingeflochten waren.

Vom Spitaltor an zogen sich auf der Westseite der Stadt gegen Südosten bis über des Oeschayen Turm hinaus die Gärten der Sebastiansbruderschaft und Baumwiesen, am Hang flankiert von einzelnen Ackern, und von Rorgensteig aus kamen ihnen Gärten und Länder entgegen, wie sie auch von dort aus gegen den Weißen Weg hinaufzogen, unten früher flankiert vom unteren Weiher, der sich allerdings schon vor dem oberen Weiher jenseits des Weißen Wegs in Wiesen umgewandelt hatte.

Am 10. November 1553 beschloß nach den Ulmer Ratsprotokollen der Rat auf Anbringen der Herrschaftspfleger: „Wegen des Fürnemens mit dem weiher zu Geisslingen ist entschlossen und uff bemelte meine Herren [nämlich die Herrschaftspfleger] gesetzt mit solchem Vorhaben zu Ains Ers. Raths Nutz und wolfahrt nach irem und der werklaut sampt anderer verstendigen ratsam Bedenken fortzufahren und die visch im weiher dem Stöckhlin zu lassen.“

Rueffischen Renovation

Mit diesen Worten ist die Trockenlegung des oberen Weihers entschieden. 1589 war nach einer Andeutung der Rueffischen Renovation schon 35 Jahre lang die Umwandlung des Weihers in Wiesen, Gärten und Krautländer vollzogen. Unterhalb der unteren Vorstadt zog sich nach Norden hin das breite und lange Wiesengelände der Loffen, von der in Rinnsale aufgelösten Rohrach und dem Linsenbach durchflossen, westlich flankiert von Wiesen, vor allein den Schwärzwiesen und nördlich der Wiesensteiger Straße bis zum Rank auch von Äckern.

Was den Namen „Loffen“ betrifft, so ist er die mundartliche Form für Lauffen. Man erinnere sich daran, daß der Rheinfall bei Schaffhausen ursprünglich „der große Lauffen“ hieß und ein Schloß dabei „Schloß Lauffen“. Das Wort bezeichnet also einen Wasserfall und der einstige Geislinger Lauffen, der heute verschwundene Wasserfall von der Terasse der heutigen Karlstraße, war der Absturz der Rohrach auf das Gelände der heutigen Schulstraße. Von hier aus erstreckte sich die Lauffenwiese bzw. die Lauffenwiesen bis hinunter zu dem heute verschwindenden Notzentäle.

Es begann unterhalb der Stadtmauer mit dem von Bürgermeister Veihelmann 1576 dem jeweils Ältesten seines Geschlechts vermachten und bis in dieses Jahrhundert herein vererbten Garten und einem Grundstück des Spitals, auf denen das heutige Knabenschulhaus 1907/08 erstellt wurde. Die ursprünglich regellos das Gelände durchziehenden Rinnsale der Rohrach, deren Niederschlag der das Gelände in seiner Länge und Breite unterlagernde Tuff ist, waren im Laufe der Jahrhunderte zunächst von Geislingen aus in ein planmäßiges System von Bewässerungsgräben umgewandelt worden.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963