Historie

Gült in Geislingen

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Gült in Geislingen

Bauern in der Stadt und in Altenstadt

Die ursprünglich regellos das Gelände durchziehenden Rinnsale der Rohrach, deren Niederschlag der das Gelände in seiner Länge und Breite unterlagernde Tuff ist, waren im Laufe der Jahrhunderte zunächst von Geislingen aus in ein planmäßiges System von Bewässerungsgräben umgewandelt worden.

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Aber nicht jeder Wiesenbesitzer hatte seinen eigenen Wassergraben, sondern die meisten waren darauf angewiesen, dass ihnen ihr Ober- oder Nebenmann Wasser aus seinem Graben zukommen ließ. Die Folge waren beständige Händel und Klagen („Rivalitäten“ = Bach- oder Wasserstreitigkeiten), welche die Behörden zum Eingreifen nötigten. Die Lage wurde dadurch erschwert, dass nicht nur Wiesenbesitzer sich um das Wasser stritten, sondern auch auf strömendes Wasser angewiesene Handwerksbetriebe, die sich an der Rohrach niedergelassen hatten.

Das Stadtbuch D gibt Einzelheiten aus drei Fällen des Eingreifens der Behörden in den 40er Jahren des 16. Jahrhunderts. Auf Grund früherer Regelungen und erneuten Augenscheins er-ließen 1540 die Ulmer Herrschaftspfleger wieder einmal eine Regelung. Die diesbezügliche Ordnung zählt nicht nur fast die halbe Einwohnerschaft von Geislingen auf, sofern nicht nur die damaligen Wiesenbesitzer alle genannt sind, sondern auch die Vertreter der darunter befindlichen Witwen, von denen jede zwei Vertreter hatte. 42,5 Tagwerk Wiesen sollten mit dem befruchtenden Nass bedacht werden. Jedem wurde im allgemeinen entsprechend der Größe seines Grundstücks eine bestimmte Stundenzahl zuerkannt, es wurde aber offenbar noch etwas anderes berücksichtigt.

Die Größe der Wiesen schwankte zwischen 0,75 und 4 Tagwerken. Auf 1 Tagwerk kamen in der Regel 1 bis 1,5 Stunden Bewässerungszeit. Nach dem Ablauf dieser Zeit musste die Falle so gestellt werden, dass der Anstößer das Wasser bekam. Gewisse Wiesen, die zum Wässerungsgebiet gehörten, müssen wohl im untersten Teil des Notzentälchens gelegen gewesen sein.

Alles war ins einzelne genau geregelt, und daran schlossen sich bewegliche Mahnungen zu freundnachbarlichem Verhalten. 1546 waren dann die Abmachungen ausgedehnt worden auch auf die 6 Tagwerk „Krautwiesen“, es war der Wasserbedarf des „Lawstampffs und der Walkmühle“ (einstige Ruine an der Ecke der Schul- und Moltkestraße) am Ostende der Lauffen besonders berücksichtigt und der „alte Gebrauch“ einiger anderer Besitzer von Wasserwiesen speziell der auf dem Gißbronnen und den Stadtbach angewiesenen bestätigt worden. Aber 1549 mussten die getroffenen Ordnungen durch dieselben Herrschaftspfleger erneut bestätigt und in nachhaltige Erinnerung gebracht werden. Dabei wurde ausdrücklich auch das Interesse des Hammerschmieds Laux Veihelmann gewahrt. Wenn die für jeden Tag festgelegten zwei Stunden vorüber seien, sollte das Wasser ihm zugeleitet werden.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963