Historie

Höhepunkt der Inflation

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1618 – 1648

Höhepunkt der Inflation

Reichsstände, Grundherren und überhaupt alle, die Geldrenten oder ein festes Einkommen bezogen, waren im Laufe der letzten 40 Jahre infolge der Geldentwertung allmählich um den größten Teil ihrer Einkünfte gekommen. Deshalb erschien nun die völlige oder doch annähernde Rückkehr zur schweren Münzwährung von 1559 als das einzige Mittel, um allen jenen wieder zu ihrem Einkommen zu verhelfen und die freilich im Grund genommen nur scheinbare Preissteigerung des Lebensbedarfs zu beseitigen. Aber so wenig Einheitlichkeit war damals, vollends während des Kriegs, im Deutschen Reich, dass man es den einzelnen Kreisen überließ, ob man das schlechte Geld mit einem Sprung oder staffelweise in der Abwertung absetzen wollte.

Der Schwäbische Kreis, zu dem Ulm gehörte, wählte ungeschickterweise die Staffelung und kam infolgedessen nie bis auf den Stand von 1559. Zudem stellte man auch die Bestimmung des Anfangstermins in das Belieben der einzelnen Stände des Reichs. Die Folge davon war, dass jeder Stand wieder andere Termine wählte und die Qualen des Übergangstudiums diejenigen der vorangegangenen drei Jahre noch hinter sich ließen, zumal da die Kipper es nicht verschmähten, ihre eigenen Münzen für wertlos zu erklären oder wenigstens ihren Wert weiter herabzusetzen. In Um wurden die schlechtesten Sorten der Drei- und Sechsbätzner sofort verboten und die etwas besseren stufenweise herabgewürdigt. Dadurch entstand wieder Mangel an Kleingeld.

Deshalb prägte Ulm wieder Silbermünzen und tauschte einstweilen jeder Haushaltung drei bis vier Gulden in Kupferkreuzern gegen noch nicht verbotene Zwölfer und Vierundzwanziger um. Vom 30. Mai 1623 an waren dann in Ulm alle Kippermünzen ungültig. Gleichzeitig wurde der Taler von sechs Gulden = 360 Kreuzer Scheidemünze auf ein Gulden 30 Kreuzer = 90 Kreuzer Scheidemünze, also auf ein Viertel herabgesetzt, aber nur scheinbar, denn tatsächlich blieb sein innerer und äußerer Wert, und nur das Kleingeld gleichen Namens, der Kreuzer, erhielt einen viermal so hohen Nennwert. Nun sollten alle Preise, Löhne, Wirtszechen auf einmal auf den vierten Teil der bisherigen Beträge zurückgehen, bis durch eine eigene Behörde eine neue Waren- und Lohnordnung fertiggestellt sei. Die Durchführung dieser neuen Preis- und Lohntaxe war eine sehr undankbare Sache für die Obrigkeit und hatte unzählige Beschwerden zur Folge.

Einen Nutzen hatten die Münzwirren: Im Schwäbischen, Bayrischen und Oberrheinischen Kreis wurde die Rechnung nach den mittelalterlichen verschiedenwertigen Pfunden, Schillingen und Hellern oder Pfennigen jetzt verdrängt durch die Rechnung nach Kreuzern, Batzen und Zählgulden zu 60 Kreuzern. Dass die Heimzahlung von Leikapitalien unter diesen Verhältnissen eine große Rolle spielen musste, ist begreiflich. Es gab zahlreiche Währungsstreitigkeiten.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Jahre 1803von Georg Burkhardt / Kommissionsverlag JanThorbecke Konstanz / 1963