Historie

Schafe in Geislingen

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Schafe in Geislingen

Räude oder Grind

Die Schafe in Geislingen wurden in verhältnismäßig kleinen Herden ausgetrieben. Und 1443 bzw. 1455 gebieten Vogt und Pfleger von Geislingen: wer, ob reich oder arm (!), 16 Schafe „summert“, d. h. sommers auf die Weide schickt, muß dem Schafhirten jährlich „ainen Stall“ geben, d. h. 16 Groschen; wer 16 Schaf hier „summert“ und 30 Schaf hier wintert, muß ihm einen weiteren Stall geben.

Wer seine Schafe hier schert und wäscht, hat gleichfalls einen Stall zu geben, auch wenn er durch einen Freund oder sonst ihm Nahestehenden scheren und waschen läßt. Fährt jemand mit seinen Schafen oder anderem Vieh zu einer Zeit, da das Befahren der Wiesen verboten ist, in eine Wiese, so hat er dem Besitzer der Wiese 15 sh als Poen zu zahlen und 15 sh dem Oeschay, ebenso wer sein Vieh sogar darein „schliege“, d. h. darin lagern ließe. Ganz allgemein wird angeordnet, wer in eines anderen Garten oder Acker oder Wiese erwischt oder erfunden wird, ohne daß er etwa die Gartentüre aufgebrochen hatte, hat dem Oeschay für jeden Fall drei Pfennig zu zahlen.

In Zusammenhang mit den Strafbestimmungen für den Fall widerrechtlichen Weidens auf fremden Grundstücken und der Taxe für den Oeschay führt das Stadtbuch D auch die Gebühr an, die der Oeschay als Entgelt für den Flurschutz von jedem in Geislingen, der ein oder zwei Jauchert Korn schneidet oder in Altenstadt ein oder zwei Jauchert Korn kauft, zu beanspruchen hatte, nämlich eine Garbe, gleichgültig ob Winter- oder Sommerkorn.

Der Schlußsatz lautet: „Darinnen seind ausgesetzt die großen Bew [Bäu], als Hans Wieland, Banthlion Leher, Burger und desgleichen.“ Für die Großbauern bestanden also offenbar besondere Bestimmungen, die an dieser Stelle nicht angeführt sind. Leider ist nicht sicher, ob dieser Nachtrag derselben Zeit entstammt wie die Schafordnung, an die er angehängt ist und die aus dem Jahr 1443 stammen soll. Um diese Zeit ist allerdings ein Hans Wieland in den Spitalurkunden genannt, zum Teil als Spitalpfleger, und ein Phantalion Leher ist 1472 belegt.

Die Schafe gaben auch wegen ansteckender Krankheiten Anlass zu allerhand Verordnungen. Zu ihrer Beaufsichtigung wurden Schafschauer vereidigt, niemand zu Lieb oder zu Leid verdächtigte Schafe auf Räude oder Grind (Ausschlag mit Borken) zu untersuchen. „Wann man den bruch“ (das Gebrechen) in der Herde feststellt, „so beit man den Schafen aus der Herrschaft“, das heisst weist sie aus. Werden sie nicht „gründig“ erfunden, so soll man sie isoliert auf einer andern Weide beieinander lassen und nach 14 Tagen wieder untersuchen.

Bestätigt sich der Verdacht wieder nicht, „so erkennt man sie schön“, das heisst werden sie für gesund erklärt. Wegen der Gefahr der Übertragung einer Seuche bei Gelegenheit der Schafwäsche wurde 1616 angeordnet, Schäfer, die bei ihrer Sommerweise Wasser in der Nähe haben, dürfen zur Wäsche nicht nach Geislingen kommen.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963