Historie

Weidstreitigkeiten

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Weidstreitigkeiten

Geislingen gegen Altenstadt

1613 war den Altenstadtern erlaubt worden, am Weg im Längental „auszureithen“, d.h. auszuroden und „Teile“ zu machen, also ein weiteres Stück am Weg entlang zu kultivieren. Diese hatten aber nicht nur des Guten zuviel getan, sondern vor allem dabei auch die Grundstücke der begüterten Geislinger durch das Kräutern geschädigt und namentlich Trieb und Tratt gehindert, den Verkehr von Mensch und Vieh.

Die Ulmer Herrschaftspfleger ordneten nun an, dass, wer zu viel gerodet habe, dafür gestraft werden solle, u.a. damit, dass er das über die Zulassung hinaus gerodete Stück liegen lassen und die Hecken wieder wachsen lassen müsse, ferner zum Schutz der dort begüterten Geislinger, dass die Geislinger Oeschayen das Gelände, das eigentlich bis zur „Steinenbruck“ (welcher?) unter Altenstadter Strafgewalt stehe beaufsichtigen und die bei einem strafwürdigen Vergehen Betroffenen bis zu 5 sh selbst rügen. Der Altenstadter Peter Lentz hatte ein an seinen Acker anstoßendes Stück seiner Holzhalde zum Acker umgebrochen, laut dem Salbuch darf er aber dort nicht mehr als 1,5 Jauchert Acker haben; was dieses Maß überschreitet, hat er wieder liegen zu lassen und wird dafür bestraft.

Das Salbuch verkörpert eben das alte Herkommen. In Sachen des erweiterten Hammers des Hammerschmieds Jerg Pflug wird das „unnachbarliche“ Verhalten der beiden Parteien gerügt und Erweisung von nachbarlichem gutem Willen gefordert und eine „ordentliche undermarkung“, welche die Parteien entweder durch billigen Vergleich selbst schaffen oder durch unparteiische Untergänger herstellen lassen sollen.

1623 sind erneut Streitigkeiten ausgebrochen. Die von Altenstadt fahren schon seit langem trotz der Einsprache der Geislinger mit ihren Schafen am Türkheimer Berg bis über die Stadt Geislingen hinaus zu Gall Banthlions selig Garten. Die Altenstadter gebrauchen auch einen Viehtrieb über die Äcker im hinteren Ösch, wo die Geislinger ihre Weide haben, den Eselweg zu hinauf am Türkheimer Berg. Die von Altenstadt haben ihre Weide auf den Zillerstallwiesen. Dort hat aber der Geislinger Bürgermeister Wilhelm Steeb seine oben daran liegende Wiese mit Bewilligung der Herrschaftspfleger umackern lassen und zu einem Acker gemacht. Jetzt klagen die Altenstadter auf Ersatz für den dadurch erlittenen Abgang an Weide. Dabei spielt ein großer Stein, den die Geislinger für einen Weidstein halten, eine große Rolle (eine eingehende Untersuchung zeigt nachher, dass es ein nicht mehr an seinem früheren Platz stehender Markstein war).
Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige – Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963