Historie

Westfälischer Frieden bis 1748

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Westfälischer Frieden bis 1748

Kriegerische Auseinandersetzungen

Da das Reich allein die Franzosen aus Süddeutschland nicht vertreiben konnte, zog von den Niederlanden her unter dem Oberbefehl des englischen Herzogs Marlborough, eines Vorfahren von Winston Churchill unserer Tage, ein aus Engländern, Holländern, Deutschen und Dänen gemischtes Heer von 36 000 Mann nach Württemberg, um sich mit den Reichstruppen unter dem Markgrafen Ludwig von Baden, dem „Türkenlouis“ und einem kaiserlichen unter Prinz Eugen von Savoyen zu vereinigen.

Am 13. August 1704 kam es zur Entscheidungsschlacht bei Höchstädt zwischen Dillingen und Donauwörth, in der die Franzosen und Bayern so entscheidend geschlagen wurden, daß nach gewaltigen Verlusten auf beiden Seiten die Überreste der verbündeten Franzosen und Bayern in eiliger Flucht über Tuttlingen auf das linke Rheinufer zurückwichen.

Der bayrische Kommandant in Ulm, General Bettendorf, übergab nach einiger vergeblicher Gegenwehr die Stadt schließlich am 11. September, um sie vor der Zerstörung zu bewahren. Die bayrisch-französische Besatzung erhielt das Recht, über Blaubeuren, Tübingen und den Kniebis ebenfalls nach Straßburg abzuziehen, und der bayrische Kurfürst sah sein Land von da an 11 Jahre lang nicht mehr.

Die fast zwei Jahre dauernde Besetzung durch die Verbündeten hatte Ulm und seine Einwohner mehr als drei Millionen Goldgulden, eine für damalige Verhältnisse ungeheure Summe, gekostet: nicht weniger als 32 mal war in diesen Jahren von der Bürgerschaft die Vermögenssteuer erhoben worden und in der Zeit, in der sonst nur 400 Menschen durchschnittlich gestorben sind, war mehr als das Sechsfache gestorben.

Der französische Oberbefehlshaber allein hatte an Quartierlasten 133 266 Gulden mehr aus der Stadt herausgepresst, als sie zu leisten verpflichtet gewesen wäre. Dabei hinterließen die französischen Offiziere für sich mehr als 80.000 Gulden persönliche Schulden und die bayrischen beinahe 42.000 Gulden. Obwohl von beiden Heeren zuerst Offiziere als Geiseln für die Bezahlung zurückgelassen wurden, sind die Schulden in der Hauptsache nicht bezahlt worden.

Als der bayrische Kurfürst 1715 in sein Land zurückkehren durfte, wurde er in Geislingen von der Stadt Ulm „bewirtet“, aber Ulm mied er und reiste über Elchingen in sein Land. Die verhängnisvollen Folgen dieses bayrischen Überfalls von 1702 haben den Niedergang Ulms, den der 30jährige Krieg nach kurzer Erholung vom Schmalkaldischen Krieg eingeleitet hatte, vollends besiegelt. Die Stadt siechte mehr und mehr noch ein Jahrhundert lang dahin, zumal da auch ihre innerpolitische Entwicklung sie lähmte.

Dazu kam die trostlose Lage des gesamten deutschen Volkes im 18. Jahrhundert, die zur Folge hatte, dass nach der Mitte des Jahrhunderts alles hoffnungsvoll auf Preußens König Friedrich II. blickte und von ihm die Wendung zum Besseren erwartete.

Quelle: Geschichte der Stadt Geislingen an der Steige - Georg Burkhardt / Kommissionsverlag Jan Thorbecke Konstanz / 1963