Interview

Interview mit Andreas Frey

-
Interview mit Andreas Frey
TVA-Trainer der Handballabteilung

Interview mit Andreas Frey

// Mitten im ersten Weltkrieg wird in Deutschland im November 1917 die Geburtsstunde des Handballs bekannt gegeben. Das körperlose vom „Torball“ zum „Handball“ umbenannte Sportspiel war zum damaligen Zeitpunkt speziell für Frauen gedacht und fand mit einem fußball-ähnlichen Ball draußen auf dem Fußballfeld statt. Wieso wurde damals auf Geschlechtertrennung wert gelegt?
Das Torballspiel besitzt seine Wurzel im Raffballspiel, welches eine Form von Ruby war, und auch vom weit verbreiteten Fußballspiel. Zu Beginn war es tatsächlich ein Frauenspiel, da es eine körperlose Alternative zum Fußball sein sollte. Damals war es Frauen nicht erlaubt, sich um den Ball zu raufen. Zum Glück hat sich in Sachen Gleichberechtigung viel getan. So dürfen heute Frauen und Männer gleichermaßen Handball spielen. In der weiteren Entwicklung des Handballs kann man beim heutigen Handballspiel sicherlich nicht mehr von einem körperlosen Spiel sprechen. Es ist brutal hart geworden, aber zum Glück in den meisten Fällen sehr fair. Vor diesem Hintergrund muss man den Frauen ja sehr dankbar sein, dass wir heute gemeinsam diesen tollen Sport betreiben dürfen.

// Der WDR hat im Januar eine Dokumentation mit dem Thema: „Handball in Deutschland: Weiß und deutsch wird zum Problem“ rausgebracht. „Kaum ein Sport in Deutschland tut sich so schwer, Jugendliche mit Migrationshintergrund für sich zu gewinnen.“ Ist an der Behauptung etwas dran oder wieso bekommt Geislingen hin, was anscheinend der Rest in Deutschland nicht schafft?
Ich kann mit dieser Behauptung nichts anfangen und finde es schon beinahe schwachsinnig. Der TV Altenstadt ist seit Jahrzehnten dafür bekannt, dass dort viele Spieler mit Migrationshintergrund spielen. Aber auch in vielen anderen Vereinen, nicht nur im Landkreis Göppingen, gibt es vermehrt Spieler mit Migrationshintergrund. Und das ist auch gut so. Nicht nur beim Sport sollte die Sprache, Herkunft oder Religion keine Rolle spielen.

// Bei der Beliebtheit rangiert Handball bei den Mannschaftssportarten hinter Fußball auf Platz zwei in Deutschland. Unter anderem durch Weltmeister Michael „Mimi“ Kraus aus dem benachbarten Göppingen ist Handball in Süddeutschland außerordentlich beliebt, kommt aber noch lange nicht an den Fußball ran, wieso ist das so?
Nach dem Aufstieg war es klar, dass es unheimlich schwer werden wird. Zudem haben wir dieses Jahr größere Verletzungssorgen. Wir haben mehr als 10 Spiele lediglich mit einem oder nur zwei Toren verloren. Das ist sehr ärgerlich, aber meine Spieler und auch die Vereinsführung verdienen ein riesen Kompliment. Für das entgegengebrachte Vertrauen möchte ich mich an dieser Stelle recht herzlich bedanken! In der Württembergliga führt ein Fehler nicht nur zu einem Ballverlust, sondern meist auch gleich zu einem Gegentor. Die körperliche Präsenz und die Geschwindigkeit des Spiels sind noch einmal bedeutend höher.

// Wo siehst du noch Verbesserungspotenzial?
Wir müssen unsere Tore im Positionsangriff durch spielerische Mittel erarbeiten. Das ist zum Teil sehr harte Arbeit. Aber wir sind dran und es funktioniert zum Teil schon sehr gut. Schließlich heißt unser Sport Handballspiel und nicht Handballwurf. Zudem müssen wir natürlich an unserer Chancenauswertung arbeiten und versuchen unsere technischen Fehler auf ein Minimum zu reduzieren. Wichtig ist auch, dass wir unser Tempospiel weiter fokussiert vorantreiben.

// Was ist deine persönliche Trainerphilosophie?
Das Abwehr- und das Torwartspiel ist das Wichtigste im Handball. Da werden 70% entschieden. Wenn du dann mehrere Systeme draufhast, ist der Grundstein gelegt. Man sollte sich in der Abwehr für jeden geblockten, gewonnenen oder gehaltenen Ball genauso freuen, wie wenn man ein Tor macht. Mich interessiert nicht wer die Tore schießt, Hauptsache wir schießen welche. Grundsätzlich interessieren mich die nackten statistischen Zahlen überhaupt nicht. Allerdings sind sie zur Analyse unabdingbare Parameter.

// Was würdest du aufstrebenden Trainern als Tipp mit auf dem Weg geben?
Bin ich schon so alt, dass ich Tipps geben kann? Aber grundsätzlich sollte man authentisch, offen und ehrlich zu sich selbst und vor allem gegenüber den Spielern sein. Nur so werden Entscheidungen, die ich leider treffen muss, auch akzeptiert.

// Welche Schwierigkeiten siehst du auf den Handball zukommen?
Ich sehe nicht das Personal als Problem, sondern eher die limitierten Hallenkapazitäten. Handball kann man nun mal nur in der Halle spielen und dazu sind auch ausreichend Hallenzeiten von Nöten.

// Wie bereitest du deine Spieler auf den nächsten Gegner vor?
Wir trainieren dreimal in der Woche. Dienstags wird das Spiel vom Wochenende analysiert. Vor dem eigentlichen Training findet zusätzlich ein 1-stündiges Athletiktraining mit Nicki Härringer statt. Mittwochs wird die Intensität nochmals hochgeschraubt. Am Freitag findet dann das Abschlusstraining statt. Dabei liegen die Schwerpunkte vor allem im taktischen Bereich und auf den nächsten Gegner. Anschließend schauen wir noch ca. 10-15 Minuten Video vom nächsten Gegner, welches mein Co-Trainer Engin Eroglu und ich im Laufe der Woche zusammengeschnitten haben.

// Der TVA hat eine bemerkenswerte Jugend. Ein paar Worte dazu?
Die Jugendarbeit des TVAs ist vorbildlich. Jede Handballabteilung basiert auf der Jugend. In der Jugendarbeit legt man den Grundstein für spätere Erfolge. Durch die Jugendleiter und den ganzen ehrenhaften Jugendtrainern wird die Jugendarbeit beim TVA hervorragend aufrechterhalten, gefordert und gefördert. Sicherlich stellt der Schwerpunkt das wöchentliche Training dar. Aber es werden auch regelmäßig viele Veranstaltungen außerhalb des Handballs angeboten. So kann man die Attraktion des Vereinslebens abwechslungsreich gestalten. Dies ist aber nur mit entsprechenden Helfern möglich. Zudem brauchen die Kinder und Jugendliche auch entsprechende “Vorbilder” im Erwachsenenbereich. Dieses Paket funktioniert perfekt beim TVA.

// Der TVA hat eine bemerkenswerte Jugend. Ein paar Worte dazu?
Schwer zu sagen, aber es gibt immer wieder Jugendspieler, die den Sprung sofort schaffen. Andere hingegen brauchen einfach ein bisschen mehr Zeit. Der Sprung vom Jugendhandball in den Aktivenbereich ist groß und unheimlich schwer. Deshalb ist eine gewisse Ausdauer und Hartnäckigkeit der Spieler von Nöten und wünschenswert. Seit ich Trainer beim TVA bin, haben es mehr als eine Handvoll Spieler in den Kader geschafft und sind dort mittlerweile zu Stammkräften geworden. Genau das ist Engins und mein Plan. Dafür stehen wir!

Bilder: Axel Klang

Weitere “koi” Nachrichten findet ihr hier

Teile diesen Beitrag auf: