Interview

Interview mit Cathalin Kühnhardt

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Interview mit Cathalin Kühnhardt

The Voice of Germany

// Hi Cathalin, du warst bei der aktuellen Staffel von „The Voice of Germany“ mit dabei. Was treibst du sonst so, wenn du nicht auf der Bühne stehst?
Ich habe ein schönes und normales Leben, bin Personalsachbearbeiterin in Jungingen beim Drogeriemarkt Müller. Wenn ich nicht arbeite, singe ich sehr gerne und verbringe meine Freizeit mit meinem Freund und unserem Hund.

// Gleich auf die 12 und zu „The Voice of Germany“. Wie oft hast du bereits an einem Casting teilgenommen?
Das ist recht einfach zu beantworten: Ein mal!

// Warum hast du bei „The Voice of Germany“ mitgemacht?
Das ist eine lustige Geschichte. Ich dachte, bevor ich 30 werde, muss ich meinen Hintern noch einmal aus der Komfortzone bewegen. Man muss dazu sagen, dass es zwei verschiedenen Möglichkeiten gibt, sich bei „The Voice of Germany“ zu bewerben. Entweder du schickst Videos hin oder gehst, wenn die Juroren in deiner Stadt sind, ohne Anmeldung vorbei. Ich habe mir am Abend vor dem Casting drei Lieder rausgesucht und bin am Tag drauf völlig spontan nach Stuttgart gefahren. Also just for fun. Völlig unvorbereitet und ohne Druck. Ich hatte nichts zu verlieren und war gespannt, wie die Reaktionen ausfallen würden. Von: „Stark, bleib doch da“ bis „Tu uns einen Gefallen und singe nie wieder“ war da alles offen. Es hat dann aber beim ersten Casting tatsächlich geklappt – der fehlende Druck hat wahrscheinlich geholfen.

// Wie viele „Auswahlrunden“ gibt es, bevor du auf die große Bühne darfst?
Ich bin wie gesagt unangemeldet zum Casting und hatte 3 Karaoke-Songs dabei. Diese sollten sprachlich gemischt sein, also nicht nur englisch, deutsch oder alle drei auf spanisch. Auch sollte die Musikrichtung variieren, damit der Jury die verschiedenen Facetten aufgezeigt werden kann – nur Ballade oder nur Punk kommt da nicht gut an. Da sitzen dann vier von der Jury drin und ich glaube es waren um die 35 Teilnehmer im gleichen Raum. Es gibt drei Castingrunden, dann ein intensives Interview. Dann kam die Nachricht, dass ein weiteres Casting stattfinden würde, dieses war Corona bedingt dann eine Aufnahme mit weiteren 3 Songs bei mir daheim, die ich nach Berlin geschickt habe. Nach zwei langen Monaten des Fieberns war ich so „hibbelich“ und enttäuscht, dass ich kurz davor war in Berlin anzurufen, um meine Teilnahme selbst rückgängig zu machen. Ich bin abends zum Karaoke-Singen, als meine Familie dann plötzlich kam und mich mit der freudigen Nachricht der Aufnahme überrascht hat. Dann war es nochmal ein langer Monat, bis ich nach Berlin durfte.

// Wie fand dein langjähriger Freund die ganze Sache?
Er hat mich voll unterstützt und immer an mich geglaubt. Was mir sehr gut getan hat war zum Beispiel, dass er das alles immer sehr realistisch sah: Es gibt viele Kandidaten, die bereiten sich jahrelang auf solch ein Casting vor … Bei mir war es eine Nacht – und in der habe ich größtenteils geschlafen!

// Wie hast du dich vorbereitet?
Es gab ein intensives Vocalcoaching mit der Band und ich konnte so viel trainieren, dass ich mit einem guten Gefühl auf die Bühne bin. Vor der großen Show gab es noch einmal die sogenannte „heiße Probe“, um den Ablauf zu lernen: Wann gehste runter von der Bühne, wo gehts raus aus dem Studio usw., damit du nicht wie der Ochs vorm Berg stehst, wenn es dann ernst wird.

// Auf einer Skala von 1-10, wie hoch war die Aufregung auf der Bühne?
Eine Drölf!

// Neulich war groß in den Medien zu lesen, dass niemand von den Künstlern mehr zu Mark will. Kannst du dir das erklären?
Ich selber verstehe es nicht, er kann ja was, er ist sehr nett und macht gute Musik. Vielleicht ist er zu lange dabei und die Leute haben sich satt gesehen.

// Wohnzimmerkonzert oder Clubkonzert?
Wohnzimmer!

// Wie ist es bei „The Voice“ hinter den Kulissen denn so?
Super entspannt und witzig. Ich hatte eine tolle Zeit und total viel Spaß.

// Wirst du zurzeit oft angesprochen?
Nee, tatsächlich nicht – das liegt aber wahrscheinlich an mir… Facebook ist dicht, da sind nur meine Freunde drin und auf Instagram passiert nicht viel, da bin ich nicht präsent. Beim Tanken oder in der KFZ-Zulassungsstelle wurde ich mal erkannt. Vielleicht liegts auch an der schwäbischen Mentalität.

// Möchtest du die Musik zu deinem Hauptberuf machen?
Nein, eindeutig nein. An den Tagen nach den Blind Auditions am 15.10.2020 war ich mit der Aufmerksamkeit restlos überfordert. Ich liebe meinen geregelten Alltag. Das geht als hauptberufliche Musikerin nicht, da bist du permanent auf Tour, fährst im kleinen Tourbus 14 Stunden von A nach B, pennst ständig außerhalb und die Bezahlung ist meist auch nicht so toll – besonders jetzt während Corona. Solange der Rubel nicht rollt macht das keinen Sinn – das muss einem echt liegen.

// Was würdest du den neuen hoffnungsvollen Talenten von „The Voice of Germany“ empfehlen?
Am besten bleibt euch selber treu, macht nur das, womit ihr am Ende auch selbst zufrieden seid. Mir war es wichtig, mich nicht verbiegen zu müssen und dass ich Spaß hatte. Ebenso, dass ich es mir selbst anschauen konnte und die Menschen in meinem Umfeld natürlich auch.

// Welche Instrumente spielst du?
Ganz früher mal Geige, jetzt habe ich langes „Gekrall“, da klappt das mit der Geige nicht mehr. Saxophon und Bass habe ich mal probiert – aber das liegt mir beides nicht.

// Geislingen ist …
Heimat!

// Happy oder traurig, dass es jetzt vorbei ist?
Dafür, dass ich gar nicht daran geglaubt habe, war das super und ich betrachte die Erfahrung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Show hat viel Freizeit verschlungen und war saustressig, aber es war super cool, das einmal alles mitzumachen, die anderen Talente kennenlernen zu dürfen und mit allen gemeinsam im Hotel zu wohnen.

// Hast du noch Kontakt zu jemanden?
Nein, es ist so vorzustellen, wie wenn man gemeinsam zur Schule geht und dann den Abschluss macht. Es war eine super Zeit, aber jeder lebt danach sein eigenes Leben, so ist der Kontakt zu der Gruppe auch peu à peu eingeschlafen.

Titelbild: ProSiebenSAT.1/Richard Hübner