Interview

Interview mit Gabi Glang

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Interview mit Gabi Glang

Aus Liebe nach Geislingen

// Hallo liebe Gabi, schön dass es geklappt hat. Du bist ja wahnsinnig vielseitig unterwegs. Vorneweg: Was zieht eine Amerikanerin nach Geislingen und lässt sie auch 30 Jahre da bleiben?
Die Liebe! Ich habe mich in den Stadtjugendpfleger Rudi Ebert verliebt. In der Zwischenzeit sind wir bald 28 Jahre verheiratet und haben zwei Söhne, demnächst 26 und 27 Jahre alt.

LBS Michael Klar Geislingen

// Warst du davor schon der deutschen Sprache mächtig?
Ja, perfekt zweisprachig: Meine deutschen Eltern sind in den späten 50ern in die USA ausgewandert. Ich bin in den USA geboren, im Elternhaus wurde ausschließlich Deutsch gesprochen. Augenzwinkernd muss ich hinzufügen: Ich hatte wohl kaum eine Wahl: Nachdem meine Mutter am Vassar College ihren Bachelor in Germanistik machte, wurde sie 1969 Deutschlehrerin! Übrigens eine wirklich emanzipierte Frau und ein Vorbild für mich.

// Wie wurdest du in Geislingen aufgenommen?
Mein Mann war durch seinen Job schon damals stadtbekannt, sein Bekanntenkreis hat mich gleich angenommen. Eine lustige Erinnerung, die dies illustriert: Nachdem wir im Rathaus getraut wurden, gingen wir vor die Tür – und wurden überrascht von einer riesigen Hüpfburg, die direkt vor den Rathaustreppen aufgestellt worden war. Dutzende von Kollegen, Freunden und Stadtjugendring Mitgliedern sprangen ausgelassen darin herum. Es gab kein Entkommen, ich musste also meine Pumps ausziehen und in meinem hübschen Hochzeitskleid und sorgfältig gestylter Hochzeitsfrisur wild durch die Luft springen.

// Du hast in den Staaten deinen Bachelor of Arts im Bereich „Creative Writing“ gemacht. Was ist das?
Anders als in Deutschland gibt es an den amerikanischen Unis schon viele Jahrzehnte anerkannte Creative Writing Programme. Neben Anglistik und Amerikanistik lernt man das Handwerk Schreiben von etablierten Autoren.

// Ein paar Jahre später wurdest du Dozentin für kreatives Schreiben in Englisch sowie Deutsch an etlichen Fachhochschulen in Deutschland aber auch in Dänemark. Wie kam es dazu?
Eher zufällig: 1995 fragte die VHS Göppingen bei mir an, ob ich einen Literaturkurs übernehmen würde: Gegenwartsliteratur der schwarzamerikanischen Autoren. Eins führte zum anderen, ehe ich mich versah, war ich Dozentin für kreatives Schreiben an der VHS. Das habe ich konsequent ausgebaut, denn ich stellte fest, dass mir das Unterrichten lag und mir zudem riesig Spaß machte. Ich merkte, dass ich ein Performance-Gen habe, dass das Unterrichten im Prinzip nichts anderes ist als Performance.

// Als wäre das nicht genug, begannst du kurz darauf als Dozentin für Pastellmalerei? Wie kam es dazu?
Seit frühester Kindheit beschäftige ich mich mit der Malerei, das hat meine Mutter sehr gefördert, zumal sie als Nebenfach Kunstgeschichte studierte. Am Anfang meiner Zeit unter Schwaben fremdelte ich noch ein bisschen, meine lyrische Stimme verstummte zu dieser Zeit. Das hatte zur Folge, dass ich meine künstlerischen Aktivitäten vertiefte. Ich verstehe mich in erster Linie als pleinair Landschaftsmalerin, d.h. ich male im Freien. So habe ich meine neue Wahlheimat, die Schwäbische Alb, erkundet und kennengelernt – über das Malen mit Pastellkreiden. Irgendwann war es dann soweit, dass ich auch diese Kenntnisse weiter geben wollte.

// Geislingen hat eine sehr internationale Bevölkerung. Konntest du als Dozentin an der Hochschule Esslingen im Bereich „Intercultural Communications“ deinem lieben Ehemann Rudi Ebert – ehemaliger Integrationsbeauftragter Geislingens – behilflich sein?
Nein, eher umgekehrt. Als die Anfrage von der HSE kam, hatte ich keine Ahnung von der Theorie; ich halte mich eher für die Praktikerin! Mein Mann hatte aber an der VHS Aalen die Ausbildung gemacht und empfahl mir diese. Zudem haben mich Rudi und unsere Söhne, die sich beide im Bachelorstudium mit diesem Thema ebenfalls befasst hatten, sehr ermutigt, ich sei dafür geradezu prädestiniert. So war es dann auch.

// Weiter ging es als freie Übersetzerin und Autorin im Filmsektor. Sind da bekannte Werke von dir dabei?
2008 erhielt ich eine Drehbuchförderung von der Medien & Filmgesellschaft Baden-Württemberg für einen Spielfilm über die Malerin Paula Modersohn-Becker. Leider wurde der Film nicht realisiert, aber ich habe nebenbei Gedichte geschrieben, fiktionale Monologe. Daraus entstand das Manuskript „Göttertage“, das im Herbst 2017 von Klöpfer & Meyer Verlag veröffentlicht wurde. Mit Lesungen und Konzertlesungen bringe ich das Buch unter die Leute.

// Du warst unter anderem Dialogbuchautorin bei „Eine für Alle“ im ARD oder dem Kookaburra Comedy Club auf Sat 1, widmest dich heutzutage aber mehr deiner Kunst. Lass uns darüber reden …
Das Filmgeschäft ist gnadenlos hart. Da geht es um sehr viel Geld – und sehr viele dicke Egos wollen alle ein Stück vom Kuchen haben. Zwar habe ich gute, wertvolle Erfahrungen mit Schreibteams gemacht – und auch Geld verdient – doch unterm Strich war die Arbeit nervenaufreibend und künstlerisch unbefriedigend. Ich habe zu viel kostbare Energie in Projekte investiert, die nie realisiert wurden. Ich hatte es doppelt schwer, weil ich als Quereinsteigerin galt und keinen Abschluss von einer deutschen Filmschule vorweisen konnte. Jetzt bin ich zum ersten Mal in meinem Leben nicht auf Auftraggeber angewiesen. Und nun möchte ich mich auf künstlerische Projekte konzentrieren, die mich glücklich machen. Das sind: Kreativworkshops für kleine Gruppen in meinem Atelier in Gosbach und im Ausland – z.B. Italien und Irland diesen Sommer (Infos unter www.gabrieleglang.de). Weiterhin werde ich schreiben, das gehört zu mir genauso wie das Malen. Um meinem Performance-Gen gerecht zu werden (ein Künstler braucht schließlich Konsumenten – wir leben ja nicht in einem Vakuum!), möchte ich weiterhin Lyriklesungen und Konzertlesungen konzipieren und deutschlandweit durchführen. Auch verspüre ich den großen Wunsch, selber wieder Lernende zu sein, um meine Kenntnisse in Bezug auf Papierguss und Pulpemalerei sowie Buchkunst und japanische Holzlithografie zu erweitern und vertiefen. All dies habe ich bereits im vergangenen Jahr angeleiert und freue mich auf das, was kommt!

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