Interview

Interview mit Jens Rügner

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Interview mit Jens Rügner
Polizeioberrat das Geislinger Polizeireviers

Interview mit Jens Rügner

// Lieber Herr Rügner, Sie leiten als Polizeioberrat das Geislinger Polizeirevier, über wie viele Polizeibeamte verfügt das Revier?
Das Polizeirevier Geislingen verfügt derzeit über 54 Polizeibeamtinnen und –beamte, von denen allerdings einige auch in unterschiedlichem Umfang in Teilzeit beschäftigt sind.

// Mit welchem Gefühl sind Sie vor drei Jahren vom Innenministerium nach Geislingen gekommen?
Ich bin erwartungsvoll und mit einem sehr guten Gefühl nach Geislingen gewechselt, da es für einen Polizeibeamten natürlich eine schöne Sache ist, in dem Landkreis, in dem er seine Wahlheimat gefunden hat, mit der Leitung eines Polizeireviers betraut zu werden.

// Wie sicher ist Geislingen aus Ihrer Sicht?
Nicht nur aus meiner Sicht, sondern auch belegt durch unsere Kriminalstatistik kann ich Ihnen sagen, dass Sie in Geislingen überdurchschnittlich sicher leben! Baden-Württemberg ist seit vielen Jahren eines der sichersten Bundesländer, im vergangenen Jahr war die Wahrscheinlichkeit in unserem Ländle Opfer einer Straftat zu werden so niedrig wie seit über zehn Jahren nicht mehr und in Geislingen ist diese Wahrscheinlichkeit sogar nochmals geringer als im Landesdurchschnitt. Also gibt es keinen Grund, sich übermäßige Sorgen zu machen und wir als Ihre Polizei werden weiterhin mit Nachdruck daran arbeiten, dass das auch so bleibt.

// Wie kann man das Sicherheitsgefühl der Bürger vor Ort stärken?
Videoüberwachung? Erhöhte Präsenz der Polizei?
Das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung kann man meines Erachtens dadurch stärken, dass man deren Anliegen ernst nimmt, als Polizei ansprechbar ist sowie eine bürgerorientierte und bürgernahe Polizeiarbeit ausgerichtet an den örtlichen Bedürfnissen leistet. Das ist der Grund, warum wir mit unseren örtlichen Sicherheitskonzeptionen „Sicherheits- und Ordnungsstörungen/Sicherheit im öffentlichen Raum“ sowie „Raser und illegales Tuning“ entsprechende Schwerpunkte gesetzt haben, denn genau diese „Bedürfnisse“ bzw. „Wünsche“ wurden auch in Bürgergesprächen sowie in Form von entsprechenden Mails, Anrufen und Schreiben an uns herangetragen. Wir sind mit Fahrzeug- und Fußstreifen genau dort im öffentlichen Raum präsent, wo wir entsprechende Probleme haben, sind dort präsent, wo es aus Ihrer Sicht erforderlich ist und kontrollieren dort genau die Dinge, die unsere Bürgerinnen und Bürger besonders beeinträchtigen oder verunsichern. Das ist aus meiner Sicht der richtige Weg, um nicht nur das Sicherheitsgefühl zu erhöhen, sondern als Polizei gemeinsam mit Ihnen allen effektiv und effizient dort anzusetzen, wo die tatsächlichen Probleme liegen. Die Ergebnisse unserer Maßnahmen zeigen uns, dass wir hierbei auf dem richtigen Weg sind. Eine Videoüberwachung halte ich hierbei für weniger zielführend und diese ist auch rechtlich an sehr hohe Hürden geknüpft.

// Im Vergleich zu früher halten sich Menschen als Verkehrsteilnehmer offenbar immer weniger an Regeln: Sie gehen über Rot, radeln auf der falschen Seite oder fahren zu schnell. Woran liegt das?
Das ist meines Erachtens wie auch das Phänomen der „Schaulustigen“ und „Handyfilmer“ an Unfallstellen, das Befahren oder Blockieren von Rettungsgassen etc. Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die durch zunehmende Egoismen geprägt ist. Insgesamt halte ich das für eine der Herausforderung unserer Zeit, für die die Gesellschaft auf breiter Ebene Lösungen suchen muss. Die Polizei hat hierbei selbstverständlich im Rahmen der ihr zugewiesenen Aufgaben eine ganz besondere Rolle, was bedeutet, dass wir dort, wo sich solche Verhaltensweisen häufen und es ggf. auch zu Belästigungen oder Gefährdungen anderer kommt, kontrollieren und festgestellte Verstöße sehr konsequent ahnden, um dort wo Appelle an die Vernunft und gute Worte nicht mehr ausreichen, ein Umdenken über den Geldbeutel zu erreichen, was oftmals leider erforderlich ist.

// Mussten Sie schon einmal im Einsatz schießen?
Nein, glücklicherweise musste ich das nicht und ich hoffe – wie jeder Polizist – dass mir das auch bis zum Ende meiner Dienstzeit erspart bleiben wird.

// Was wünschen Sie Ihrem Präsidium hier für seine Zukunft? Mehr Leute, mehr Fahrzeuge, keine Kriminalität mehr?
Keine Kriminalität mehr wäre wohl ein hehres Ziel, über das wir, so wünschenswert das wäre, wohl in der Realität nicht nachdenken müssen. Denn seit es Menschen gibt, gibt es wohl immer auch Zeitgenossen, die sich gerade nicht an die Regeln des Zusammenlebens halten. Technisch ist die Polizei zwischenzeitlich hervorragend ausgestattet. Dass die Personalsituation der Polizei derzeit angespannt ist und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter viele Überstunden leisten müssen ist kein Geheimnis, deshalb wünsche ich mir selbstverständlich, dass die Einstellungsoffensive unserer Landesregierung möglichst schnell Früchte trägt und die jetzt eingestellten Kolleginnen und Kollegen bei uns auf den Polizeirevieren ankommen. Insbesondere wünsche ich mir aber, dass es uns gelingt, weiterhin eine erfolgreiche Sicherheitsarbeit in unserer Region zu leisten, mit der die Bürgerinnen und Bürger zufrieden sein sowie gut und gerne hier leben können und selbstverständlich, dass alle meine Kolleginnen und Kollegen allzeit gesund aus ihren Einsätzen zurückkehren und zu ihren Familien nachhause kommen.

// Wie empfinden Sie das Ansehen der Polizei in der Bevölkerung generell?
Ich denke das Ansehen der Polizei in der Bevölkerung ist insgesamt sehr gut, das zeigen ja auch immer wieder größere Umfragen auf Bundesebene, in denen gefragt wird, als wie vertrauensvoll die einzelnen Berufsgruppen gehalten werden und in denen die Polizei zu meiner großen Freude immer irgendwo auf den oberen Rängen, wenn auch meist nicht ganz oben, zu finden ist. Wie sich das nun hier im regionalen Raum darstellt, dazu möchte ich auf die vorhergehende Frage verweisen.

// Wie ist Jens Rügner privat?
Vielfältig engagiert, naturverbunden, gerne im Kreise der Familie, mit Freunden oder mit dem Hund unterwegs, leidenschaftlicher Kutscher (Pferdekutsche) aber auch Heavy Metal-Fan und eigentlich immer unterwegs.

// Ein paar Worte an die Leser?
Ich freue mich, dass ich Ihnen in dieser Ausgabe des koi einige wenige Einblicke in meine Arbeit sowie die Arbeit Ihrer Polizei geben konnte. Im Mittelpunkt unseres Engagements als Garant für die Sicherheit in unserer Region stehen allerdings Sie als Bürgerinnen und Bürger. Wir als Polizei treten jeden Tag mit dem Ziel an, dass Sie hier in unserer Heimat gut und sicher leben können. Ich darf Sie deshalb bitten, sich mit Ihren Sorgen und Problemen vertrauensvoll an Ihre Polizei zu wenden, uns verdächtige Beobachtungen zu melden, sich ggf. als Zeuge zur Verfügung zu stellen und uns so dabei zu unterstützen, Straftaten möglichst zu verhindern, bevor sie passiert sind oder diese aufzuklären, wenn sie schon begangen wurden! Denn nur mit Ihrer Unterstützung kann die Polizei genau dort ansetzen, wo Ihre Nöte am größten und unsere Hilfe am dringendsten sind!