Interview

Interview mit Joachim Kohn

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Interview mit Joachim Kohn

Alb Ei

// Eier sind ein gefragtes Lebensmittel. Der durchschnittliche Deutsche verspeist im Jahr 211 Stück davon. Das sind jährlich über 18 Milliarden Eier alleine in Deutschland. Wie viele Tiere habt ihr insgesamt und wie viele Eier produzieren diese am Tag/im Jahr?
Wir haben knapp 20.000 Freilandhühner, welche circa 280 verkaufsfähige Eier je Huhn im Jahr legen.

// Wo und wie kann der Kunde eure Eier erwerben?

Unsere meisten Eier werden in den Edeka Läden Baden Württembergs verkauft, dort sind sie nur am Eieraufdruck zu erkennen, da Edeka sie in den „unsere Heimat“ -Schachteln verkauft. Dann sind wir noch regional bei der Markthalle Bucher in Deggingen, im H-Markt in Laichingen, im Dorfladen Aufhausen, im Geflügelhof Dangel Altheim, natürlich in unserem eigenen Hofladen in Türkheim sowie unserem 24/7 Regiomaten am Hof vertreten.

// Ihr als sehr tierfreundlicher Betrieb habt euch entschlossen, dem Verein für kontrollierte Tierhaltungsformen e.V. beizutreten, was ist das?

Durch die freiwillige Mitgliedschaft werden diverse, über die gesetzlichen Vorgaben hinaus reichende Tierhaltungsstandards vorausgesetzt und auch kontrolliert. Dort gibt es z.B. auch eine onlinebasierte Datenbank, die sämtliche Warenströme von der Hühneranzahl über die Eierlieferungen bis hin zum Futterverbrauch erfasst, um für Transparenz zu sorgen. Des Weiteren sind wir noch vom Qualitätszeichen Baden-Württemberg zertifiziert, welches die gentechnikfreie Fütterung beinhaltet, sowie die Futtererzeugung und Tierhaltung in Baden-Württemberg sicher stellt. Dies geht sogar so weit, dass von der Landesregierung ein verpflichtender Teil an heimischem Soja aus BW in unserem Futter vorgeschrieben ist, was wir absolut begrüßen.

// Was machen eure Freilandhühner bei schlechtem Wetter?

Jedes Tier darf seinen Tagesablauf selbst bestimmen, ab 10.00 Uhr stehen die Auslaufklappen offen, vorher sollte noch gefrühstückt und vor allem ein Ei gelegt werden. Dann steht den Damen ein großzügiger überdachter Wintergarten mit Außenklima zur Verfügung, welcher gerne bei Hitze, Regen und Schneefall angenommen wird. Vom Wintergarten gelangen die Hühner auch in das Freiland.

// Was versteht man unter artgerechter Haltung?

Natürlich halten wir Nutztiere und leben mit und von unseren anvertrauten Tieren. Wir als Familie Kohn haben noch nie Hühner in Käfigen gehalten, sondern sind von der Bodenhaltung zur Freilandhaltung gekommen, die Ställe haben Funktionsbereiche wie Sitzstangen, Legenester und Scharrbereiche, wo die Hühner zumindest ihr angeborenes Verhalten ausleben können, wie sich nachts auf die höchsten Plätze zurück zu ziehen, oder beim Eierlegen schön mit anderen ins abgedunkelte Nest sitzen. Auf unserer Freilandwiese haben wir z.B. dieses Frühjahr Pappeln gepflanzt, um den Hühnern ihren ursprünglich angestammten Lebensraum „Waldrand“ zu ermöglichen.

// Was braucht ein Huhn zum Leben?

Ganz banal, ordentliches frisches Wasser und von uns selbst hergestelltes Futter, beides zur freien Verfügung natürlich.

// Wie viele Eier legt ein Huhn in seinem Leben und was passiert danach mit ihm?

Wir rechnen mit 280 verkaufsfähigen Eiern, einige Eier gehen durch Beschädigung oder Verschmutzung nicht in der Verkauf, da wir nicht alle Hühner von der regelmäßigen Benutzung des Nestbereichs überzeugen können. Darum sind Eier aus Bodenhaltung und Freilandhaltung auch etwas teurer. Am Ende einer Legedauer von 14 Monaten werden die Hühner geschlachtet und als Suppenhühner oder für die Heimtiernahrung verwertet.

// Was passiert mit den männlichen Küken?

Unsere zuletzt eingestallten Freilandhühner sind Teil der Initiative „Huhn und Hahn“, dort werden die Küken bis zur Schlachtung separat aufgezogen. Natürlich erfolgt das nicht kostendeckend, darum sind diese Eier auch etwas teurer.

// Man liest immer wieder von abgeschnittenen Schnäbeln der Hühner, die sich aufgrund des engen Lebensraumes sonst selbst zerfleischen würden, ist dies in Deutschland auch legal?

Durch unsere bereits erwähnte KAT Zertifizierung haben unsere Hühner bereits im 4. Jahr unbehandelte Schnäbel. Durch Beschäftigungsmöglichkeiten im Stall, wie Picksteine, Einstreu oder rohfaserreiche Fütterung und das große Platzangebot in der Freilandhaltung gibt es kaum Rangkämpfe unter den Tieren. Da die Hühner ja im Freiland für jeden Besucher bei uns zu sehen sind, kann sich jeder gerne ein eigenes Bild davon machen.

// Ihr habt als landwirtschaftlicher Betrieb das Glück, gesundes Futter für die Hühner selber anzupflanzen, wie genau sieht das aus und wie unterscheidet ihr euch hierbei zu anderen Betrieben?

Durch unsere eigene gentechnikfreie Futterherstellung haben wir nur beste Erfahrungen bei der Versorgung der Hühner gemacht, nur das ist unsere Motivation. Wir erzeugen sogar Grünpellets fürs Hühnerfutter von unseren eigenen Albwiesen. Was andere Betriebe machen hat uns noch nie wirklich interessiert, jeder muss seinen Weg finden und die Kunden honorieren es, wenn es transparent und plausibel geschieht.

// Früher wurde als Frischetest für Eier der “Wassertest“ empfohlen. Wie sieht der aus und ist dieser noch aktuell?

Klaro funktioniert der Test mit der Größe der Luftkammer noch. Die Kunden können sich aber auch auf des Ablaufdatum am Etikett verlassen.

// Was ist der Unterschied zwischen einer Bio Henne und einer normalen Henne?

Freilandhühner haben in beiden Systemen je Tier 4 m2 Wiese zur Verfügung, in Biohaltung wird noch die Herdengröße auf 6000 Tiere begrenzt und natürlich die Fütterung mit biologisch erzeugten Rohstoffen.

// Was ist der Unterschied zwischen braunen und weißen Eiern?

Das ist tatsächlich reine Gewohnheits- oder Glaubenssache.

// Wie viele Hühner kann ein Hahn begatten und wie viele Hähne gibt es auf dem Hof?

Ein Hahn lebt normal mit bis zu 10 Hühnern zusammen. Wir halten wie die meisten Legehennenhalter keine Hähne bei unseren Hühnern.

// Was würden Sie den Bürokraten der EU vorschlagen, um die Situation allgemein in den Höfen zu verbessern, Appell auch an die eigenen Politiker in Deutschland?

Ich brauche keinem Politiker in der EU etwas vorschlagen, Landwirte erzeugen genau die Lebensmittel unter den Bedingungen, welche der Kunde kauft! Es ist genau diese Doppelmoral, die mich manchmal echt ärgert, im Gespräch möchte jeder mehr Tierschutz, aber im Supermarkt an der Ladenkasse wird tatsächlich entschieden, was zukünftig produziert wird.

Eigentlich haben die Verbraucher schon lange die Macht und sind sich dessen gar nicht bewusst. Somit habe ich eher einen Appell an die Verbraucher, redet mit uns, nicht über uns.