Interview

Interview mit Lisa-Maria Oechsle

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Interview mit Lisa-Maria Oechsle

Leistungssportlerin aus dem Filstal

// Hallo Lisa-Maria, vielen Dank für deine Zeit. Besonders momentan hast du ja wahrscheinlich gerade anderes vor.

Alles gut, passt super. Die deutschen Meisterschaften beginnen erst morgen.

// Wie alt bist du und wo kommst du her?

Ich bin 23 Jahre und komme ursprünglich aus Bad Ditzenbach, studiere aber in
Stuttgart Sportmanagement, bin also unter der Woche dann dort. Derzeit bin ich im 6. Semester und schreibe gerade meine Bachelorarbeit, dann noch ein Praktikum und ich bin fertig.

// Den Namen Oechsle gibt es doch auch in Geislingen, hast du etwas mit dem Respofit zu tun?

Ja, mein Vater Gerhard ist Geschäftsführer dort.

Das erklärt natürlich die sportliche Laufbahn. Erzähl, wie gings los?

Meine Schwester hat irgendwann mal mit dem Turnen angefangen und dann ging ich da auch hin. Dann kam Leichtathletik mit ungefähr 11 Jahren, der Mehrkampf und am Ende sind die Hürden geblieben.

// Wie lange bereitet man sich auf die deutschen Meisterschaften vor?

Wir haben heute Freitag, ich habe erst letzte Woche am Donnerstag das Go für die Meisterschaften bekommen. Da bleibt dann nicht mehr allzu viel Zeit, bzw. sollte man immer auf einem gewissen Level sein.

// Was ist dein Ziel für die nächste Woche in Berlin? Kann man im Vorfeld Prognosen abgeben?

Ich hoffe, meine Bestzeit von 13,99 Minuten auf 100 Meter zu unterbieten und natürlich aufs Finale. Das wäre gut – wird aber schwer.

// Wie viele Teilnehmerinnen gehen beim 100m Hürdenlauf an den Start?

Bei den Hürden gibt es 24 Teilnehmerinnen.

// Wie häufig trainierst du?

So ungefähr 5 Mal die Woche. Je nach Wettkampf kommt es darauf an, was trainiert wird, wieviel Pause gemacht wird. Es wird also viel variiert und nicht nur Hürden gemeistert, sonst auch schnelle Läufe oder der Kraftsport. Mein Krafttraining absolviere ich natürlich im Respofit

// Wirst du dort von deinem Vater trainiert?

Ja, er stimmt sich mit meinem Trainer ab, auch bezüglich des Trainingsplans und hilft mir generell sehr.

// Ist dies dein erster Wettkampf in dieser Größenordnung?

Ich war bei den Deutschen Meisterschaften einmal bisher in der Halle, aber das ist meine erste große „Freiluftveranstaltung“, viel größer, als alles Bisherige und was anderes … Ich freue mich sehr darauf.

// Musst du durch deinen Sport und das Training viel aufgeben?

Naja, was heisst aufgeben. Es macht mir großen Spaß. Ich kann mich ja trotzdem mit Freunden treffen, vor allem, wenn diese auch Sport machen und gleichzeitig trainieren. Wenn andere in den Urlaub gehen und ich zeitgleich meine Wettkämpfe habe, muss ich den Urlaub eben verschieben. Durch mein Studium bin ich sehr flexibel und kann meine Zeit einplanen und mein Training auch zwischen den Vorlesungen einbauen. Ein Bierchen geht auch mal, wenn es nicht direkt vor dem Wettkampf ist

// Lebst du streng nach einem Ernährungsplan?

Nee, ich achte eher nicht auf die Ernährung. Im Gegenteil, ich muss schauen, dass ich genug esse. Aber dass ich auf irgendetwas verzichte kommt nicht vor.

// Wieso nimmst du an solchen Wettkämpfen teil? Lohnt sich eine deutsche Meisterschaft auch finanziell?

Solche Wettkämpfe mache ich nur für mich persönlich. Wenn man jetzt wie zu den Deutschen Meisterschaften in Berlin in solch einem Riesenstadion läuft, dann ist das schon ein geiles Gefühl! Viele Zuschauer, tolle Sportler, eine Wahnsinnsatmosphäre. Schon etwas Besonderes. Finanziell ist das nicht relevant, außer du gewinnst irgendwas, aber das kann ja auch immer nur eine Person sein.

// Wann ist man als Leichtathletin auf dem sportlichen Höhepunkt?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich persönlich war früher im Mehrkampf. Ich war schnell, aber konnte keine Hürden laufen. Danach habe ich mich nur noch auf Sprint und Hürden konzentriert und habe einen großen Schwerpunkt natürlich auch auf die Technik gelegt, welche bei dieser Sportart essentiell ist. Diese wurde immer besser, ist aber immer noch sehr ausbaufähig. Das heißt, dass ich alleine aufgrund „Luft nach oben“ im Bereich Technik noch lange nicht auf meinem sportlichen Höhepunkt bin. Das hoffe ich zumindest

// Was waren deine bisherigen Erfolge?

Gold bei den Baden-Württembergischen Meisterschaften. Die 60m Hürden bei den BW Frauen in der Halle habe ich auch gewonnen.

// Was fasziniert dich am meisten am Hürdenlaufen und am Sport generell?

Es ist schon faszinierend, wenn man „volle Kanne“ auf die erste Hürde zurennt und diese dann hinter sich lässt. Generell finde ich am Sport super, dass ich alles rauslassen kann und es in diesem Moment auch nichts anderes gibt als mich und die Bahn, und natürlich die Hürden. Da ist alles andere um dich rum dann zweitrangig.

// Hast du schon größere Verletzungen davongetragen?

Bisher bin ich erstaunlicherweise nur zwei Mal gestürzt, aber das passiert natürlich schon leicht. Da kann von leichten Aufschürfungen bis zur schweren Gehirnerschütterung alles mit dabei sein … Aber wie gesagt, bisher hatte ich Glück.

// Wie ist das auf den Wettkämpfen. Herrscht ein großes Konkurrenzdenken zwischen euch Sportlern?

Nein gar nicht. Wir kennen uns ja größtenteils von den Wettkämpfen und es gibt keinen Zickenkrieg Direkt vor dem Start ist jeder allerdings in seinem eigenen Tunnel und bereitet sich selbst auf das Rennen vor.

Danke dir und alles Gute für Berlin!