Interview

Interview mit Manfred Bomm

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Interview mit Manfred Bomm
Journalist, Polizeireporter & Autor

Interview mit Manfred Bomm

// Hallo lieber Herr Bomm. Lange Zeit waren Sie als Journalist und Polizeireporter in unserer Region tätig. Hat diese Zeit die Themenfindung Ihrer Bücher beeinflusst?
Ja, sehr sogar. Vieles, was ich bei Gericht und im Gespräch mit Juristen und Polizisten erfahren habe, ist in die Geschichten eingeflossen. Um einen Krimi realitätsnah schreiben zu können, bedarf es solcher Kenntnisse.

// Wann haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Schreiben, und speziell fürs Krimi-Schreiben entdeckt?
Bereits für die Schülerzeitung „wir“ der damaligen Geislinger Mittelschule habe ich Krimi-Kurzgeschichten geschrieben. Zwar hat’s bis zu einem Roman noch Jahrzehnte gedauert, aber der Jugendtraum ging in Erfüllung.

// Vereinfacht Ihre Arbeit als Journalist das Schreiben von Romanen in Bezug auf Disziplin und Recherche?
Ich denke schon. Man muss eisern dran bleiben, hat auch einen vom Verlag vorgegebenen Zeitrahmen – und als Journalist habe ich den Ehrgeiz, die Geschichten so zu erzählen, dass jeder sagen kann: Ja, genau so hätt’s gewesen sein können. Dazu gehört eine intensive Recherche, sowohl vor Ort als auch in Fachliteratur und Archiven.

// Wie haben Sie Ihren ersten Verlag für Buch Nummer 1 begeistern können?
Reiner Zufall. Das war noch 2002, als deutsche Krimis von Buchhändlern und (was bisweilen auch heute noch der Fall ist) vom „großen Fuilletone“ nur belächelt wurden. Der Gmeiner Verlag, der meine veröffentlicht, hatte jedoch ein Gespür für den Wunsch der Leser nach Krimis aus der Heimat. Zwar schaffen’s auch heute oft nur überwiegend ausländische Autoren mit teilweise wüster, ja völlig unrealistischer Gewaltdarstellung in die großen Bestsellerlisten, aber die Nachfrage nach deutschen Krimis ist unverändert groß. Längst haben dies nun auch Verlage erkannt, die damals mein Manuskript abgelehnt haben. Leider überschwemmen sie den Markt mit regionalen Krimis.

// Ihre Kriminalromane handeln von Kommissar August Häberle, mittlerweile haben Sie bereits den 19. Roman erfolgreich veröffentlich. Wie wurde Häberle „erschaffen“?
Für Häberle gibt es ein reales Vorbild: einen Kommissar aus Göppingen. Ich hab ihn während meiner journalistischen Tätigkeit kennen- und schätzen gelernt. Er war von meiner Romanfigur, die ihn widerspiegelt, übrigens sehr begeistert und hat mich bei vielen Lesungsveranstaltungen begleitet. Leider ist er kurz nach seiner Pensionierung viel zu früh verstorben

//Uns wurde gesagt, dass sich Ihre Lesungen stark von den Lesungen anderer Autoren unterscheiden. Inwiefern?
Ich sitze nicht mit Leselampe auf der Bühne und „rezitiere“ ein Kapitel nach dem anderen. Lesen kann jeder selbst. Ich erzähle viel Hintergründiges, auch mit Augenzwinkern, und möchte mein Publikum zum Lachen bringen. Da merkt man dann ein bisschen, dass ich früher Büttenreden gehalten habe.

// Haben Sie das Ende des Buches beim Beginn bereits im Kopf? Oder entstehen viele Dinge erst nach und nach? 
Im Kopf beginnt die Geschichte mit dem Ende. Ich brauche zuerst das Verbrechen, um das herum sich dann alles entwickelt. Trotzdem gibt es einen roten Faden, an dem sich die Handlungsstränge orientieren müssen. Natürlich fallen mir während des Scheibens neue „Gemeinheiten“ ein, die allerdings am Schluss immer logisch erklärt sein müssen.

// Schreiben Sie immer zu Hause oder kann man Sie auch mit Stift und Papier beispielsweise auf dem Helfenstein oder einem sonstigen für Sie inspirierenden Fleckchen Geislinger Erde antreffen?
Ich schreibe am Laptop, im Sommer oft im Garten. Wenn’s nicht so recht klappen will, mache ich eine ausgedehnte Wanderung (meist durch einsame Wälder) und diktiere dann oft stundenlang ganze Kapitel auf das Smartphone.

// Wo wird der 20. Roman vorrausichtlich spielen?
Das ist schon sicher: Haupt-Schauplatz ist Bad Waldsee, weil Reha-Kliniken, Ärzte und Apotheker eine Rolle spielen. Protagonisten wohnen aber auch in Ulm und Göppingen. Hintergrund sind finstere Geschäfte mit gepanschten Arzneimitteln und mit Doping-Präparaten. Inspiriert hat mich das Thema „falsche Medikamente“ durch einen großen Prozess, der voriges Jahr gegen einen Apotheker in Norddeutschland geführt wurde. Im Übrigen schreibe ich Krimis ohnehin nicht der Gewalt wegen, sondern um jedes Mal ein aktuelles Thema in den Vordergrund zu stellen. Insofern spiegeln sich auch die gesellschaftlichen (und bisweilen auch politischen) Probleme der jeweiligen Zeit in meinen Romanen. Und auch solche der näheren Umgebung.

 

// Haben Sie Tipps für herangehende Schriftsteller?

Niemals für die Veröffentlichung oder Druck eines Buches etwas bezahlen! Dann bekommen Sie zwar einige hundert (oder tausend) Bücher, aber damit müssen sie dann selbst bei Buchhändlern hausieren gehen – oder sie im Internet anbieten. Ohne einen „echten“ Verlag im Hintergrund, wird es Ihnen kaum gelingen, in der unübersehbaren Vielfalt des Buchangebots wahrgenommen zu werden. Wenn Sie großes Glück haben, steckt der Buchhändler Ihres Vertrauens ein paar Exemplare irgendwo in ein Regal – natürlich auf Kommission.

// Was ist Geislingen für Sie?
Es ist natürlich die Heimat, die ich als Naturliebhaber sehr schätze, weil wir in einer wunderschönen Gegend leben. Allerdings verfolge ich mit Sorge, wie Geislingen im Vergleich zu anderen Städten in den vergangenen Jahren an Bedeutung verloren hat. An Fehlentwicklungen, die in der Vergangenheit eingeleitet wurden, hat man jetzt zu knabbern: Kahlschlag der oberen Hauptstraße (Sonne-Center), dann immer neue Einkaufszentren, die nicht dazu angetan sind, die Innenstadt zu beleben. Außerdem vermisst man ein zukunftweisendes Konzept, das nicht nur von kurzfristigen Zuschusstöpfen getrieben sein darf. Aber ich war selbst mal für eine Amtsperiode lang im Gemeinderat und hab erkennen müssen, wie schwerfällig und mühsam es ist, etwas zu bewegen. Und seit meiner Volontärzeit bei der einstigen NWZ Geislingen hab ich von den OB’s und Kämmerern nur eines gebetsmühlenartig gehört: Wir haben kein Geld.

// Sie setzen sich stark für den Weiterbau der B10 ein – vielen Dank dafür!!! Sind Sie guter Dinge, dass wir bald den Weiterbau erleben dürfen?
Um ehrlich zu sein, nein: viel zu oft wurden wir von Politikern jeglicher Couleur vertröstet und angelogen. Manchmal hab ich den Eindruck, die Straße sei politisch gar nicht gewollt, zumal andernorts sogar unbedeutende Umgehungsstraßen ratzfatz gebaut werden. Außerdem haben sich nun jüngst Anlieger aus Umwelt- und Naturschutzgründen ziemlich kritisch zu der jahrzehntealten Trassenführung geäußert. Müsste nun um- und neugeplant werden, würde der Weiterbau gewiss verzögert. Allerdings sind auch wir als Bürgeraktion B 10-neu nicht sehr glücklich über den massiven Verbindungsknotenpunkt bei den Y-Häusern (B 10 mit B 466). Und außerdem darf die Umgehungsstraße dort nicht enden, weshalb man in einem Zuge auch den Schildwachttunnel ins Rohrachtal bauen müsste.

// Sie sind begeisterter Wandersmann und haben auch schon das ein oder andere Wanderbuch veröffentlicht. Was ist Ihre Lieblingsroute?
Als Eybacher fällt mir auf Anhieb die Felsenrunde ein: Durchs Felsental Richtung Weiler, dann über den Bismarckfelsen runter und auf der jenseitigen Talseite zum Anwandfelsen hoch, von wo aus es zum Himmelsfelsen geht – und da wieder runter nach Eybach. Aber gerade entlang der Albkante, also raus bis Wiesensteig, gibt es überall traumhafte Wege, wilde Schluchten und atemberaubende Aussichtspunkte. Unsere Gegend „lebt“ von der Natur. Da bedarf es keiner zusätzlichen „Events“ für Touristen. Und außerdem sollten wir mit der Landschaft sorgfältig umgehen – und sie nicht an allen Ecken und Enden mit Gewerbegebieten belasten.

Vielen lieben Dank.