Interview

Interview mit Marco Margarido

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Interview mit Marco Margarido

Weltenbummler, Animateur, Personal Trainer, Teil der Aida-Besatzung aus Kuchen

// Du kommst auf Kuchen, wie kamst du in die große weite Welt?

Eine Freundin hat mich dazu gebracht. Sie hatte schon ein halbes Jahr im Tourismus verbracht und sagte damals zu mir, dass ich doch mal mitkommen soll. Das würde super zu mir passen. Sie hat recht behalten und ich war 10 Jahre unterwegs.

// Du hast in 10 Jahren 62 Länder besucht, das ist ja Wahnsinn …

Nach der Zeit in Ibiza und Rhodos war es immer mein Traum, auf einem Schiff zu arbeiten. 2006 war es dann soweit, deswegen war ich in so vielen Ländern.

// Was hast du denn auf der Aida gemacht und wie sieht dort der Arbeitsalltag aus?

Ich habe als Personal Trainer auf dem Schiff gearbeitet, war eine tolle Sache … Auf einem Kreuzfahrtschiff wird rund um die Uhr gearbeitet. Die Verträge gehen 4 Monate, dann hat man 2 Monate frei. Und die braucht man auch Die Tage unterscheiden sich zwischen Land- und Seetagen. An Landtagen hat der Arbeiter morgens und abends zu tun. An Seetagen natürlich den ganzen Tag. Eigentlich ist es so wie in einem Fitnessstudio. Kurse, Betreuung an den Geräten und Einzeltrainings.

// Mehr als 600 Mann/Frau Besatzung sind auf den AIDA-Schiffen durchschnittlich im Einsatz. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt. Wie funktioniert da das Zusammenarbeiten, aber vor allem das Zusammenleben?

Wir hatten 52 Nationen, die auf dem Schiff gearbeitet haben. Ich fand’s sehr spannend mit so vielen Nationen zu arbeiten. Jeder kommt aus einem anderen Kulturkreis und ist anders aufgewachsen und doch haben alle das Ziel, den Gast glücklich zu machen, jeder auf seine Art.

// Wie erfolgt die Verständigung grundsätzlich?

Die Amtssprache war Englisch, das haben auch alle gesprochen. Viel wichtiger war es zu lächeln und freundlich zu sein, das hilft in jedem Land.

// Kreuzfahrtschiffe verkaufen Urlaub – verspürt ihr als Angestellte auch einen Hauch davon?

Manchmal ja, manchmal Nein. Es ist harte Arbeit, aber in seiner Freizeit da sein zu dürfen, wo andere Urlaub machen, ist ein Geschenk.

// Es muss doch nerven, immer gute Laune haben zu müssen.

Wenn man seinen Job liebt und immer die Sonne im Gesicht hat, fällt das gar nicht so schwer.

// Wann hast du deinen Job gut gemacht?

Wenn der Gast mit einem Lächeln nach Hause geht. Wenn der Gast wieder kommt, sich an dich erinnern kann und von dem letzten tollen Urlaub spricht mit einem Lächeln im Gesicht.

// Klingt anstrengend auf Dauer.

Ist es nicht, es ist ein Geschenk, wenn man Gastgeber durch und durch ist.

// Was suchen die Menschen, wenn sie auf dem Boot Urlaub machen?

Spaß, Erholung und so viel wie möglich zu sehen in kürzester Zeit. Das Schiff ist ihr Hotel.

// Wer trinkt am meisten?

Die Gäste. Hahaha

// Wie sieht die Work-Life-Balance auf dem Boot aus?

Bei Landgängen erholt man sich und tankt Kraft.

// Hat wirklich jedes Boot seine eigene Brauerei an Board? Und wie funktioniert das?

Ja die meisten. Eigenes Braustübel und die Gäste können ihr eigenes Bier brauen. Ein Erlebnis.

// Wieso hast du dort aufgehört?

Meine Bedürfnisse haben sich im Lauf der Zeit geändert. Ich wollte mal an einem Platz sein. Aber ich vermisse die Zeit schon sehr.

// Was sind deiner Meinung nach die besten Länder, um alt zu werden?

Spanien, Portugal und die Türkei. Konstantes Klima und die Gelassenheit der Gesellschaft.

// Wieso sollte am besten jeder Mensch auf Weltreise gehen?

Um sich weiter zu entwickeln. Was anderes zu sehen, um selbst zu wissen, was er will oder nicht will. Um sich selbst besser kennen und schätzen zu lernen.

// Drei Fehler, die es bei der Planung zu vermeiden gilt?

Nicht auf einen Ort fixieren. Nicht darauf hören, was andere sagen. Seinen eigenen Weg gehen.

// Wie lässt es sich möglichst lang von dem eingeplanten Reisebudget leben?

Arbeiten, wo andere Urlaub machen.

// Du Armer kennst unseren Baris noch aus der Zeit der B-Jugend beim FTSV Kuchen. Wie war es so, mit Baris zu kicken?

Ein Traum, wir hatten einfach sehr viel Spaß, aber kicken kann er nicht

// Was verbindest du mit Geislingen/Kuchen? An welche Momente erinnerst du dich gerne und was war bzw. ist immer noch dein Lieblingsort hier?

Ich verbinde mit Geislingen so viel – meine gesamte Kindheit und mein junges Erwachsenenalter habe ich dort verbraucht und habe viele tolle und glückliche Momente genossen. Mein Lieblingsort ist die Brücke am Ende der Staubstraße in Kuchen.

// Vielen Dank Marco für deine Zeit!

Oh Mann, da sind gerade einige Tränen geflossen, krass wie sehr mich der Ausflug in die Vergangenheit mitgenommen hat.