Interview

Interview mit Markus Lörcher

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Interview mit Markus Lörcher
Osteopath

Interview mit Markus Lörcher

// Viele haben schon von Osteopathie gehört, können sich darunter aber nichts Konkretes vorstellen..
Osteopathie ist eine ganzheitliche und eigenständige Form der Medizin. Ganzheitlich, weil der Patient individuell behandelt wird und der ganze Körper als Einheit gesehen wird. Es werden Funktionsstörungen erkannt und behandelt, dazu nutzt der Therapeut in aller Regel seine Hände.

// Wie lange gibt es Osteopathie schon?
Die Osteopathie wurde 1885 von einem amerikanischen Arzt, Andrew Taylor Still, begründet und seitdem weltweit weiterentwickelt.

// Wie wirkt Osteopathie?
Es werden keine Erkrankungen oder einzelne Beschwerden behandelt, sondern die Ursache des Ganzen gesucht und behandelt. Wir arbeiten viel mit Faszien, das sind dünne Bindegewebshüllen, welche die Körperstrukturen umgeben und miteinander verbinden. Wenn man deren Verlauf folgt, oder Spannungen im Gewebe ertastet, kann man häufig erkennen, dass das Problem nicht an der Stelle, die auch schmerzt, verursacht wird.

// Gibt es bestimmte Voraussetzungen um Osteopathie machen zu dürfen?
In Deutschland ist es so, dass Osteopathie nur von Ärzten oder Heilpraktikern ausgeübt werden darf, da es bei der Osteopathie auch darauf ankommt eine Diagnose zu stellen. Aktuell sind es meist Heilpraktiker, die zusätzlich zu ihrer Heilpraktikerprüfung auch eine Ausbildung in Osteopathie machen, diese geht in aller Regel 5 Jahre und umfasst 1350 Unterrichtsstunden. Auch im Anschluss sind regelmäßige Fortbildungen ein Muss.

// Apropos Heilpraktiker, viele denken, dass ihr Globuli verteilt und ums Feuer tanzt?
Ja, aber wichtig, immer gegen den Uhrzeigersinn… Nein im Ernst, es gibt Kollegen, die homöopathisch arbeiten und viele die es nicht tun. Naturheilkunde kann man nicht mit Homöopathie gleichsetzen. Naturheilkunde im klassischen Sinne beinhaltet Phytotherapie – Pflanzliche Mittel, Hydrotherapie – Wasseranwendungen, Bewegungstherapie, Ordnungstherapie – Strukturierung der inneren und äußeren Lebensumstände und Ernährung.

// Als Laien haben wir natürlich auch ein wenig gegoogelt und herausgefunden, dass ihr mit den Händen „das rhythmische Fließen des Gehirnwassers“ ertasten könnt. Ich finde nicht mal meinen eigenen Puls, wie schaffst du das?
Ob es das Gehirnwasser ist, oder was sich genau bewegt, ist nach aktuellem Stand immer noch nicht ganz klar. Aber ja, man kann eine Bewegung im Gewebe wahrnehmen und beurteilt diese dann auch. Es ist einfach Übung und Fingerspitzengefühl. Man kann es lernen und durch Üben bekommt man ein bestimmtes Gespür dafür. Das kann aber schon mal Monate dauern, bis man überhaupt etwas spürt und bis man dann weiß was man spürt, dauert es nochmal sehr viel länger.

// Hyperaktivität kann bei Kindern durch Osteopathie geheilt oder eingeschränkt werden. Kollege Baris leidet eindeutig drunter. Bekommst du das in seinem fortgeschrittenen Alter noch hin?
Man kann immer versuchen, es zu verbessern, die Frage ist, ob die Kinder wirklich geheilt werden müssen. Was Baris angeht, da könnte man bestimmt was machen, ihr dürft ihn gern mal vorbei schicken. Das größte Problem für ihn wird sein, dass er bei mir eine Stunde Ruhe geben muss.

// Irgendwann mal im Studium gehabt. Osteon kommt aus dem Griechischen und bedeutet Knochen. Ihr macht doch aber direkt nicht viel mit Knochen?
Das Ganze heißt so, weil der vorhin erwähnte Herr Still meinte, es fängt mit den Knochen an. Und ja, wir arbeiten sehr viel mit Knochen, gerade die Manipulation bezieht sich im Wesentlichen auf Knochen. Aber auch bei anderen Techniken oder Behandlungen werden die Knochen mit einbezogen. Grade bei Problemen am Kopf hat man ja nur die Chance über die Schädelknochen zu behandeln.

// Heilen also ganz ohne Medikamente?
Im besten Fall ja, aber auch Osteopathie hat ihre Grenzen. Manchmal kommt man um Medikamente einfach nicht herum, aber leider wird immer noch zu viel eingenommen, auch ohne Rezept und es wird nach wie vor sehr viel verschrieben. Ob das immer nötig ist, ist eine andere Frage.

// Durchs Radeln und Snowboarden ist der ein oder andere Bruch schon erlebt worden. Kann Osteopathie dann eher schädlich sein?
Nein, wenn man es richtig macht besteht an sich keine Gefahr. Natürlich gibt es, wie bei jeder Behandlung Kontraindikationen, also Umstände bei denen eine bestimmte Technik oder Osteopathie an sich nicht angewendet werden darf. Zum Beispiel eine Manipulation eines Knochens bei einem Patienten mit hochgradiger Osteoporose. Die Gefahr, dass der Knochen bricht wäre zu groß. Aber dafür gibt es dann andere Möglichkeiten der Behandlung.

// Wie sieht gesunde Ernährung heute im Idealfall aus?
Gesunde Ernährung ist wie alles beim Menschen individuell, wir arbeiten in der Praxis mit einem Ernährungsplan, dessen Grundlage eine Vital- und Stoffwechselanalyse, also ein ausführliches Blutbild, bildet.

// Bestimmte Lebensumstände führen scheinbar dazu, dass es immer mehr Dicke gibt. Welche Faktoren begünstigen das?
Es gibt langsam wieder einen Wandel, aber es war aus meiner Sicht jahrelang so, dass dem Essen keine allzu große Bedeutung beigemessen wurde. Es wird aber nach wie vor viel Conveniencefood konsumiert und wenn man sich mal die Zutaten vieler Gerichte genau anschaut, braucht man sich nicht wundern. Zucker steht meist auf den ersten Plätzen. Und wenn der einzige Sport der Spaziergang zwischen Kühlschrank und Couch ist, wird es auf Dauer eng, zumindest in den Klamotten.

// Welche Maßnahmen können helfen, gesunde Ernährung noch mehr in den Fokus zu rücken und den Menschen näher zu bringen?
Wie gesagt der Wandel ist meiner Meinung nach schon im Gange, die Jüngeren interessieren sich wieder mehr für Nahrung und wo sie herkommt. Ich selbst halte es schon für sinnvoll im Rahmen der Möglichkeiten saisonal und regional einzukaufen.

// Für viele ist gesunde Ernährung mit mehr Mühe und Kosten verknüpft. Wie siehst du das?
Das kommt darauf an, was ich essen will. Gemüse ist in aller Regel billiger als Fleisch und zu gesunder Ernährung gehört auch verhältnismäßig mehr Gemüse als Fleisch. Typischerweise wird viel Fleisch gegessen und als Beilage ein bisschen Gemüse oder Salat, im Prinzip sollte es genau andersrum sein.

// Mal ganz ehrlich: Muss man sich als Therapeut selbst konsequent gesund ernähren? Oder darf’s auch mal ein Burger mit Pommes sein?
Na klar, darf’s auch mal ein Burger sein, aber das sollte halt die Ausnahme und nicht die Regel sein.

 

 

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Bild: Piet Mall  |  Fotodesign