Interview

Interview mit Martina Brandl

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Interview mit Martina Brandl
Kabarettistin, Schriftstellerin und Sängerin aus Geislingen

Interview mit Martina Brandl

Liebe Martina, vielen Dank für deine Zeit.

// Du bist ja geborene Geislingerin und hast, wie Wikipedia liebenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat, am Michelberg-Gymnasium dein Abi gemacht, bevor es in die große weite Welt ging. Was war der nächste Schritt?
In Berlin habe ich eine Ausbildung zur Wirtschaftskorrespondetin gemacht; damals dachte ich noch, ich brauche einen ordentlichen Beruf. Nebenbei habe ich aber schon Straßentheater gemacht, und bei der US Army Musicals und Revuen gespielt. Als ich nach einer Audition am Theater des Westens mein erstes professionelles Musical-Engagement bekam, habe ich dann dem Büro Adieu gesagt.

// War die Sendung 7 Tage 7 Köpfe ein Sprungbrett?
Das Sprungbrett war eher “Crème Frech”, meine erste eigene Sendung im WDR. Nachdem Rudi Carell die gesehen hatte, rief er persönlich bei mir an. Gottseidank hatte mich mein Management vorher gewarnt, sonst hätte ich gedacht, einer meiner Kollegen verarscht mich am Telefon.

// Was bedeutet Kabarett für dich?
Kabarett bedeutet für mich, über mehr zu reden als ob die eigene Mutti mit whats app klarkommt oder wieviel Datenvolumen ich am Ende des Monats übrig habe. Das muss nicht unbedingt tagesaktuell politisch sein, aber ich sehe mich auch nicht als dummen August, der nur unterhalten will. Dann kann ich auch den ganzen Abend Furzwitze erzählen. Ich werde oft gefragt, ob man über alles Witze machen darf und ich antworte immer: “Ja, aber man muss nicht.” Das wichtigste: Kabarett ist live. Die Show passiert immer nur einmal. Sie lebt nicht nur von meinem Material, sondern auch von der Reaktion des Publikums. Es ist ein Gemeinschaftserlebnis. Man lacht zusammen und im günstigsten Fall redet man noch im nächsten Tag im Büro darüber.

// Sind Kabarettisten immer lustig?
Das ist eine Typfrage. Es gibt Kollegen, bei denen geht der Schweinwerfer nie aus, die müssen auch nach der Show in der Pizzeria noch im Mittelpunkt stehen. Das kann ganz schön anstrengend sein. Für alle Beteiligten. Die meisten von uns sind privat aber ziemlich nomal. Gerade für uns Humorarbeiter ist es wichtig Beruf und Privatleben zu trennen. Daher ist die meistgehasste Frage unter Komikern: “Erzählen Sie mal Ihren Lieblingswitz!”

// Bist du immer noch augeregt, bevor es auf die Bühne geht?
Nur, wenn ich neue Nummern oder Songs ausprobiere.

// Du bist die Stimme von Angela Merkel in der Radio-Comedy Angie-Die Queen aus Berlin. Durftest du unsere Kanzlerin schon einmal persönlich treffen?
Ja, in Berlin. Sie saß im selben Restaurant wie ich und wir konnten ein paar Worte wechseln. Sie ist die einzige Person, von der ich mir ein Autogramm habe geben lassen. Eine sehr charismatische Persönlichkeit.

// Was hat dich nach so langer Zeit in der Hauptstadt wieder ins Schwabenland zurückkehren lassen?
Mein Mann und ich wollten nicht mehr in der Großstadt leben. Zurück zur Natur! Das Berliner Umland ist aber nicht so unser Ding. Wir lieben die Berge!

// Was verbindest du mit Geislingen?
Heimat. Rückzugsort. Freundliche Menschen. Eine schöne Fußgängerzone, drei tolle Biergärten. Ich wünschte nur, die Geislinger hätten etwas mehr Selbstbewusstsein und würden ihre Heimatstadt nicht immer so kleinreden. Ich bin viel unterwegs in Deutschland und ich sehe überall dieselben Probleme. Leerstehende Geschäfte sind keine Spezialität Geislingens. Das gibt es überall. Die Aktion, in diesen Geschäften Kunst auszustellen war eine super Sache. Man muss die Leere füllen um die Innenstadt zu beleben.

// Als Person des öffentlichen Lebens, wirst du oft auf der Straße angesprochen?
Ja, wenn jemand wissen will, wie spät es ist….Nein, so prominent bin ich nicht. Obwohl es einmal lustig war, als ich beim Einkauf mit Kreditkarte zahlte und die Verkäuferin sagte: “Jetzt hätte ich nur noch gern ein Autogramm von ihnen”. Ich dachte, sie meint die Unterschrift auf dem Kassenzettel, aber sie wollte tatsächlich ein Autogramm. Seitdem geh ich nicht mehr ungekämmt und in Jogginghosen einkaufen.

// Du hast dich letzten Monat auch bei der Geislinger Kundgebung gegen Fremdenhass und für ein buntes Geislingen, eine bunte Welt eingesetzt. Bist du generell politisch engagiert?
Ja, und ich wünschte, alle würden das tun. Jammern hilft nicht. Mitdiskutieren, anpacken, sich beteiligen hilft. Ich bin Mitglied bei den Grünen und werde mich auch wieder zur Gemeinderatswahl aufstellen lassen.

// Wo darf man dich in naher Zukunft bewundern, sei es als Sängerin oder Kabarettistin?
Am 3.11. spiele ich mein neues Programm “Schon wieder was mit Sex” in der Rosenau in Stuttgart.

Vielen lieben Dank für deine Zeit !!!!

Foto: Jorinde Gersina