Interview

Interview mit Olimpia

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Interview mit Olimpia
„Stand mit Größen wie Deep Purple, Gianna Nannini, Dio oder Slade auf der Bühne“

Interview mit Olimpia

// Hallo liebe Olimpia, 25 Jahre, Wahnsinn. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Bühnenjubiläum. Wie fühlst du dich?
25 Jahre sind relativ. Für einen Teenager sind 25 Jahre eine Ewigkeit. Für einen 85-jährigen Menschen fühlt sich ein Vierteljahrhundert wie ein Wimpernschlag an. Und ich stecke mittendrin. Manchmal fühle ich mich wie ein Teenager und manchmal wie eine 85-jährige Frau.

// Wie ging das alles los mit dir und der Musik?
Ich bin in eine musikalische Familie hineingeboren. Im Keller stand neben der Waschmaschine der Gitarrenverstärker und die Gesangsanlage meines Vaters. An den Wochenenden nahm er immer die ganze Familie mit zu seinen Konzerten und unser Wohnzimmer glich einem Musikfachgeschäft. Mein Leben war schon früh von Musik und Tanz geprägt.

// Du hast also Ralph Siegel lieber einen Korb gegeben, anstatt eine Karriere als „Helene Fischer“ zu starten?
Ich war jung, idealistisch und dickköpfig und so schickte ich Tape für Tape zurück, denn ich wusste genau, was ich nicht wollte. Irgendwann fanden wir einen passenden Song und ich nahm ihn in den Jupiter Studios auf. Das waren alles total nette Menschen, aber wir sind einfach auf keinen gemeinsamen Nenner gekommen. Ist vielleicht schöner ausgedrückt, als die Geschichte mit dem Korb.

// Ich habe immer noch ein Album von eurer Band Irean daheim, das mir mein Vater damals mitgebracht hat – super Musik!Warum hat es mit dem großen Durchbruch nicht geklappt?
Wir hatten viele kleine Durchbrüche. Unvergesslich tolle Konzerte und Begegnungen und das 18 Jahre lang. Genau betrachtet war das viel mehr wert, als ein Plattenvertrag, der uns vermutlich nach 5 Jahren auseinandergebracht hätte. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Wir hatten weder einen roten Faden, noch waren wir kommerziell genug, um es in die Charts zu schaffen. Das stand uns immer im Weg. Aber irgendwie wollten wir uns dahingegen auch nie verbiegen.

// Ihr wart mit den ganz Großen auf der Bühne, erzähl!
Grundsätzlich stehe ich immer mit den Großen auf der Bühne, bei einer Körpergröße von 158 cm ist es ein Leichtes. Spaß beiseite. Die Fans von Deep Purple einzuheizen hatte schon etwas Spektakuläres. Leider sind wir vor dem Konzert ganz rockstarmäßig aus dem Backstage-Zelt geflogen, weil sich einer unserer Musiker nicht vorschriftsmäßig verhalten hatte. Somit war das gemeinsame Verspeisen der Wurstbrote mit Deep Purple gestrichen. Wenn das nicht Rock’n Roll ist? Der eigentliche Kracher war allerdings der Auftritt im Rhein Energie Stadion in Köln vor 55.000 Zuschauer. Besser gesagt, 55.000 Italiener/innen, die aus allen Herren Ländern angereist waren. Das war magisch. Gleich nach unserem Auftritt bin ich heulend von der Bühne, weil mich das alles überwältigt hatte.

// Ganz lustig, ich habe neulich ein Interview von Ritchie Blackmore gelesen, der vor allem als Gründungsmitglied der Hardrockband Deep Purple zu Berühmtheit gelangte und auch mit euch schon auf der Bühne stand. Er wird immer wieder belächelt, als Erfinder unter anderem von „smoke on the water“ großer Fan vom deutschen Schlager zu sein – wie passt das?
Das frage ich mich jetzt auch. Kommt natürlich darauf an, welchen deutschen Schlager er meint. Ich glaube, das ist ein sehr dehnbarer Begriff. Genau betrachtet höre ich auch Musik, die nichts mit dem zu tun hat, was ich selber komponiere. Schlager gehört da allerdings nicht dazu.

// Auch in der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ durfte man dich bewundern – wie war das Schnuppern der TV-Luft?
Von aufregend lustig bis befremdlich verlogen war alles dabei. Aber vor allem war diese Erfahrung sehr belehrend. Ich habe Jugendliche getroffen, die danach erst einmal psychologische Unterstützung benötigt haben. Mit einigen Teilnehmer/innen habe ich sogar heute noch Kontakt, da hat die Chemie von Anfang an gepasst. Empfehlen würde ich die Teilnahme an Castingshows niemanden. Man sollte lieber in den Keller gehen und mit Livebands proben, Lieder schreiben und Gigs spielen. Statt für irgendwelche Juryaffen zu performen und choreografieren. Die hypen die jungen Künstler für ein paar Wochen zum Himmel hoch, um sie dann nach Sendeschluss wieder fallen zu lassen.

// Zusätzlich gibt es seit 20 Jahren deine Coverband „Velvet“ und seit 2009 dein ganz persönliches Projekt „Olimpia & The Diners“. Da du die Musik wahrscheinlich nicht hauptberuflich machst – wie bekommst du das alles unter einen Hut?
Dank eines guten Zeitmanagements und eines perfekten Netzwerks aus Elten , Schwiegereltern und Ehemann. Seit 2006 bin ich im Vertrieb und Marketing der Firma Schlagwerk tätig. Mittlerweile habe ich das auf ein paar Wochenstunden reduziert, da ich unter der Woche hauptsächlich Mama und Hausfrau bin. Allerdings ist mir Mamasein die liebste Aufgabe von allen. Am Wochenende tauscht die Mutti dann ihre Kochschürze gegen Bühnenklamotten ein und wird zur Rampensau. Musikalisch habe ich mir 2009 meinen ganz persönlichen Wunsch erfüllt. Ich erzähle gesungene Geschichten – in meinen Muttersprachen Deutsch und Italienisch. Mit Olimpia & The Diners spiele ich Musik, die etwas ruhiger und erwachsener klingt, aber niemals aufhört zu rebellieren. Auch nach 25 Jahren nicht.

// Nach all dieser langen Zeit auf der Bühne und dabei meistens im Mittelpunkt – wie wichtig nimmst du dich?
In dieser langen Zeit als Sängerin, Liedermacherin, Bookerin, Managerin und Bandköchin habe ich sehr viel erlebt und gelernt. Das Wichtigste davon ist, dass man sich nicht messen sollte. Wir sind keine Hochleistungssportler. Niemand muss schneller sein oder höher springen. Unsere einzige Aufgabe als Musiker ist es, Gefühle zu wecken und zu vermitteln. Die Zuhörer zum Nachdenken anzuregen oder diese auch mal vom Nachdenken abzulenken. Sie zu entführen, zu trösten und zum Lachen zu bringen. Wenn man die Kunst in den Mittelpunkt stellt und sich als Künstler nicht so wichtig nimmt, kann Gutes dabei entstehen.

// Was ist dein Motto für die nächsten 25 Jahre?
Bewegung, Bewegung. Eines der wichtigsten Dinge, die mir mein Papa beigebracht hat. Und mehr Selbstachtung in Bezug auf Körper und Geist. Das sind auch die Dinge, die ich meinem Sohn unbedingt mitgeben möchte.

// Wo kann man dich im Dezember auf der Bühne bestaunen?
Am Ende meines 25. Bühnenjahres darf ich erstmalig mit einer Big Band auftreten.
Und dann auch noch mit der Lumberjack-Bigband – wow! Gemeinsam mit der tollen Sängerin Carina Pittner, werden wir den Ausnahmekünstler Markus Engelstaedter gesanglich unterstützen. Die drei musikalischen Weihnachtsgottesdienste finden in der Oberhofenkirche in Göppingen am zweiten Weihnachtsfeiertag statt.

Übrigens: 2019 feiere ich wieder ein Jubiläum. 10 Jahre Olimpia & The Diners und wenn alles glatt läuft, krönen wir unseren Geburtstag mit einer neuen CD.