Interview

Interview mit Peter Oettle

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Interview mit Peter Oettle

Corona – Lockdown – Was tun mit der Haarpracht?

// Hallo lieber Herr Oettle. Ich habe es vor dem Lockdown leider nicht mehr zum Friseur geschafft und auf dem Kopf sieht es mittlerweile aus wie Kraut und Rüben. Und da bin ich sicherlich nicht alleine. Was raten Sie Ihren Kunden, die ihre Haarpracht nur noch unter einer Mütze verstecken können? In Eigenregie die Strähnchen aufzufrischen oder sich lieber einen neuen Lippenstift, eine neue Brille und ein hübsches Haarband zu kaufen und die Tragödie auszusitzen?

Ich rate meinen Kunden immer Geduld zu haben, denn irgendwann geht alles vorbei. Auf keinen Fall ohne fachliche Empfehlungen oder Ratschläge selbst die Strähnchen aufzufrischen oder die Haare zu schneiden. Wir bieten von Montag bis Mittwoch von 10:00 bis 12:00 Uhr eine telefonische Hotline an, um eventuell Tipps geben zu können. Unsere Kunden können natürlich auch ihre Farbrezeptur oder generell Pflegeprodukte bei uns erwerben.

// Auch ich habe im Sommer den Rasierer und die Schere selbst angesetzt. Das Ergebnis war unter aller Sau! Bei Herren hält sich der Schaden allerdings in Grenzen. Nicht so in der Damenwelt, die sich selbst in Strähnchen und Schneiden nach Youtube-Videos versuchten. Konnten sie alle Frisuren retten?

Wir und damit natürlich auch die Kunden hatten das Glück, dass keine allzu großen Schäden durch Selbstversuche entstanden sind und wir dadurch nicht zu oft in unsere Trickkiste greifen mussten.

// Wie lange waren Sie nach dem letzten Lockdown ausgebucht?

Wir waren ca. 4 Wochen ausgebucht, aber durch unsere Größe war es uns Gott sei Dank möglich, auch weitere Kunden unter Einhaltung des Mindestabstands zu bedienen, sodass wir wieder schneller auf einen „normalen“ Betriebsablauf und Terminierungen unseren Kunden anbieten konnten. Aber einen herzliches Dankeschön an unsere Mitarbeiter, die durch ihre übermotivierte Mitarbeit dies ermöglichten.

// Sie dürfen hoffentlich bald wieder öffnen, wobei dann voraussichtlich wie gehabt keine Getränke serviert und den Kunden keine Zeitschriften geben werden dürfen. Ebenso eine entspannende Kopfmassage, ein Lächeln, nette Gespräche. Das heißt, das Erlebnis „Friseur“ ist anders geworden und beschränkt sich auf das Wesentliche. Ist es wegen Corona schwer, eine angenehme Atmosphäre herzustellen?

Das hoffen wir auch. Leider dürfen wir weiterhin keine Getränke servieren und aus Hygienemaßnahmen keinen Zeitschriften auslegen. Aber auf eine entspannende Kopfmassage müssen unsere Kunden nicht verzichten, da wir uns an die Hygienemaßnahmen halten. Natürlich hat sich die Atmosphäre geändert, aber diese Maßnahmen dienen zum Schutz und dafür hat jeder Verständnis. Aber ein Lächeln kann auch mit den Augen stattfinden.

// Stichwort Maske: Ein Haarschnitt muss zum Gesicht passen. Ist es nicht schwer, den richtigen zu finden, wenn das halbe Gesicht verdeckt ist?

Sicher ist es etwas schwieriger, aber da ist die fachliche Kompetenz gefordert. Durch Beratungsgespräche und fachlich gestellte Fragen kommt man unter der Erkennung der Gesichtsform und Gesichtsproportionen da schon ans Ziel und der Kunde zum perfekten Haarschnitt.

// Trotz aller Regeln können Sie in Ihrem Beruf nicht auf Körperkontakt verzichten. Haben Sie Angst vor Ansteckung?

Nein! Wir halten uns an die Hygienevorschriften und hoffen auf die Loyalität unserer Kunden, dass bei geringster Anzeichen von Erkältungen oder Unwohlsein kein Friseurbesuch stattfindet.

// Die neuen Bedingungen für Friseure sorgen dafür, dass die Salons -wenn sie offen sein dürfen – mehr Geld für die Einhaltung des Pflegekonzeptes ausgeben, in dem sie zum Beispiel Einmalhandschuhe oder Masken kaufen müssen. Gleichzeitig entsteht durch die neuen Hygienestandards auch ein zeitlicher Mehraufwand. Verlangen Sie dadurch eine Corona-Pauschaule bzw. macht sich der Mehraufwand sogar beim Trinkgeld bemerkbar?

Leider waren auch wir gezwungen, eine Corona-Pauschale zu erheben, diese deckt aber nicht mal die eigentlichen Mehrkosten, welche durch die Vorschriften entstanden sind, geschweige den zeitlichen Mehraufwand. Aber jeder hat Verständnis für diese Maßnahmen. Auch glaube ich nicht, dass es sich auf das Trinkgeld ausgewirkt hat. Denn das Trinkgeld bekommt man ja für ausgezeichnete Leistung an zufriedenen Kunden.

// Laut einer Umfrage von 2012 zählen Friseur/innen zu den zufriedensten Arbeitnehmern. 94 Prozent bezeichneten sich darin als „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. Sind Sie glücklicher, als weil Sie andere glücklich machen?

Der Friseurberuf ist einer der schönsten Berufe. Durch unsere Kreativität können wir Menschen glücklich machen, sie positiv verändern und haben immer ein positives Erlebnis. Dies wird auch von den Kunden gezeigt und geschätzt und dadurch haben wir jede mange Erfolgserlebnisse. Erfolgserlebnisse braucht man, um in einem Beruf glücklich und zufrieden zu sein.

// Man weiß immer erst was man hat, wenn es nicht mehr da ist. Ist die Wertschätzung gegenüber Ihrem Beruf nach dem letzten Lockdown Ihrer Meinung nach gestiegen?

Ja wir waren selbst überrascht, wie viel Wertstellung und Schätzung unserem Beruf entgegengebracht wurde. Auch dies bestätigt wieder das Ergebnis der oberen Frage.

// Sind Sie mit Blick auf die wirtschaftliche Seite mit den Hilfen zufrieden?

Welche Hilfen? Im zweiten Lockdown sind bis jetzt keine Vorschläge von Hilfen erarbeitet und unterbreit worden. Um ehrlich zu sein wundert mich das aber nicht. Diejenigen, die diese Entscheidungen treffen sind ja nicht persönlich davon betroffen. Es ist nicht ihr Betrieb, welcher geschlossen werden muss, nicht ihre Einnahmen, die genommen werden, nicht ihre Mitarbeiter, denen die Arbeit genommen wird.