Interview

Interview mit Roger Kortus

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Interview mit Roger Kortus
Filstallwelle

Interview mit Roger Kortus

// Beim Gedanken an die Filstalwelle denken viele noch an den beliebten Radiosender auf 105,4 MHz. Was ist damit passiert?
Am 9. April 1988 ging das Radioprogramm unter dem Namen Radio FW1 – Filstal-welle 1 auf den UKW-Frequenzen 103,0 MHz für Göppingen und 107,9 MHz für Geislingen mit einer Sendeleistung von jeweils 0,1 kW auf Sendung. Erst viel später kam die Frequenz 105.4 dazu. Fast zehn Jahre nach Gründung, im Jahr 1997 sind die damaligen Radiomacher eine Kooperation mit dem Stuttgarter Radiosender Antenne 1 eingegangen. Der Name wurde in Antenne Filstal geändert und täglich nur noch ein paar Stunden des Programms in Göppingen produziert. 2002 wurde von der Landesanstalt für Kommunikation, die für die Vergabe der Radiolizenzen zuständig ist, kein eigener Radiosender für den Landkreis Göppingen mehr ausgeschrieben. Somit war die Filstalwelle erst einmal Geschichte.

// Wir kommt man auf die Idee einen regionalen Fernsehsender zu gründen? Und das für so eine “kleine” Zielgruppe?
Die Zielgruppe ist ja sogar noch kleiner, wir sind ja nicht mal regional, sondern bewusst LOKAL und genau das ist unsere Stärke, dort mit der Kamera dabei zu sein, wo sonst kein anderer Fernsehsender dabei ist. Soviel wie möglich im bewegten Bild festzuhalten was vor unserer Haustür passiert. Ähnlich also wie der Lokalteil der Zeitung.

// In den letzten 10 Jahren wurden diverse Nachrichten aus verschiedenen Gemeinden veröffentlicht. Welches Thema bzw. Nachricht aus Geislingen ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?
Also im Gedächtnis ist mir unter anderem das Hausverbot für Björn Höcke im Februar 2016 geblieben. Unter anderem, weil es für uns eine logistische Herausforderung war, schnellstmöglich ein Interview mit Geislingens OB Frank Dehmer zu diesem Thema zu bekommen, da er zu diesem Zeitpunkt im Urlaub war. Unserer Redaktion ist es aber gelungen, unter Mithilfe der TV Kollegen von TV-München, ihm direkt auf der Skipiste ein Statement zu entlocken. So etwas bleibt natürlich dann auch, nicht nur inhaltlich, im Gedächtnis. Aktuell ist es aber natürlich das Thema Michelberg Gymnasium, das uns beschäftigt,

// In Sachen Berichterstattung, wie schneidet Geislingen im Vergleich zu den anderen Gemeinden ab? Sehen Sie einen Unterschied? Wenn ja, in welchen Bereichen? (Veranstaltungen, Politik etc.)
Ich weiß nicht ob es nur eine subjektive Wahrnehmung ist, mir fehlen aus Geislin-gen grundsätzlich immer so ein bisschen die „guten“ Nachrichten. Zumindest kom-men davon bei uns weniger an, als die eher kritischen Themen. Ich denke es liegt auch daran, dass sich Städte wie Göppingen und Eislingen einfach ein bisschen besser „verkaufen“ können. Geislingen müsste ein wenig mehr selbstbewusst nach vorne schauen.

// Was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie an Geislingen denken?
Stau

// Die Filstalwelle wird in das digitale Kabelnetz eingespeist. In welchem Gebiet ist die Filstalwelle zu empfangen?
Wir sind in allen Kabelhaushalten zu empfangen, die an den Unitymedia Netzknoten Göppingen angeschlossen sind. Grundsätzlich also im kompletten Landkreis Göppingen, mit der Ausnahme von Lauterstein und Böhmenkirch. Dafür hängen am Kabelnetz Göppingen einige Orte aus den Nachbarlandkreisen, wie z.B. Kirchheim/Teck, Nürtingen, Lorch usw. Insgesamt versorgt der Netzknoten Göppingen ca. 250.000 Zuschauer. Zusätzlich weltweit über unseren Livestream auf filstalwelle.de

// Zitat „Fake-news“?
Den Begriff finde ich grausam. Ich glaube aber, dass sich der Journalismus noch mehr wehren muss und auch klarstellen muss, dass die Fake-news nicht in den Redaktionen der Presseorganen, sondern meist in den sozialen Netzwerken entstehen. Journalismus muss es schaffen, wieder mehr Glaubwürdigkeit bei der Bevölkerung zu erzeugen. Denn ich bin der Meinung, die Aufgabe der auch kritischen Beobachtung von Wirtschaft und Politik durch die Presse ist heute wichtiger denn je.

// Wie hat sich die TV-Landschaft in den letzten 10 Jahren verändert und was glauben Sie, wie sich diese in der Zukunft entwickelt mit dem Hintergrund, dass das Internet mehr und mehr die Landschaft nachhaltig verändert?
Ok, wie viele Seiten habe ich? Es hat sich sehr sehr viel verändert. Alle Medien sind uneingeschränkt schneller geworden. Wir haben inzwischen den, so wie ich es nenne, „Bröckchen- Journalismus“. Früher hatte man eben viel Zeit, Geschichten von Anfang bis zu Ende zu recherchieren und dann zusammenzubauen. Heute werden alle Fakten eher Stück für Stück schon mal veröffentlicht, und erst später noch mal die ganze Story gebaut. Auch ist das Misstrauen gegenüber Kameras extrem gewachsen. Das ist aber explizit ein Problem in Deutschland. Irgendwie haben viele Menschen in unserem Land Angst, mit ihren Bildern und Daten wird irgendwas „böses“ angestellt.

Ein Beispiel: War vor einigen Jahren noch die ganze Familie stolz, wenn die Zeitung oder das Fernsehen einen Bericht über eine Schule oder einen Kindergarten gemacht hat und Sohn oder Tochter in der Zeitung oder im Fernsehen waren, ist es heute so, dass man viel Vorarbeit machen und Überzeugungsarbeit leisten muss, damit Eltern es erlauben, dass Kinder von der Presse gefilmt oder fotografiert werden dürfen. Meist kommt ja auch nur das Argument „Man hört ja so viel, deshalb wollen wir das nicht“. Dass dann natürlich die Kinder, die dann, trotz Aufklärung unsererseits, nicht ins Bild dürfen, sich ausgeschlossen und ausgegrenzt vorkommen, verstehen viele Eltern nicht.

Ergebnis: Kamerateam unzufrieden, Kind frustriert, Eltern verunsichert. Ich denke aber, dass dieses Misstrauen auch ein Ergebnis der vielen Fake-news in sozialen Medien ist. Grundsätzlich bedeutet der Wandel aber auch, dass alle klassischen Medien sich ein zweites Standbein im Online-Markt schaffen müssen. Deshalb habe wir unter filstalwelle.de erst in diesem Jahr ein neues online-newsportal für den Landkreis Göppingen gestartet, dass unser TV-Programm ergänzt und die Nachrichten auch schnell auf den heimischen PC und per App auch auf das Smartphone bringt.

Dazu passt auch das Thema, dass einige Menschen ja immer gerne behaupten „das lineare Fernsehen ist tot“ – alle holen sich die Informationen nur noch im Internet ab und dass zu dem Zeitpunkt zu dem sie wollen. Dem ist aber noch lange nicht so. Also warten wir mal ab wie sich das entwickelt. Totgesagte leben ja bekanntlich länger, man beobachte z.B. nur die steigenden Verkaufszahlen bei Schallplatten gegenüber der CD. Ich glaube zu wissen, welcher von beiden Tonträgern überleben wird……

// Im Nachtprogramm wird die Endlosschleife eines Aquariums gezeigt, das mittlerweile bereits Kultstatus erreicht hat. Wer kam auf diese Idee?
Wieso so oft, aus der Not heraus geboren. Wir hatten überhaupt keine Idee für ein Nachtprogramm. Um die Qualität einer neu gekauften Kamera zu testen, haben wir die vor unser Aquarium in die Redaktion gestellt. Beim Betrachten der Aufnahmen ist uns dann aufgefallen, dass diese genauso entspannend wirken wie die eines realen Aquariums und wir haben genau das dann gesendet. Zwischendurch waren unsere Sendezeiten in der Nacht übrigens kurzzeitig an einen anderen Anbieter vergeben, was zu großen Protesten bei unseren Zuschauern geführt hat. Inzwischen ist das Aquarium aber wieder da.