Interview

Interview mit Simon Seitz

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Interview mit  Simon Seitz

Inhaber von Simon‘s Bike Shop und
Geschäftsführer der Zweirad Nägele GmbH

>> Hallo Simon, seit wann gibt es euch in Geislingen?

Ich habe seit 2010 die Firma Simon´s Bike Shop in der Schillerstraße 48 in Geislingen (Suzuki Vertragshändler).

>> Wie kam es bei dir zur Faszination Zweirad?

Es war schon immer ein wunderbares Hobby und natürlich faszinieren mich Motorräder… Meine Eltern sind Motorradfahrer und so ist das wahrscheinlich übergeschwappt. Das Beste am Motorradfahren steht nicht in Fahrzeugschein. Für viele ist das Motorrad ist ein wunderbares Mittel, um den Arbeitsplatz zu erreichen. Pflicht und Spaß reichen sich dabei die Hand, im Zweifel kommt man schneller durch die rush hour und billiger als Autofahren ist es meist auch. Ich liebe die Freiheit beim Fahren, das Genießen der Natur. Das Fahren auf dem Zweirad hilft mir unter anderem auch Stress zu reduzieren.

Mein Hobby und der Job sind übrigens nur durch die enorme Unterstützung meiner Frau möglich. Vielen Dank an dieser Stelle dafür!

>> Was ist dein stärkstes Motorrad im Laden?

Suzuki GSX-R 1000 mit 202 PS und Aprilia RSV 4 Factory mit 217 PS.

>> Wieviel PS brauche ich um Spaß zu haben?

Gute Frage, um dieses tolle Gefühl von Freiheit zu spüren benötigt man nicht viel – aber haben geht vor brauchen.

>> Ich habe neulich einen Freund besucht, der aufgrund eines Motorradunfalls in die Unfallklinik in Murnau eingeliefert wurde. Am gleichen Tag kamen hier weitere 12 Biker mit dem Heli an.

Geht die Unfallzahl nach oben oder ist das normal an einem schönen Tag?
Natürlich steigen die Unfallzahlen zum Saisonbeginn extrem – aber die Frage ist auch: Ist der Motorradfahrer daran Schuld oder teilweise auch die Autofahrer, die noch nicht darauf vorbereitet sind – die ersten Kilometer sind die wichtigsten, da wir selber durch den Winter fast 3-4 Monate keine Fahrpraxis haben.

>> Seit letztem Jahr dürfen 125er mit Autoführerschein und ein paar Stunden in der Fahrschule ohne Prüfung gefahren werden … wird dies gut angenommen?

Der neue Führerschein B196 ist sehr gut angekommen und die Leute haben sich auch sehr darüber gefreut, für kleines Geld ein 125er Motorrad fahren zu dürfen. Schauen wir auf andere europäische Länder wie z.B. Italien, Tschechien, Spanien & Polen, in die Slowakei oder nach Portugal, da ist das ja schon lange so.

>> Motorradfahrer sind meist komplett mit Hose, Jacke, Protektoren, Stiefeln und Handschuhen geschützt. Mit dem Roller wird bis auf dem Helm meist ohne Schutz gefahren, obwohl ein Sturz

mit 60 km/h im Rock oder Muskelshirt auch nicht ungefährlich wird. Wieso wird hierbei Dolce Vita mit der Vespa der Sicherheit vorgezogen?
Das ist eine gute Frage und jeder auf dem Zweirad sollte wissen, das jeder Sturz sehr riskant sein kann, auch bei niedrigen Geschwindigkeiten. Wir haben hierzulande ja Gott sei Dank eine Helmpflicht. Ansonsten muss jeder selbst wissen, was ihm sein Leben wert ist.

>> Die meisten Zweiräder fahren von März bis Oktober. Was macht ein Motorradhändler denn in den anderen 5 Monaten des Jahres?

In der Winterzeit haben wir unser Lager zu befüllen. Wir informieren uns über Neufahrzeuge, besuchen Schulungen usw. Und es gibt auch noch Leute, die fahren das ganze Jahr durch, sei es mit Motorrädern, Rollern oder Quads. Daher wird es uns nicht langweilig.

>> Was haltet ihr von den Rollern, welche vorne mit 2 Rädern ausgestattet sind?

Diese 3 Räder zum Beispiel am Piaggio MP3 geben den Leuten ohne Motorradführerschein die Möglichkeit, das Gefühl von Freiheit zu erfahren und einfach auch zum Motorradfahrer zu werden … einfach mal ausprobieren. Vielleicht macht der ein oder andere nach dieser Erfahrung ja den Motorradführerschein. Das passiert relativ oft.

>> Stefan Pierer, Chef des Zweirad-Konzerns KTM und Leiter der Europäischen Vereinigung der Motorradhersteller hat Anfang diesen Jahres in einem Interview gesagt: „Elektromobilität ist ein Schwachsinn, der von wissenschaftlich ungebildeten Politikern gepusht wird. Ein auferlegter Schwachsinn. Für ein Moto-GP-Motorrad, das heute mit 20 Litern Treibstoff eine Renndistanz fährt, würde man eine 500 Kilogramm kg schwere Batterie brauchen, um eine vergleichbare Leistung und Reichweite zu erreichen.“ Was hälst du von elektro-betriebenen Motorrädern?

Elektromobilität ist voll im Kommen und im Rollerbereich sehr interessant. Im Bereich Motorrad ist allerdings die Reichweite noch zu gering und die Maschinen sind zu kostenintensiv in der Anschaffung. Ich bin gespannt, was die nächsten Jahre so an Neuerungen mit sich bringen.

>> Wie verändern sich die Zulassungszahlen von Jahr zu Jahr?

Wir sehen gerade, dass bei den steigenden Spritpreisen das Kaufvolumen im Bereich Motorrad steigt, da das Zweirad einfach auch spritsparender als das Auto ist.

>> Gibt es den typischen Geislinger Roller- oder Motorradfahrer?

Hmmm, ne eigentlich nicht. Man kann sagen, dass generell viel mehr Männer Motorrad fahren. Beim Roller ist das relativ ausgeglichen. Junge Fahrer kaufen eher sportliche Maschinen. Ein Drittel aller Motorradfahrer ist übrigens zwischen 50 und 60 Jahre alt. Zwischen 30 und 40 Jahren findet man relativ wenige Biker. Das liegt wohl daran, dass in dieser Zeit geheiratet wird, Familien gegründet und Häuser gebaut werden. Da bleibt oft keine Zeit und kein Geld für Hobbies wie Motorräder übrig.

>> Am 1.4. diesen Jahres habt ihr Zweirad Nägele übernommen, wie kam es dazu und wie arbeitet ihr jetzt zusammen?

Ja richtig, am 01.04.2022 habe ich die Firma Zweirad Nägele GmbH übernommen, um so auch mein Sortiment und die Auswahl einfach zu erhöhen und mehr anbieten zu können.

Es handelt sich aber nach wie vor um 2 Firmen, bei Nägele bin ich Geschäftsführer, Simons Bike Shop als eigenständige Firma gehört mir aber natürlich auch noch. Ganz wichtig ist hierbei zu erwähnen, dass dadurch auch die bestehenden und oft auch langjährigen Kunden der Firma Nägele weiterhin einen Händler bzw. Ansprechpartner hier vor Ort haben.

>> Bei Zweirad-Nägele stehen seit ich denken kann immer diese Piaggio APEs mit Pritsche auf dem Hof. In Italien fahren diese ja häufig herum, wer aber sind bei uns die Kunden dafür bzw. haben diese lustigen Pritschenfahrzeuge noch eine Daseinsberechtigung?

Auf jeden Fall. Die APEs haben eine große Fangemeinde. Ältere Menschen fahren damit gerne in den Garten und transportieren damit ihr Werkzeug. Nicht umsonst trägt das robuste Rollermobil den Namen »Ape«, was der italienische Begriff für »Biene« ist.

Aber auch bei Unternehmern sind die APEs vor allem für Messen sehr beliebt. Und noch eine Zielgruppe darf nicht vergessen werden. Wer mit 16 Jahren den Mopedführerschein hat, ein Dach über dem Kopf möchte und Stauraum braucht, der greift ebenso zum APE.

Im Ursprungsland Italien ist es schon Vierzehnjährigen erlaubt, so ein Fahrzeug zu bedienen; aus diesem Grund gelten diese heutzutage als fester Bestandteil der italienischen Jugendkultur.

Ich wünsche allen Bikern eine
sichere und schöne Saison 2022.