Interview

Interview mit Tobee

-
Interview mit Tobee

Bürgerlicher Name Tobias Riether, gebürtiger Kuchener, wohnhaft in Kuchen

// Hallo Tobi, lange ist es her, wie geht’s dir?

Mir geht es wirklich super. Ich bin mit meinem Leben sehr zufrieden, jedoch fehlt mir die Bühnenluft wie früher. Es geht ja langsam wieder los, aber für mich als Sänger war die Coronazeit (hoffentlich bald vorbei) echt zehrend, da mir meine Leidenschaft genommen wurde.

// Wir haben glaube ich vor 8 Jahren oder so mal ein Interview mit dir gemacht, in der Zwischenzeit ist aber wahnsinnig viel passiert. Es gibt glaube ich keine Apres-Ski oder Ballermann Hits-Scheibe mehr, auf der du nicht drauf bist, nach dem Skifahren am Schirm singt jeder Huuub-Huuub-Schrauber und vor Corona warst du auch jeden Mittwoch auf Mallorca im Bierkönig, um für die Massen zu singen. Was die wenigsten wissen, das machst du alles quasi „nebenher“ und bist im Alltag selbständiger Zahnarzt in Süßen, wie geht das mit diesem Doppelleben?

Oh, das funktioniert sehr gut. Es hört sich blöd an, aber die Kombination ist total spannend. Beide Jobs, sowohl das Singen, als auch die Zahnmedizin machen sehr viel Spaß. Das eine gleicht das andere aus. Ich erlebe am Wochenende meistens sehr viel mit Menschen. Aber auch unter der Woche hab ich ja viel mit Menschen zu Tun. Ich glaube wirklich, das hält jung. So ist man ab Stuttgart mit dem Flieger in 1 Stunde und 40 Minuten meistens in Palma, dann 5 Minuten Taxi und rauf auf die Bühne. An vielen Auftrittstagen auf Mallorca fliege ich abends gleich wieder, sodass ich gegen 00:30 Uhr im Bett bin. Viel Feiern ist da nicht. Ich feier zwar wirklich sehr gerne, jedoch die langgezechten Nächte habe ich glaub eher mit 25 gehabt.

// Ich habe bisher noch keinen Zahnarzt gesehen, der seinen Job nicht gerne macht … Und so wie man dich auf der Bühne sieht, macht dir auch der Job als Sänger großen Spaß, zusammengefasst: Du musst ein super glücklicher Glückspilz sein.

Glückspilz hin oder her. Ich liebe in allem was ich tue die Herausforderung. Ein neues Projekt, die Challenge, etwas Neues zu erschaffen. Das spornt mich an. In allen Jobs. In allem, was ich mache.

// Kommen viele Patienten, die eigentlich nur den „Star“ Tobee sehen möchten und die Zahnreinigung nur ein Vorwand ist?

Das haben wir hin und wieder mal. Die meisten Patienten sind jedoch langjährige Patienten, die mein Vater schon viele Jahre begleitet hat. Ich freue mich in unserer kleinen Praxis die Menschen zu kennen und keine Zahnmedizin am Fließband machen zu müssen. Die Patienten-Zahnarzt Beziehung muss in beiden Richtungen mit Sympathie bestückt sein. Sowohl für den Patienten, als auch für mich als Zahnarzt.

// Wie läuft das, du bist bis 16.00 Uhr an einer Wurzelkanalbehandlung beschäftigt, setzt dich dann in den Flieger, heizt die Menge auf und fliegst abends oder am nächsten Morgen wieder heim?

Zu „nicht Corona-Zeiten“ ist meisten immer Mittwochabends mein Tag. Auftritt ca. 21.00 Uhr. Alternativ auch 17.00 Uhr im Bierkönig Mallorca. – Einer der großen Locations mit 4000-7000 Partygästen am Abend. Auf Mallorca aufzutreten ist Grundlage für die Auftritte in Deutschland. Nur wer auf Mallorca regelmäßig auftreten darf, hat in Deutschland die Chance, einen gut gefüllten Party-Auftrittskalender in Deutschland, Schweiz, Niederlande, Belgien, Österreich und Italien zu bekommen. Ich trete seit über 15 Jahren auf Mallorca auf. Anfangs war es in den ersten Jahren sehr schwer, sich gegen die „Großen“ wie Jürgen Drews usw. durchzusetzen. Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit bis heute habe, zu den TOP15 der deutschen Partykünstler gehören zu dürfen.

// Wie viele Auftritte schaffst du denn im Jahr?

So zwischen 70-90 Auftritte. Manchmal auch mehr. Manchmal auch mehrere an einem Abend mit hunderten bis tausenden zurückgelegten Kilometern. Sofa – kenn ich nicht.

// Hast du viele Patienten aus dem Geislinger Raum?

Selbstverständlich.

// Wie war Corona in Bezug auf die Kunst für dich?

Schwierig. Ich habe trotzdem versucht, neue Lieder zu veröffentlichen, was ich finde sehr wichtig ist, denn die Leute draußen wollen gute Laune und erwarten neue Lieder von mir. Sehr schwer fiel mir, dass die Auftritte und die Auftrittsroutine von heute auf morgen weggefallen ist. Die Leidenschaft wurde mir genommen.

// Tipps für Aua im Kopf?

Klar, mein eigener Likör „Aua im Kopf“ – gibt’s auf meinem Open Air Schlagerkuchen oder in unserem Online Shop.

// Du hast am 09.07.2022 wieder dein großes Open-Air „Schlagerkuchen“ in 73329 Kuchen geplant, mittlerweile das vierte Event dieser Art, an dem wieder etliche Schlager- und Ballermann-Stars auftreten. Wer kommt alles?

Wir haben auch 2022 (sofern alles wie geplant stattfinden kann) wieder hochkarätige Leute dabei: Besonders freue ich mich, dass Jürgen Drews zugesagt hab. Aber auch tolle Leute wie Mickie Krause uvm. haben wir dabei. Schaut einfach auf www.schlagerkuchen.de. Hier gibt’s Tickets und alle Infos.

//War es schwer, die Jungs und Mädels aus der Szene anfangs für dieses neue Format zu begeistern?

Überhaupt nicht schwer. – Viele Kollegen kenne ich und so habe ich auch den direkten Kontakt zu den Künstlern.

// Lauscht du auch privat zu den sanften Klängen der Schlager – Musik?

Tatsächlich ja. Ich habe ja auch ein Tonstudio und werde in den nächsten Jahren wieder vermehrt selbst produzieren. Das habe ich aus Zeitgründen leider ein wenig vernachlässigt. Ich produziere zwar viele DEMOS und Ideen für meine Produzenten Mike Rötgens und Hartmut Weßling in Köln, jedoch keine fertigen Lieder. – Das soll sich in Kürze wieder ändern. So möchte ich dann auch wieder andere Künstler im Schlager- und Partybereich produzieren und veröffentlichen.

// Wie kommst du auf die Texte und die Melodien bzw. wie lange dauert es, einen Hit zu schreiben? Lotusblume, Helikopter117, Saufi Saufi, Cordula Grün oder Aua im Kopf sind allesamt Ohrwürmer und waren mit Sicherheit nicht so leicht zu komponieren, wie es denn anfangs eventuell den Eindruck macht.

Viele meiner Hits stammen aus meiner Feder und werden dann in unserem Produzententeam Mike Rötgens, Hartmut Weßling (beide Köln) und Daniel Gramer (Stuttgart) komplettiert. Ein tolles Songwriterteam habe ich somit im Hintergrund.
Eins habe ich gelernt: Wenn Dir ein neues, selbstgeschriebenes Lied, mit der Gitarre komponiert nicht gefällt, brauchst du auch gar nicht ins Studio gehen. Müll bleibt Müll und wird im Studio nur aufgehübst. Einen Hit erkennen wir immer daran, dass er wieder kommt und uns selbst im Ohr bleibt. Ich hab hunderte solche Lieder, die ankomponiert sind oder mir nicht gefallen in der Schublade. Machen, machen, machen – ist hier die Devise. Irgendwann kommt wieder ein Song, der „fluppt“.

// Mallorca ist …

wunderschön, schnell erreichbar, ein Urlaubsparadies, jedoch Stand heute NICHT mein Wunschhauptwohnort. Ich liebe das Filstal und Baden-Württemberg. (Nicht zuletzt wegen dem leckeren Leberkäs unserer tollen Metzger in der Region )