Interview

Interview mit Volker Milberg – Geislinger Sterne e. V.

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Interview mit Volker Milberg – Geislinger Sterne e. V.

Vorstand – Geislinger Sterne e. V.

Ein normales Leben war in den vergangenen Wochen für niemanden möglich. Doch das Coronavirus belastet nicht nur Privatleute, sondern auch die Wirtschaft schwer. Ungeachtet der Coronakrise, die gerade die Geislinger Gewerbetreibenden momentan hart trifft, scheint der Gewerbeverein keineswegs den Kopf in den Sand zu stecken: Es wird an Aktionen gearbeitet und diese auch gerade umgesetzt.

// Unser letztes Interview ist ja schon eine Weile her, weit vor Corona. Hätten Sie damals gedacht, dass Sie sich jemals mit solch einer schweren Situation konfrontiert sehen würden und der Handel eine seiner schlimmsten Zeiten erleben muss?

Da auch die Politik die Lage als nicht zu extrem eingeschätzt hat und dies auch so gegenüber den Bürgern kommuniziert hat, wurde die Grundsituation auch von uns unterschätzt. Natürlich hat keiner damit gerechnet, dass das Virus so dramatische Auswirkungen auf unser aller Leben hat.

// Die Geislinger Sterne sind in mehrere Sparten aufgeteilt – wie hat Corona die einzelnen Sparten positiv wie auch negativ beeinflusst?

Man kann sagen, dass das positive in der Situation schwer ausgemacht werden kann. Generell ist es so, auch wenn am Anfang der Krise nicht in jeder der Sparten die Auswirkungen gleichermaßen bemerkt wurden, sie nun doch überall spürbar. Die Auftragslage verschlechtert sich in allen Betrieben je länger der Lock- Down anhält. Außerdem wird der Endverbraucher auch vorsichtiger und überlegter in seinem Konsumverhalten. Sicherlich gibt es auch Unternehmen, die kaum bis wenig von der Grundsituation betroffen sind. Diese sind jedoch sehr selten.

// Aktuell läuft Ihre Gutscheinaktion, „Kaufe einen Gutschein für 35 Euro und erhalte einen Gutschein im Wert vom 50 Euro“ – wie wird diese Aktion wahrgenommen?

Die Gutscheinaktion wird toll angenommen – schon in den ersten Wochen wurden einige 100 Gutscheine verkauft. Wir freuen uns sehr, dass die Aktion so angenommen wird und zeigt, dass der Kunde loyal zu seinen Geschäften in der Stadt steht und diese dadurch unterstützten möchte.

// Das Internet ist nur ein Hype“, sagte Bill Gates und irrte gewaltig. Wie haben sich unsere Geislinger Gewerbebetrieben, insbesondere der Handel und die Gastronomie, mittlerweile online aufgestellt und wie hat Corona diesen Fortschritt beschleunigt?

Die Unternehmen wurden natürlich gedrängt, ihre Online-Präsenz zu steigern, was jedoch nicht der Grundgedanke des ansässigen Handels ist. Die Stärke liegt in der Nähe zu ihren Kunden. Die individuelle Beratung direkt am Kunden kann keine Internetplattform ersetzen. Es ist jedoch zwingend nötig, um z.B. „Click und Collect“ anwenden zu können – diese Herausforderung wurde von allen Unternehmen gut gemeistert.

// Der Großteil der Männer geht gezielt einkaufen, Frauen gehen gerne shoppen – wenn man das so radikal sagen kann. Auf jeden Fall haben wir von den Herren im Umfeld – im Gegensatz zu den Damen – noch nie gehört: Lass uns „shoppen gehen“. Das heißt, es geht ums Einkaufserlebnis und nicht nur um den Akt des Erwerbens. Wie können wir dieses Erlebnis beibehalten?

Selbstverständlich erschwert die aktuelle Lage das „Shopping Gefühl“. Wir sind jedoch davon überzeugt, dass die Kunden dies nachvollziehen können und mit ihrem Besuch weiterhin die lokalen Unternehmen unterstützen.

// Die IHK hat einmal gesagt, dass mehr als 60% des Handels existenzbedroht sein werden. Wie sehen Sie diese Zahl?

Dies können wir im Großen und Ganzen so bestätigen.

// Die Landesregierungen bewerben bewusst das Click-and-Collect Programm während des Corona-Lockdowns. Der Onlinehandel war für den stationären Handel ja schon vorher problematisch, Corona hat den Wandel ja nur noch beschleunigt. Wie wird der Einkauf der Zukunft stattfinden?

Wir denken, dass die Zukunft in großen Teilen den Onlinehandel stärken wird. Es gibt jedoch zum Glück auch noch viele Einzelhändler, die sich durch persönlichen Kundenkontakt und Beratung des Kunden profilieren und damit auch das Shopping Gefühl vermitteln. Diese Geschäfte werden und wollen höchstens am Rande mit dem Onlinehandel verbunden sein.

// Der aktuelle Trend der sich leerenden Fußgängerzonen – früher hat es eher kleinerer Städte erwischt, jetzt haben die Fuzos größerer Städte wie Stuttgart, London usw. das gleiche Problem – wurd durch Corona noch beschleunigt. Wie sehen Sie die Zukunft der Fußgängerzonen?

Die Fußgänger-Zonen haben meines Erachtens auch in der Zukunft ihre Daseinsberechtigung. Diese sind ja häufig der Mittelpunkt der Städte und sind auch der Ort, an denen die Menschen zusammenkommen wollen und sich unbeschwert treffen können. Allerdings wird sich voraussichtlich das Bild der Innenstädte verändern. Hier könnten neben den bekannten Einzelhändlern auch kulturelle Einrichtungen, erweiterte Gastronomie und eventuell Wohnraum geschaffen werden.

Dies würde auch dafür sorgen, dass die Innenstädte außerhalb der Öffnungszeiten ein belebter Ort bleiben. Zukunftsforscher erwarten jedenfalls eine Veränderung in diese Richtung, da insbesondere das Konzept des klassischen Kaufhauses gefährdet ist. Der Schwerpunkt wird jedoch auch in Zukunft beim Einzelhandel vor Ort liegen, da das Einkaufserlebnis bei einem Online-Händler sicherlich nicht im gleichen Umfang gegeben ist.

// Wie konnte der Gewerbeverein die Mitglieder unterstützten?

Während der Pandemie konnten wir als Gewerbeverein durch Unterstützung von Anzeigen bzw. nunmehr durch die Gutscheinaktion den Einzelhandel unterstützen. Zudem können wir immer wieder darauf hinweisen, dass der Handel für seine Kunden weiterhin da ist, auch wenn nur durch solche Konzepte wie „Click and Meet“ oder „Click and Collect“. Wir haben zudem versucht, auch bei der Politik deutlich zu machen, dass der Handel kein Pandemie-Treiber ist. Mit vernünftigen Hygienekonzepten und entsprechender Durchführung ist ein sicherer Einkauf jederzeit möglich.

// Wie haben sich die Soforthilfen entwickelt?

Die Soforthilfen sind bis jetzt gar nicht oder nur zum Teil bei den Händlern angekommen. Außerdem will der Handel sein Geld selbst verdienen und nicht vom Staat abhängig sein.

Vielen Dank für das Interview Herr Milberg!