Interview

Interview mit Christoph Kumpf

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Interview mit Christoph Kumpf

Geschäftsführer der Kaiser Brauerei

// Hallo Christoph, vielen Dank für deine Zeit. Du bist seit September 2017 Geschäftsführer der Kaiser Brauerei, warst davor 2 Jahre Betriebsleiter. In dieser Zeit hat sich einiges in der Kaiser Brauerei getan. Was hast du daraus Positives mitgenommen?

Sehr gerne, danke fürs Zuhören – ich finde ziemlich toll, dass wir in der Region diesen Rückhalt und diese Unterstützung haben. Wenn die Qualität des Produktes passt und das Preisleistungsverhältnis stimmt, dann kaufen die Menschen regionale Produkte, das finde ich klasse und ich habe das Gefühl, dass das immer mehr noch kommt!

// Was hast du vor deiner Arbeit bei der Brauerei gemacht?

Ich bin ja Diplom Brauingenieur – ich war davor Inbetriebnehmer und technischer Berater beim Brauereianlagenbauer „Krones“. Da war ich weltweit unterwegs – bis dann der Ruf nach Geislingen kam.

// Vor mehr als 10 Jahren haben wir mit deinem Onkel und Vater, Hans-Friedrich und Ulrich Kumpf, ein Interview führen dürfen. Im Hinterkopf ist geblieben, dass sehr großer Wert bei die Beschaffung der Rohstoffe gelegt wurde. Bezieht ihr immer noch gleich?

Ja, mit der Gründung der Erzeugergemeinschaft haben mein Onkel und Vater schon richtig weit gedacht und waren mit die ersten, die den gesamten Brauger-stenbedarf in der Region beziehen. Viele haben das nachgemacht – aber so konsequent wie wir das noch heute machen betreibt das fast kein anderer. Da sind wir in der Kaiser Brauerei auch ziemlich stolz drauf – und übrigens unsere Braugerstenerzeuger auch.

Team Kaiser Brauerei Geislingen

// Trinken die Bundesbürger gegen die Coronakrise an?

Ich glaube jeder gibt sein bestes aber man kennt es ja von sich selbst – wenn man in geselliger Runde bspw. in der Kneipe sitzt dann trinkt man auch mal ein Bier mehr – aber zuhause – und jetzt, wo man sich nur noch mit einer Person treffen darf – ist das einfach nicht so toll wie in normalen Zeiten und deshalb ist auch der Bierkonsum in Deutschland während der Pandemie stark eingebrochen!

// Wie hart wird dieses Jahr für die deutschen Brauer?

Es wird nochmal ein richtig hartes Jahr. Viele Veranstaltungen sind bereits abgesagt, der Januar war der bisher schlechteste Monat für uns seit Pandemiebeginn – ich habe das Gefühl, dass die Menschen einfach pandemiemüde sind. Und das spüren wir. Es wird Zeit, dass es warm wird und die Menschen mehr raus gehen können. Dann wird auch alles wieder besser, davon bin ich überzeugt.

// Geschätzt: Wie viele Brauereien werden die Durststrecke nicht überstehen?

Keine Ahnung – ich hoffe wirklich, dass die meisten überleben. Die Brauereivielfalt in Süddeutschland ist einzigartig und bietet eine unfassbare Bandbreite an verschiedenen Bierstilen und Geschichten und das darf uns nicht verloren gehen.

// Wie hat sich das Bierbrauen im Laufe der Jahre verändert?

Das Thema Digitalisierung betrifft auch die Braubranche. Wir haben vor vier Jahren im gesamten Betrieb eine neue Steuerung aufgesetzt. D.h. wir können von überall aus alle Prozesse überwachen und eingreifen, wenn was nicht stimmt. Das erleichtert einem das Leben. Trotzdem sind wir gleich viele Mitarbeiter in der Produktion geblieben. Das liegt zum Einen daran, dass unser Bier überdurchschnittlich viele Analysen durchläuft aber auch nach wie vor viel Handarbeit anliegt. Wir brauen eben nach wie vor handgemachtes Bier.

// Glaubt man dem Brauerbund und seinen Statistiken, dann sinkt der Bierdurst der Bundesbürger schon seit Jahren. Was heißt das für die Braubranche?

Das beeindruckt mich wenig, denn der Bundesdurchschnitt sagt ja nichts über Geislingen, über das Filstal und über die Alb aus – nein aber im Ernst – der Bierkonsum ist rückläufig. Unser Vorteil ist – wie bereits vorne erwähnt, dass die Menschen mehr Wert auf Regionalität legen und wir daher von diesem Rückgang aktuell nicht betroffen sind.

Bierminator Max Meusel

// Nach welchen Kriterien wird euer Bier geprüft?

Wir haben ein betriebseigenes Labor, wo wir unser Bier auf die gängigen technischen Werte überprüfen und auch die Mikrobiologie prüfen, ob bspw. bierschädliche Organismen ins Bier gelangt sind. Zusätzlich werden natürlich alle Rohstoffe untersucht – auch von externen Laboren wie bspw. der Versuchsanstalt Weihenstephan.

// Was fasziniert dich an Bier?

Bier ist eines der ältesten Getränke, das die Menschheit seit seiner Entdeckung begeistert. Und kurz zusammengefasst ist Bier einfach ein Wunder – wir haben vier Zutaten, mit denen komponieren wir krass verschiedene Bierstile und am Ende kommt ein erfrischendes, facettenreiches Getränk raus – und dann – das kann man ja fast nicht glauben, setzt der feinporige weiße Schaum dem Ganzen noch die Krone auf. Der Hammer, oder?

// Wen möchtet ihr mit euren Bieren erreichen?

Wir möchten alle Menschen in der Region so ca. 40 km um Geislingen erreichen. Dafür haben wir die verschiedenen Bierstile. Zum einen unterstützen wir Vereine bei der Durchführung von Veranstaltungen oder Feiern und haben damit ein breites Spektrum. In unserem Bierclub haben wir Mitglieder im Alter von 20 bis 80.

// Auf welche Biere von euch darf Mann und natürlich auch Frau sich besonders freuen? Was können wir da von euch noch erwarten?

Dieses Jahr haben wir was tolles geplant. Das wird extrem cool – zu viel darf ich noch nicht verraten – im Mai geht’s los mit der ersten Produktneuheit. Nur soviel sei verraten – es ist ein gängiger Bierstil – etwas anders komponiert und es wird streng limitiert sein.

// Zu wieviel Prozent beliefert ihr die Gastronomie und Privatkunden/Händler?

Die Gastronomie macht ca. 30% bei uns aus, die meisten Gastronomen werden von Getränkehändlern mit unserem Bier beliefert. Der Rest geht an den Lebensmitteleinzelhandel und an die Getränkeabholmärkte.

// Wohin liefert ihr? Stuttgart, Hamburg ins Ausland?

Ja – wir kommen bis nach Stuttgart – das ist aber auch das weiteste. Ansonsnten sind es wie gesagt ungefähr 40 km rund um Geislingen. Einzige Ausnahme seit letztem Jahr ist unser Onlineshop. Da verschicken wir die Pakete postalisch und man kann in ganz Deutschland unsere Biere bestellen und genießen.

Rotbier Event

// Wie viele Biersorten bietet ihr mittlerweile an?

Ganzjährig sind es 10 Biere und dann haben wir noch 3 saisonale Biere.

// Was fasziniert Dich am meisten an Deinem Beruf?

Von meiner Tätigkeit als Geschäftsführer komme ich mit total vielen Leuten zusammen (in normalen Zeiten) – auch mit Gastonomen und da erlebt man ziemlich wilde und coole Sachen. Als Brauer ist es das Produkt, das mich fasziniert und glaube ich auch noch mein restliches Leben faszinieren wird.

// Wo liegen die größten Herausforderungen?

Hmm – es gibt viele Herausforderungen. Eine große Herausforderung ist die Erfüllung unseres Qualitätsanspruchs. Wir haben schwankende Rohstoffqualitäten, da es sich um Naturprodukte handelt, die Bierqualität muss aber konstant bleiben. Das ist ein endloser Kreis und sehr viel Arbeit, die unser Brauerteam in diese Herausforderung steckt. Zum anderen ist es dann natürlich, die Menschen in der Region für unser Produkt zu begeistern und Trends zu erkennen.

// Manche sagen, Craft-Bier wäre nur ein Hype. Was sagst Du dazu?

Craft heißt Handwerk und wir sind eine Handwerksbrauerei. Uns gibt es seit 140 Jahren. Kann man das als Hype bezeichnen?

// Was ist Dein absolutes Lieblingsbier?

Das variiert. Im Sommer geht nichts über unser Kristall Weizen. Im Winter freue ich mich aufs Winterbier und unser Helles und Export kann ich das ganze Jahr trinken!

Lothar Glauner beim Ausprobieren

// Wie oft muss man während des Brauens probieren?

Man probiert das Bier zum ersten Mal nach der Nachgärung im Lagertank. Nachdem das Bier geschlaucht wurde – also vom Gärtank in den Lagertank verbracht wurde – dann dauert die Nachgärung ca. eine Woche und dann wird das erste Mal gezwickelt. Bis es dann abgefüllt wird das Bier sicherlich 10 Mal probiert. Mal ganz abgesehen von all den Analysen. Das Bier wird während der Gärung bspw. täglich analysiert. Da wird es aber nicht getrunken, sondern nur daran gerochen ob alles passt.

// Wie lange dauert der Prozess des Brauens, bis du das fertige Bier in den Händen hast?

Unterschiedlich – je nach Bierstil 6-8 Wochen.

// Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Dir aus?

Wir stimmen uns meist zu Arbeitsbeginn ab, was so ansteht – dann habe ich jeden Tag morgens mit einem anderen Team ein kurzes Updatemeeting – bei dem wir die Entwicklungen betrachten – also in der Logistik, in der Verwaltung und im Vertrieb. Zu den Brauern habe ich nach wie vor der kürzesten Draht.

// Habt ihr während der Arbeitszeit ein striktes Alkoholverbot?

Ja – außer für die Brauer. Die müssen ihr Produkt probieren.

// Warum hat sich die Brauerei-Landschaft in Geislingen so stark verändert?

Das hängt damit zusammen, dass es ja bspw. heute auch deutlich weniger Gastrobetriebe gibt. Und das kann man auch in anderen Bereichen sehen. Bei den Brauereien ist das ähnlich – aber dazu kommt natürlich auch, dass heute deutlich weniger Bier getrunken wird. Früher wurde ja auch während der Arbeitszeit bspw. in der WMF und in der MAG Bier getrunken, als wir noch so viele Brauereien in Geislingen hatten.

// Woher kommen die faszinierenden Ideen für eure preisgekrönten Biersorten?

Die entstehen im Team – wir machen eigentlich jeden Freitag zusammen eine Verkostung – und da entstehen die besten Ideen.