Interview

Interview mit Dominik Pertl

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Interview mit Dominik Pertl

Leiter der Geislinger Albert-Einstein-Grundschule

Normalität. Unterricht haben wie zu Zeiten vor Corona. Einfach zur Schule gehen ohne Maskenpflicht, Abstand halten und andere Hygieneregeln. Das ist der Wunsch, der am häufigsten von den Kindern und Jugendlichen bei Umfragen genannt wurde. Seit dem 29. Juni 2020 an konnten alle Kinder an Grundschulen in Geislingen unter Pandemiebedingungen wieder regelmäßig ihre Schule besuchen. So müssen z.B. die jeweiligen Gruppen oder Klassen untereinander bleiben und dürfen sich nicht vermischen, auch nicht in den Pausen. Jetzt im September geht’s wieder los und die Schüler freuen sich nach den Ferien wieder auf ihre Schulen.

// Lieber Dominik, vielen Dank für deine Zeit in den wohlverdienten Ferien … Du bist Leiter der Albert-Einstein-Grundschule in Geislingen und kommst jetzt bereits in dein viertes Jahr dort. Wie war dein Werdegang bisher?

Nach meinem Vorbereitungsdienst an der Messelbergschule war ich Lehrer an der Grundschule Reichenbach u.R. Im Laufe der Zeit konnte ich dort einzelne Schulleitungsaufgaben übernehmen und die Schule mitgestalten, was mir Spaß machte. Dies hat mich zu dem Entschluss gebracht, mich 2017 auf die Stelle an der Einsteinschule zu bewerben. Das hat geklappt – und glücklicherweise wartete dort auf mich auch noch ein tolles Kollegium!

// Warum hast du diesen Beruf ergriffen?

Die Grundschule ist für mich ein bunter und kreativer Ort des Lernens, an dem jeden Tag unvorhersehbare Dinge geschehen. Die Arbeit mit Kindern ist immer nur zu einem bestimmten Teil planbar: Vieles entsteht auch aus der Situation. Das finde ich sehr spannend!

// Wie hoch ist der Männeranteil in deinem Beruf bzw. wie hoch war der Männeranteil im Studium?

Grundsätzlich ist der Männeranteil im Grundschulbereich eher gering. Auch im Studium gab es nur wenige Studenten. Ich weiß auch, dass einige dann doch noch einen anderen Weg eingeschlagen haben. Wir sind zufrieden, dass wir an der Einsteinschule eine ausgewogene Mischung haben. Ob Frau oder Mann: Wichtig ist die richtige Einstellung der Lehrkraft.

// Du begleitet seit 10 Jahren Kinder – wie unterschiedlich sind heute die Herausforderungen im Vergleich zu früher oder den Vorgaben im Studium?

Das Studium kann viele Bereiche nur unzureichend abdecken, die zum täglichen Geschäft gehören: z.B. der Umgang mit Konflikten oder die Zusammenarbeit mit Eltern, Gemeinden, Behörden und Vereinen usw. In meinen 10 Berufsjahren hat sich nicht viel verändert. Lehrkräfte, die schon länger im Dienst sind, berichten oft davon, dass es früher einfacher war. Dennoch müssen wir die jetzige Situation anpacken und meistern – zurück in die Vergangenheit geht’s ja nicht. Eine Überbelastung entsteht dann, wenn die finanziellen und vor allem personellen Ressourcen dafür zu knapp sind.

// Was sind die Stärken der heutigen Schüler?

Unsere Schülerinnen und Schüler sind selbstbewusst, sie können kritische Fragen stellen und nein sagen. Zudem lernen sie das Zusammenleben in einer vielfältigen Gemeinschaft. Oftmals überrascht mich auch die Kreativität der Kinder sehr positiv!

// Wir hören von vielen Kindern, die bereits in der ersten Klasse unter enormen Druck stehen. Siehst du das auch so?

Von der Schule aus sollte in der ersten Klasse noch kein Druck entstehen. Unzufriedenheit entsteht oft durch den Vergleich mit den anderen Schülern. In der Grundschule sind die Leistungen innerhalb einer Klasse äußerst unterschiedlich. Der Druck kann genommen werden, wenn wirklich jedes Kind nach seinen Fähigkeiten gefördert wird – in der Schule und auch zu Hause. Dies ist natürlich eine sehr große Herausforderung für alle!

// „So etwa macht er zu Hause nie, das kann ich mir nicht vorstellen“! Hörst du dies oft?

Das kommt schon mal vor. Dann müssen alle offen und ehrlich miteinander sprechen, auch wenn es wehtut. In den meisten Fällen findet sich dann eine Lösung, mit der alle leben können.

// Zum Thema Inklusion: Müssen hierbei neue Wege der Schule gefunden werden, um den Stoff durchzubekommen?

Um den inklusiv beschulten Kinder wirklich gerecht zu werden, bräuchte es ebenfalls eine stärkere personelle Ausstattung. Um die eigentlich tolle Idee der Inklusion richtig umsetzen zu können, sollten ständig zwei Lehrkräfte in der Klasse sein. Für die anderen Kinder der Klasse, entsteht aber auch zum jetzigen Zeitpunkt kein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Für das soziale Lernen ist die Inklusion ein Glücksfall!

// Viele Kinder passen heute nicht mehr ins normale Schulsystem. Ist unser System einfach überholt oder liegt es an der Erziehung der Eltern?

An was das genau liegt, kann ich nicht sagen… Die Aufgaben der Erziehung nehmen zu und dennoch gibt es noch Schulen ohne Schulsozialarbeit oder sonstige pädagogische Mitarbeiter als Unterstützung. Außerdem sollten bei der gesamten pädagogischen Arbeit der Schulen die Eltern mit ins Boot geholt werden, um gemeinsam ein Schulleben zu gestalten, dass der Entwicklung der Kinder förderlich ist. Auch das ist natürlich wieder ein hohes Ziel, das viel Zeit und Aufwand kostet. In diesem Bereich bin ich sehr glücklich über unsere engagierten Eltern im Elternbeirat und Förderverein, die viele tolle Ideen beisteuern.

// Gibt es Tage oder Situationen, die dich aktuell an deine Grenzen bringen?

Vor den Ferien war es die ständige Neuplanung des Unterrichts und die durchgängige Unsicherheit, wie es denn nun weitergeht.

// Wie wird coronabedingt das neue Schuljahr starten?

Ich hoffe auf ein relativ normales Schuljahr. Es gibt einen üblichen Stundenplan und einen eingeschränkten Ganztagesbetrieb. Auch an die Hygieneregeln haben sich mittlerweile alle gewöhnt – die Schülerinnen und Schüler machen das echt gut!

// Was wünscht du dir für die Zukunft?

Viele Projekte konnten wegen der Pandemie nicht weiterverfolgt werden. Ich freue mich darauf, hier wieder einzusteigen.

// Was möchtest Du Menschen, die Deinen Beruf vielleicht anstreben, noch mit auf den Weg geben?

Nicht lange überlegen – einfach machen! Wir brauchen Euch! Versprochen: Jeder Tag wird spannend!