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Emily Maichle – Die jüngste Bestatterin Deutschlands

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Emily Maichle – Die jüngste Bestatterin Deutschlands

Emily Maichle

Kaum jemand ist gerade so gefragt und von Funk, Print und Fernsehen so gejagt wie Emily Maichle. Kein Wunder!

Mit ihren erst 20 Jahren ist Emily Maichle eine der jüngsten Bestatterinnen in Deutschland. Was die meisten Menschen so weit wie möglich von sich schieben, ist ihr Alltag. Von ungefähr kommt die Berufswahl aber nicht. Ihr Familienname ist in Geislingen und Umgebung ein Begriff. Emily Maichle ist in einer Bestatter-Familie groß geworden. Bereits der Urgroßvater baute das Bestattungsunternehmen auf. Die Generationen danach entfalteten sich dann ebenfalls in dieser Branche und bauten das Unternehmen weiter auf.

„Bei uns Zuhause war das Thema Tod nie tabu. Es war immer etwas ganz Normales, dass man sich darüber unterhalten hat.“

Schon als Kind wollte Emily immer mal mit zu einer Abholung eines Verstorbenen. Das dauerte dann aber noch eine Weile, bis es soweit war. Mit 13 Jahren erlaubte es ihr Vater Markus Maichle dann zum ersten Mal. Doch der Weg, Bestatterin zu werden, war keineswegs selbstverständlich, als Emily ihr Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Geislingen mit der Note 1,4 abschloss. Sie hätte die Möglichkeit gehabt zu studieren, als Au-Pair ins Ausland zu gehen oder einfach erstmal zu reisen, was die meisten Abiturienten eben so machen. Auch ihre Eltern Manuela und Markus Maichle haben sie nicht dazu gedrängt, Bestatterin zu werden oder ins Familienbusiness einzusteigen.

Doch für sie stand diese Berufswahl schon lange fest und so begab sie sich auf den Spuren der Ahnen in diese Richtung. Nach der Schule machte sie drei Monate lang ein Praktikum bei einem Bestatterkollegen in der Nähe von Karlsruhe und begann im März dann mit der Ausbildung zur geprüften Bestatterin im „Bundesausbildungszentrum der Bestatter“ in Münnerstadt. Das Gefühl, trauernden Hinterbliebenen in der schweren Phase der Trauer weiterzuhelfen und Halt zu geben, erfüllt die 20-Jährige besonders, auch für die Menschen da zu sein.

Die Wertschätzung und Dankbarkeit, die man von ihnen erhalte, mache dieses Gefühl dann komplett. Außerdem sei der Beruf unglaublich abwechslungsreich. Zu der Arbeit als Bestatterin gehört nicht nur das Abholen von Verstorbenen und leiten einer Trauerfeier. Er ist vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheint.

Während ihrer Ausbildung lernte sie alles über Rechtsgrundlagen, die notwenigen Gesetze, betriebswirtschaftliche Abläufe, bis hin zu Riten und Bräuchen in unterschiedlichen Bestattungskulturen. In unserer vielschichtigen Gesellschaft ist es heutzutage enorm wichtig, Wissen darüber zu erlangen, wie andere Kulturen mit dem Thema Tod umgehen, wie Trauerfeiern gestaltet werden und welche Rituale üblich sind, damit wir das Trauern für jede Kultur möglich machen können. Auch das Führen von Beratungsgesprächen wurde in Rollenspielen zwischen Angehörigen und dem Bestatter gelehrt.

Praxismodule wie die Grabtechnik oder das Versorgen von Verstorbenen war besonders lehrreich. Das Ausheben und Vorbereiten eines Grabes für die Beisetzung von Hand oder mit Hilfe eines Baggers war Teil der Prüfung. Auch das Herrichten eines Verstorbenen für eine Verabschiedung am offenen Sarg wurde geprüft. All diese Tätigkeiten sind es, die den Beruf des Bestatters ausmachen. Angst hat Emily vor dem Tod nicht, dennoch aber Respekt. Sie stehe dem Leben anders gegenüber, da sie weiß, wie schnell es vorbei sein kann.

Auch Freunde reagieren nicht komisch auf ihren Beruf, ganz im Gegenteil. „ Das Interesse gegenüber dem Thema Tod ist eigentlich sehr hoch. Dadurch, dass das Thema in unserer Gesellschaft größtenteils tabuisiert wird, ist die Neugierde umso größer.“ Es gebe oft Fragen darüber, was man als Bestatterin für Aufgaben habe und wie das ganze ablaufe. „Auch wenn ich dann erzähle, wie vielseitig die Tätigkeiten sind, haben die meisten schnell realisiert, dass dieser Beruf zu mir passt.“ Die Ausbildung zur geprüften Bestatterin ist aber noch nicht das Ende. Im nächsten Jahr macht Emily Maichle den Bestattungsmeister und dann will sie den Beruf eventuell noch studieren.

Wir wünschen ihr alles Gute auf dem weiteren Weg!