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The mountains are calling and I must go!

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The mountains are calling and I must go!

Anspruchsvolle Routen mit spektakulären Ausblicken

Auch in diesem Jahr ließ sich der Ruf der Berge nicht ignorieren. Insbesondere in einer Zeit, in der Abstandsregeln und Social Distancing unser Leben so nachhaltig bestimmen, scheint die Einsamkeit in den Bergen verlockender denn je zu sein.

Mein Mann und ich lieben das Reisen und durften schon viele schöne Ecken dieser Welt gemeinsam erkunden. Als absolute Wanderenthusiasten, die wir von je her sind, zog es uns jedoch gleichermaßen auch immer in die Berge. Und so war auch im Herbst 2020 schnell klar, dass wir die Zeit über den Wolken in den Bergen und nicht im Flugzeug verbringen werden. Nach einiger Recherche hatten wir mehrere Wanderungen für eine zehntägige Reise zusammengestellt.

Unser Ziel war es, anspruchsvolle Routen mit einsamen Wegen und spektakulären Ausblicken zu finden, die nicht nur jedes Wanderherz höherschlagen lassen. Die Highlights des Wandertrips, der uns nach Südtirol, Italien und in die Schweiz führte, stellten dabei definitiv die Drei Zinnen und der Aletschgletscher dar, von denen ich hier erzählen möchte.

Dolomiten und die Drei Zinnen

Und so führte uns eine der ersten Wanderungen auf dieser Reise zum Wahrzeichen der Dolomiten, den Drei Zinnen. Bereits sehr früh am Morgen um 6:00 Uhr starteten wir von unserem Hotel in Rasen-Antholz in Südtirol. Allein die Fahrt zum Ausgangspunkt der Wanderung, bot uns einen grandiosen Vorgeschmack auf die einmalige Berglandschaft. Gleich ob man den Wander-Parkplatz am Misurina See (1.750 m) ansteuert, um von dort die zweieinhalbstündige Wanderung zu den Drei Zinnen anzutreten oder ob man weiterfährt und die kurvenreiche Mautstraße zur Auronzohütte (2.320 m) nimmt, für die ca. dreieinhalbstündige Umrundung der Drei Zinnen sollte man sich genug Zeit zum Staunen und Verweilen einplanen. Die beliebteste Wanderung in den Dolomiten wird Ihrem Ruf gerecht und bietet neben drei urigen Hütten, die die müden Wandersleute auf ein kühles Getränk und eine deftige Mahlzeit einladen, auch das Dreigestirn der Dolomiten und das aus atemberaubenden Perspektiven jeglicher Himmelsrichtungen.

Drei-Zinnen-Hochfläche

Bei der Auronzohütte angekommen, nimmt der Wanderweg zur Umrundung der Drei Zinnen seinen Anfang und führte uns zunächst an einer schönen kleinen Kapelle namens Capella degli Alpini vorbei zur Lavaredo Hütte. Dort gabelt sich der Weg. Wir entschieden uns den links abzweigenden, etwas steileren Weg zu Füßen der kleinen Zinne zu nehmen und erreichten nach ca. 45 min den Paternsattel auf 2.454 m. Oben angekommen, konnten wir zum ersten Mal die klassische Form der drei Zinnen bewundern. Die kleine Zinne (2.857 m), die große Zinne (2.998 m) und die westliche Zinne (2.973 m) sowie den imposanten Paternkofel und die gesamte Drei-Zinnen-Hochfläche.

Nach einer kurzen Pause, in der wir unzählige Fotos von der majestätischen Landschaft schossen, führte uns der Wanderweg, sich immer wieder bergauf und bergab windend, zur Drei-Zinnen-Hütte (2.438). Nach einer kurzen Erfrischung ging es weiter in Richtung Langalm, hinunter zum Rienzboden auf dem sich mehrere Rinnsale zur Rienz vereinen. In herrlicher Bergkulisse schlängelt sich der Weg wieder mit leichtem Anstieg zur Langalm und erreicht den westlichen Rand der Drei Zinnen. Nach weiteren 20 min gelangten wir wieder zum Parkplatz bei der Auronzohütte, von der aus die Rundwanderung begann und stiegen in einen Wanderbus, der uns wieder zum Wanderparkplatz am Misurina See brachte.

Wanderpause am Gardasee und Lago Maggiore

Noch immer beeindruckt von der herrlichen Bergwelt der Dolomiten gönnten wir uns eine Wanderpause von fünf Tagen, die wir am Gardasee und Lago Maggiore verbrachten, bis es uns weiter in die Schweiz zog, zum größten noch existierenden Gletscher Europas, dem Aletschgletscher.

Im Gegensatz zur leicht eingestuften Wanderung zu und um die Drei Zinnen, war bei der geplanten Tour auf das Eggishorn, mit anschließendem Abstieg zum Aletschgletscher, festes Schuhwerk sowie eine gute Kondition und Trittsicherheit eine notwendige Voraussetzung. Da wir für die Wanderung insgesamt 8 Stunden eingeplant hatten, entschieden wir uns dazu, für den ersten Abschnitt die Gondel zu nehmen.

So stiegen wir in dem kleinen Schweizer Örtchen Fiesch (1.049 m), in dem wir auch übernachteten, in die Gondel ein und erreichten nach 10 minütiger Fahrt die Fiescheralp auf 2.212 m Höhe, die uns mit einem stahlblauen, wolkenlosen Himmel, Sonnenschein und einem atemberaubenden Alpenpanorama freudig empfing. Von dort ging es über 4,5 km steil bergauf zum Eggishorn (2.927). Belohnt wurden wir mit einem faszinierenden Blick auf den Aletschgletscher, den größten Eisstrom der Alpen und darüber hinaus auch mit den ganz großen Gipfeln der Alpen, die man bei einer Umdrehung um die eigene Achse ebenfalls im Blick hat. Eiger, Mönch, Jungfrau, Wannenhorn, das Finsteraarhorn, im Westen das Weisshorn, die Mischabelgruppe mit Dom und als Zugabe das Matterhorn sowie den Mont Blanc.

Es geht bergab

Nachdem wir uns auf der Bergstation, der Horli-Hitta, einen Gipfelschnaps einverleibt hatten, wanderten wir vorbei am Tällisee über den Tälligrat weiter zum idyllischen Märjelensee in herrlicher Landschaft hinunter zum Gletscher. So beschwerlich der Abstieg auch war, belohnt wurden wir allemal für unsere Strapazen. Gänsehaut-Feeling machte sich breit. Nicht nur durch den kalten Hauch, den der Gletscher abstrahlt. Das glitzernde Eis in der Sonne, das tosende Schmelzwasser, das durch eine Gletscherspalte bergabwärts rauscht. Bilder wie Worte können nur ungenügend beschreiben, wie grandios die Natur an diesem Ort ist.

Auch der restliche Wanderweg, der uns zunächst wieder zurück zur Gletscherstube Märjelen führte, beeindruckte mit seiner schönen Berglandschaft und führte uns über den 2.615 m langen Tälligrattunnel wieder zurück auf das Sonnenplateau der Aletsch Arena, wo uns die Gondel wieder ins Tal hinab beförderte.

Eure Jessica