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Traumpfad München–Venedig

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Traumpfad München–Venedig

Über die Berge in 24 Tagen

Also auf vom Schwabenland ins benachbarte Bayern –  

„Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen“. Johann Wolfgang von Goethe –

Tag 1:

Bei Traumwetter bin ich am Marienplatz am Vormittag gestartet – 33 Kilometer und 9 Stunden später in der Flößerstadt Wolfratshausen, meinem Quartier für die Nacht, angekommen. Vorbei am Viktualienmarkt, dem deutschen Museum, ging es raus aus der bayrischen Landeshauptstadt. Meist direkt entlang der Isar… Mein Rucksack ist eventuell doch etwas zu schwer…. max. 10kg haben sie gesagt…. glaube sie hatten Recht.

Tag 2: Wolfratshausen- Bad Tölz

Heute nach Bad Tölz waren es im Vergleich zu gestern „nur“ 28 km.
Aufgrund des Regenwetters am Vormittag und echt spartanisch angebrachter Beschilderung, war es bei weitem nicht so reizvoll wie gestern.

Tag 3: Bad Tölz- Tutzinger Hütte

Irgendwie ein unheimlich tolles Gefühl, loszugehen und das erste Mal das Ziel, die Berge direkt vor Augen zu haben. Der folgende Anstieg war echt sportlich. Steinig, uneben und rutschig. Ein weiteres Problem, dass mein Rucksack scheinbar noch überhaupt kein Bock hat auf Bergwandern, zumindest zieht er konsequent Richtung Tal.

Tag 6: Karwendelhaus- Langerangerhaus

Holla die Bergfee … heute stand die bislang schwerste Etappe an … Direkt nach dem Start am Karwendelhaus folgte ein Abschnitt am Drahtseil, der volle Konzentration forderte und mir wieder zeigte, wie VIEL zu schwer mein Rucksack eigentlich ist. Die nächsten 2h machte ich gute 800 HM, die es echt in sich hatten. Der Untergrund bestand am Hang ausschließlich aus lockerem Fels. Einen sicheren Stand zu finden dauerte ewig und zehrte an den Kräften.

Tag 7: Hallerangerhaus – Wattens

Die ersten 2h bis zum Lafatscherjoch ging es zwar wieder steil über Schotterfelder hinauf aber es war gut zu laufen. An Hall vorbei bin ich bereits um 14 Uhr am heutigen Ziel, der Swarowski- Stadt Wattens angekommen. Als ich auf dem Weg zu meiner Unterkunft an einem Sportgeschäft vorbeigekommen bin, wurde mir schnell klar, dass mein bisheriger Schlafsack und ich nun getrennte Wege gehen werden. Jetzt hab ich Platz!

Tag 9: Lizumer Hütte- Tuxerjochhaus

Los geht’s in Richtung Tuxer Gletscher. Um 8 angekommen am Pluderlingsattel auf 2743m, gönnte ich mit meinen Gefährten, die ich auf der Hütte wieder getroffen hatte, ein Vesper mit Blick auf den Junsee. Weiter gehts aufwärts über ein Schneefeld zum Gschützspitzsattel (2657m). Direkt hinter dem Sattel folgte ein langer schmaler Weg direkt am Kamm entlang, seitlich steil abfallend. Den beiden Münchnern war das Ganze zu „heiß“ durch lädierte Füße, weshalb sie sich entschieden umzukehren. So begab ich mich also allein auf den Weg. Am Abend dann die traurige Nachricht von Kathi, dass die beiden ihre Tour abbrechen.

Tag 10: Tuxerjochhaus- Dominikushütte / Dominikushütte- Stein in Südtirol

Gestern und auch die nächsten beiden Tage gibt es Schneefall ab 2500m. Der höchste Punkt der heutigen Tour liegt allerdings bei 2910m – gefährlich. So steige ich also in der Früh die 900 hm ab ins Tal nach Hintertux und beschließe, die folgende Etappe noch in Angriff zu nehmen. Als ich den Grenzstein zu Italien erreiche, ist das schon ein echt schönes Gefühl, ein großes Stück geschafft!

Tag 13: Kreuzwiesenalm- Schlüterhütte – Puezhütte

Vorbei an ein paar Höfen geht es über Almwiesen den Berg hinauf Richtung Astjoch (2091), weiter zur Kapelle am Jakobstöckel, bis ich nach ca. 2h am Glittner See angekommen bin. Anschließend vorbei am imposanten Peitlerkofel, um über den Günther Messner Steig aufzusteigen zur Schlüterhütte. Leider änderte sich kurz vor dem Aufstieg zur Roascharte ( 2616m) das Wetter schlagartig. Starkregen und Gewitter, also genau das, was man sich hier oben „wünscht“.

Tag 16: Alleghe – Riffugio Vazzoler

Nachdem es gestern ausschließlich bergab ging, haben wir heute 1400 HM aufwärts vor uns. Beim weiteren Aufstieg werden wir für unseren zusätzlichen Kilometer belohnt und zwar mit einem fantastischen Ausblick auf den Monte Pelmo.

Tag 19: Rifugio Furio Bianchet- Belluno

Heute steht die Klettersteigetappe an – mit 14 kg auf dem Rücken.
Gute 2,5h brauchen wir für den Steig und eine gute weitere für den Abstieg zum Rifugio Alpini 7. Es geht nun fast stetig bergab, allerdings wieder über sehr lockeren Schotterboden, was unheimlich anstrengend ist. In den nächsten 4h komme ich so richtig an meine Grenzen und bin wirklich fertig. Man merkt, auch wenn man denkt mit seinen Kräften am Ende zu sein, es sind immer noch Reserven da.

Tag 20: Belluno – Tarzo ( Agriturismo Le Noci )

Den Kommentar eines älteren Herren können wir nicht deuten und schwanken zwischen „viel Erfolg, ihr schafft das locker“ oder einem „ihr Seggl, nehmt lieber den Bus“. 2. wäre deutlich angenehmer gewesen.

Tag 21: Tarzo- Salettuol

Wir lassen die Berge endgültig hinter uns und wandern entlang der Prosecco Straße gen Süden. Zuerst freuen wir uns über die Wolken und den leichten Nieselregen. Keine 20 Minuten später befinden wir uns allerdings im wirklich übelsten Gewitter, das ich seit langem erlebt habe. Als die Blitze im Sekundentakt neben uns einschlagen gehen wir beide vom Wandern ins Joggen über und retten uns so unter die in Sichtweite stehende Autobahnbrücke.

Tag 22: Salettuol- San Dona di Piave

Da wir nach gefühlten 100 Anrufen keine Unterkunft in Jesolo bekommen, wird unser Ziel heute San Dona di Piave.

Tag 23: Santa Dona Di Piave – Lido Di Jesolo

Hochmotiviert starten wir um 6 Uhr und freuen uns auf ein Frühstück am Strand. Und da ist es, das Meer. Ich bin mega glücklich und dankbar, dass alles so gut geklappt hat bis hierher – besonders was meine Füße angeht, mit denen ich keine erwähnenswerten Probleme hatte. Das ist wirklich nicht selbstverständlich, nachdem, was ich in den letzten 3 Wochen erlebt habe. Fast jeden Abend wurde auf den Hütten getaped, geschmiert und Blasenpflaster verteilt.

Tag 24: Lido Di Jesolo – Venedig

Auf zum letzten Marsch – 24km bis zum Schiffsanleger in Punto Sabbioni. In FlipFlops geht es dann zum Fähranleger, wo wir für schlappe 5€ nach Venedig schippern. In der Lagunenstadt angekommen sind wir zunächst etwas erschlagen von der Masse an Touristen. Nun geht es nach Hause und ich habe einige unendlich fantastische Eindrücke im Gepäck…

Euer Hannes!
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