Stadtleben

175 Jahre Kreissparkasse Göppingen

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175 Jahre Kreissparkasse Göppingen

Jubiläumsgeschichte: Beginn mit 16.003 Gulden

Eines haben das Gründungsjahr der Kreissparkasse Göppingen und das Jahr 2021 gemeinsam: Es waren bewegte Zeiten – heute durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie, während 1846 der Kampf ums tägliche Brot den Alltag vieler Menschen bestimmte. Dabei war es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht nur im 1806 entstandenen Königreich Württemberg wirtschaftlich bergauf gegangen.

Die Zeichen standen in vielen Teilen Deutschlands auf Wachstum. Hauptverantwortlich dafür waren verbesserte Produktionsmethoden bei Ackerbau und Viehzucht, aber auch die beginnende Industrialisierung. Zwar blieb die Landwirtschaft noch für lange Zeit der beherrschende Wirtschaftsfaktor, doch 1831 wurden in Württemberg bereits 345 Manufakturen und Industrie-ähnliche Betriebe mit zusammen rund 10.000 Arbeitern gezählt. Zu den Vorreitern der industriellen Entwicklung gehörten im Vorland der Schwäbischen Alb – vor allem durch Textilbetriebe –Städte wie Heidenheim, Ulm, Geislingen, Göppingen und Reutlingen.

Mitte der 1840er Jahre kam es jedoch zu einem herben Rückschlag bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Auslöser waren mehrere Missernten durch Unwetter und ein aus Nordamerika eingeschlepptes Kleinstlebewesen. In diesem Fall kein Corona-Virus, sondern der Pilz Phytophthora infestans, der vor allem bei Kartoffeln und Tomaten Kraut-und Knollenfäule auslöst. Ein Gegenmittel gab es damals nicht. Die Ernteausfälle durch Kraut-und Knollenfäule waren verheerend und führten in ganz Europa zu Hungersnöten und Auswanderungswellen. In dieser Situation brauchten auch die sogenannten kleinen Leute Zugang zu Finanzdienstleistungen –beispielsweise Bauern, die Geld leihen mussten, um neue Saatkartoffeln zu kaufen.

Als erste Sparkasse der Welt gilt die 1778 ins Leben gerufene „Ersparungs-Classe“ der Allgemeinen Hamburger Versorgungsanstalt, die auch an Dienstboten und Tagelöhner Sparbücher ausgab und ihnen Zinsen für Erspartes zahlte.

In Württemberg hatte Königin Katharina dafür gesorgt, dass 1818 in Stuttgart die Württembergische Spar-Casse gegründet wurde. Auch damals war die Versorgungslage nach mehreren witterungsbedingten Missernten angespannt. So wurde am 22. September 1846 die Oberamts-Spar-und Leihkasse Göppingen gegründet. Die Aufgaben waren in der Satzung klar definiert: der ärmeren Volksklasse sollte die Möglichkeit zur Unterbringung von Ersparnissen und kleinen Vermögensteilen gegeben werden, außerdem sollten Oberamtsangehörige unterstützt werden, die „zu ihrem Fortkommen auf längere oder kürzere Zeit Anlehen bedürfen“.

Nur gut drei Wochen nach der Gründung wurde der Geschäftsbetrieb aufgenommen. Im verkürzten ersten Geschäftsjahr wurden bereits 405 Bürgschaftsdarlehen ausgegeben.

Die Kredite summierten sich auf 49.000 Gulden, demgegenüber standen Spareinlagen in Höhe von 16.003 Gulden. Um die Diskrepanz zwischen Ausleihungen und Einzahlungen auszugleichen, hatte man per Zeitungsannonce wohlhabende Bürger gesucht, die bereit waren, gegen Zinsen namhafte Summen als „Anlehen“ zur Verfügung zu stellen. Eine Verpflichtung, Überschüsse zu erwirtschaften, war in der ersten Satzung der Oberamts-Spar-und Leihkasse Göppingen ausdrücklich nicht vorgesehen.
In dieser Hinsicht haben sich die Zeiten natürlich geändert. Wie jedes Unternehmen muss die Kreissparkasse Göppingen heute Gewinne erzielen, um ihr Fortbestehen zu sichern. „Im Grundsatz sind wir aber unserem Erbe treu geblieben“, sagt Dr. Hariolf Teufel, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Göppingen, „wir sind nach wie vor ein Unternehmen, das Verantwortung für das Gemeinwohl übernimmt.“

Als Institut in öffentlicher Trägerschaft sieht sich die Kreissparkasse als Teil des Gemeinwesens, in dem sie ihre Geschäfte betreibt, und richtet ihr Handeln danach aus, dieses Gemeinwesen zu stärken. Dies geschieht beispielsweise durch Stiftungen, Spenden und Sponsoring, durch die Finanzierung von Lehrstühlen, durch Umweltschutz-Maßnahmen, die Förderung von gemeinnützigem Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder durch gezielte Förderung von Wirtschaft und Handel