Stadtleben

ADAC Stauberater Joachim Baumhauer aus Kuchen

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ADAC Stauberater Joachim Baumhauer aus Kuchen

Alles andere als ein gewöhnlicher Job

ADAC Stauberater Joachim Baumhauer aus Kuchen ist im Auftrag des ADAC-Württemberg unterwegs, um mit seinem Motorrad „gestrandeten“ Verkehrsteilnehmern auf den Autobahnen zu helfen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Es ist ein außergewöhnliches Hobby.

Während die meisten Verkehrsteilnehmer alles tun, um einen Stau zu umfahren, fährt Joachim Baumhauer direkt hinein und das auch noch in seiner Freizeit. Denn die Autobahnen Württembergs, genauer gesagt die Staus, sind das Haupteinsatzgebiet des Stauberaters. Joachim Baumhauer, hauptberuflich Raumausstattermeister, ist als Stauberater immer da wo es klemmt „und das ist in unserem Fall die A8 zwischen Kirchheim und Ulm, der Albaufstieg, das Stuttgarter und Leonberger Dreieck, die A81 in Richtung Singen bzw. Heilbronn“, berichtet Joachim Baumhauer. Mit jährlich rund 3.900 Kilometern Stau allein in den Sommerferien gehört Baden-Württemberg zu den Spitzenreitern im Stauranking. Selbst im Pandemiejahr 2020 gab es deshalb für die Stauberater allerhand zu tun. Für die bevorstehende Stauberater-Saison rechnet der ADAC wieder mit einem erheblichen Verkehrsaufkommen auf deutschen Autobahnen.

Seit 13 Jahren sorgt Joachim Baumhauer für mehr Sicherheit und unterstützt die Verkehrsteilnehmer bei den unterschiedlichsten Herausforderungen. In erster Linie gibt er den Reisenden Auskunft darüber, wie lange der Stau ist und ob es sich lohnt ihn zu umfahren. Er sichert Unfallstellen ab, hilft bei einfachen Pannen auf dem Standstreifen und unterstützt Einsatzkräfte bei schweren Verkehrsunfällen. Dank einer Sondergenehmigung dürfen die ADAC Stauberater auch zwischen stehenden Fahrzeugen durchfahren und den Standstreifen benutzen.

Obwohl Autofahrer dank Radio und Navi so gut wie nie zuvor über die Verkehrslage Bescheid wissen, führt die Technik sie manchmal in die Irre. Baumhauer sucht das Gespräch zu den Staugeplagten: „Bei einem nahenden Stau schlägt das Navi schnell vor, die Autobahn zu verlassen. Je nach Situation vor Ort und Anlass des Staus lohnt es sich meistens nicht auf die Bundesstraße auszuweichen, denn die sind schneller verstopft als man denkt.“ Mit solch praktischen Tipps und einem persönlichen Gespräch sieht man dem Stau oftmals gelassener entgegen.

Auch ist es immer wieder erforderlich, dass wir bei Verkehrsunfällen deeskalierend einwirken, weil nicht selten die Unfallgegner aneinandergeraten. „Unseren nächsten Einsatzort finden wir in der Regel über das Radio, die täglichen Staumeldungen sind unser Richtungsweiser“, so Baumhauer. Neben den üblichen Aufgaben erleben die ADAC Stauberater aber auch immer wieder Kurioses, zum Beispiel ein herrenloses Pferd, das droht auf die Autobahn zu laufen, ein PKW mit Bootsanhänger, der seine Yacht verloren hat. Ein Motorradfahrer, den man verzweifelt nach Hause fährt, um seinen Ersatzschlüssel zu holen und vieles mehr.

„Falls mal der Saft ausgeht, haben wir Getränke an Bord. Auch medizinisches Equipment gehört bei mir zur Grundausstattung“, berichtet der ausgebildete Rettungssanitäter, der sich früher über 30 Jahre beim DRK ehrenamtlich engagiert. „Ein großes Augenmerk legen wir nach wie vor auf die Bildung einer Rettungsgasse. Leider ist es trotz massiver Präventionsarbeit immer noch nicht in den Köpfen vieler Verkehrsteilnehmer angekommen, dass dies entscheidend sein kann, ob ein lebensgefährlich Verletzter überlebt oder nicht“, betont der erfahrene Stauberater.

Man darf gespannt sein, welche Einsätze in der Reisesaison 2021 auf die ADAC Stauberater warten. Eines steht aber fest: Sie werden da sein und helfen.

Bilder: Aurelius Maier