Stadtleben

B10 Weiterbau

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B10 Weiterbau
Strecke kreuzt nistende Fledermäuse

B10 Weiterbau verzögert sich um mind. 2 Jahre

Wer sich gefreut hat, in naher Zukunft staufrei um Kuchen und eventuell auch um Geislingen zu kommen, negativ! Also zumindest nicht in naher Zukunft!

Beim Zusammentreffen verschiedener Politiker aus dem Kreis Göppingen, der Kreisverwaltung und Vertretern des Stuttgarter Verkehrsministeriums im Dezember wurde es traurige Gewissheit, dass sich der Baubeginn um mindestens zwei Jahre nach hinten verschiebt. Grund für die Verzögerung sind unter anderem Fledermäuse, die in den Bergbaustollen entlang der geplanten Strecke beheimatet sind. Auf den Punkt gebracht: Der Naturschutz verlangsamt die Planungen, da die geplante Strecke unter anderem mehrere Vogelschutzgebiete kreuzt.

Zurück zu den Fledermäusen, die natürlich nicht zur Gattung der Vögel gehören.Fledermäuse sind – obwohl sie hervorragend fliegen – Säugetiere. Sie bringen lebende Junge zur Welt, säugen diese und haben im Gegensatz zu den Vögeln keine Federn, sondern eine mehr oder weniger stark behaarte Haut. Eine Fledermaus zu fangen, verletzen, oder töten kostet laut Bußgeldkatalog in Baden-Württemberg bis zu 50.000 Euro. Die Fortpflanzungs- oder Ruhestätte einer Fledermaus zu beschädigen oder zerstören das gleiche nochmal!

In Deutschland leben 24 heimische Arten von Fledermäusen. All diese Fledermäuse stehen unter Naturschutz bzw. Artenschutz. Übrigens: Trotz ihrer geringen Körpergröße können Fledermäuse sehr alt werden. Die älteste bekannte Fledermaus wurde über 40 Jahre alt.

Bild: Manfred Gerber / PIXELIO

Gerade die Reduzierung des Lebensraumes, wie jetzt am obigen Beispiel der Fall, sowie die Nahrungsknappheit – beide hervorgerufen durch den Menschen – sorgen für einen Rückgang der Populationen der Fledermaus, die seit etwa 50 Millionen Jahren hier beheimatet ist. Die heimische Fledermaus hat drei Feinde. Die Landwirtschaft setzt Insektizide ein, die der Fledermaus die Nahrungsgrundlage entzieht. Die Giftablagerungen erreichen im wenige Gramm schweren Tierkörper entweder tödliche Konzentrationen oder werden über die Muttermilch an die Jungen weiter gereicht.

Die Sanierung von alten Gebäuden reduziert zudem den Lebensraum. Zusätzlich töten Windräder das Säugetier. Experten schätzen, dass jedes Jahr etwa 250.000 Tiere aus diesem Grund sterben. Deutschland trägt als Transitland für wandernde Fledermäuse eine ganz besondere Verantwortung nicht nur für die heimischen, sondern alle europäischen Fledermausarten.

Als sich jetzt also herausgestellt hat, dass an dem geplanten Albaufstieg in Richtung Amstetten alte Bergbaustollen von den Arbeiten betroffen sind, in denen Fledermäuse beheimatet sind, folgen nun langwierige Untersuchungen.

Herauszufinden gilt es jetzt in erster Linie, um welche Fledermausart es sich handelt und wie viele der Fledertiere (die heißen wirklich so) inwieweit denn beim Bau der B10 betroffen wären. Hier reicht es allerdings nicht, die Fledertiere kurz zu begutachten und durchzuzählen. Die Vorgabe verlangt es, die fliegenden Bergbaustollenbewohner über einen längeren Zeitraum zu beobachten, um entsprechende Daten herauszuarbeiten, mit denen gearbeitet werden kann. Alle heimischen Fledermäuse halten Winterschlaf. Dazu suchen sie spezielle Winterquartiere auf wie unseren besagten Stollen auf, ob das jetzt gut oder schlecht bei den Beobachtungen ist, wer weiß.

Momentan heißt das für uns, dass wieder alles offen ist und eventuell sogar die Streckenführung überarbeitet werden muss. Auf deutsch: Das wird definitiv alles dauern! Im Frühjahr wird es neuste Informationen zum Projekten geben – wir sind gespannt. Die Anwohner und Pendler würden sich freuen, wobei garantiert nicht mit einem Baubeginn vor 2026 zu rechnen ist. Wenn man bedenkt, dass das eigentliche Ziel letztes Jahr noch war, bis 2028 fertig zu sein, muss man kein Raketenwissenschaftler sein um zu verstehen, dass dieser Termin nicht mehr eingehalten werden kann.

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