Stadtleben

Bau der Filstalbrücke

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Bau der Filstalbrücke

Wahnsinnsprojekt in Mühlhausen

Wer die Autobahn bei Mühlhausen benutzt oder auch mal nach Wiesensteig durchs Täle fährt, der wird die enormen Fortschritte der Filstalbrücke bewundern können, die sich hoch oben über das Tal schiebt.

Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte: Das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm umfasst Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Stuttgart 21 sind genau genommen drei Personenbahnhöfe und ein Abstellbahnhof sowie über 57 Kilometer neue Strecke. Auf der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm geht es schnell und komfortabel über (und in Tunneln durch) die Schwäbische Alb. Mit dem Bahnprojekt Stuttgart–Ulm entstehen 117 km neue Schienenstrecke, 57 km für Stuttgart 21 und 60 km für die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Zudem vier neue Bahnhöfe: Neuer Stuttgarter Hauptbahnhof als Durchgangsbahnhof, S-Bahn-Station Mittnachtstraße, Fernbahnhof Flughafen/Messe und einen Abstellbahnhof in Untertürkheim. Über einen nahezu geschlossenen Schienenring, der überwiegend unterirdisch verläuft, können Züge von beiden Seiten in den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof einfahren.

Luftaufnahme

Im Fern- und Regionalverkehr ergeben sich zahlreiche Verbesserungen. Die direkte Linienführung vom neuen Stuttgarter Hauptbahnhof verbindet den Flughafen und die Messe Stuttgart in nur noch 8 Minuten mit der Stuttgarter Innenstadt. Wer schon mal von der Stadt an den Flughafen musste, der kann ein Lied davon singen, wie schlecht die Verbindungen bisher zum Flieger waren.

Was passiert in Stuttgart mit dem bisherigen Bahnhof? Aus dem Stuttgarter Kopfbahnhof wird ein leistungsfähiger Durchgangsbahnhof, der in etwa elf Metern Tiefe verläuft. Das bestehende Bahnhofsgebäude mit der großen Halle und dem Turm bleibt erhalten und bekommt eine neue Bahnsteighalle. Architektonische Markenzeichen sind 27 gläserne „Lichtaugen“, die Tageslicht auf die Bahnsteigebene holen. Da die Gleise künftig in Tunneln verlaufen, stehen 100 Hektar Fläche im Herzen der Stuttgarter Innenstadt für die Stadtentwicklung zur Verfügung. 20 Hektar davon werden in Parkanlagen umgewandelt.

Über zur Brücke: Die Filstalbrücke ist Teil der Neubaustrecke Wendlingen–Ulm (NBS), die gemeinsam mit Stuttgart 21 das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm ergibt. Die neue Hochgeschwindigkeitsstrecke von Wendlingen am Neckar nach Ulm verläuft überwiegend entlang der Autobahn A8 und bietet einen schnellen und komfortablen Weg über die Schwäbische Alb. Regionale, nationale und internationale Reisezeiten werden deutlich verkürzt.

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Baden-Württemberg wird dauerhaft in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz eingebunden. Im knapp 15 Kilometer langen Planfeststellungsabschnitt erklimmt die Neubaustrecke die Schwäbische Alb. Der Großteil des Anstiegs wird dabei im 8,8 Kilometer langen Boßlertunnel bewältigt – dem längsten Tunnel der Neubaustrecke. Bei Mühlhausen im Täle tritt die Trasse kurzzeitig an die Oberfläche, um auf zwei eingleisigen Brücken (485 und 472 Meter lang) das Filstal zu queren. Der übrige Anstieg wird im 4,8 Kilometer langen Steinbühltunnel bewältigt.

Daten und Fakten zur NBS:

Die Gesamtstreckenlänge beträgt 59,6 km, die Hälfte davon, nämlich 30,4 km, verläuft in Tunneln …

Die Streckenhöchstgeschwindigkeit ist 250 km/h. Tunnel mit einer Länge größer als 500 Meter gibt’s es an der Zahl 5 Stück, Straßenbrücken 20 und Eisenbahnüberführungen 17.

Die Filstalbrücke liegt unmittelbar zwischen den Portalen des Boßler- und des Steinbühltunnels auf der Gemarkung von Mühlhausen im Täle. Der direkte Übergang Tunnel – Brücke – Tunnel ist ingenieurstechnisch eine Besonderheit. Da Boßler und Steinbühltunnel jeweils aus zwei eingleisigen Tunnelröhren bestehen, ist der Bau von zwei Einzelbrücken erforderlich. Eine Brücke trägt das Gleis Richtung Stuttgart, die andere das Gleis Richtung Ulm. Die feste Fahrbahn auf dem Bauwerk kann auch von Rettungsfahrzeugen befahren werden.

Daten und Fakten zur Filstalbrücke:

  • Brückenlänge: 485 und 472 m
  • Brückenhöhe: 85 m (inkl. Ausstattung)
  • Pfeilerhöhe: bis zu 75 m (inklusive Schrägstreben)
  • Bauweise: Vorschubrüstung
  • Beton: ca. 55.000 m3
  • Stahl: ca. 7.700 to
  • Spannstahl: ca. 800 to
  • Erdbewegung: ca. 140.000 m3 Auftragsvolumen: 53 Mio. Euro

Zunächst wurden am Portal des Boßlertunnels ein Widerlager (Übergang zwischen Brückenkonstruktion und Erddamm) und ein erster Brückenpfeiler betoniert. Anschließend wurde der Überbau in Richtung des Portals des Steinbühltunnels hergestellt. Neben fünf regulären Pfeilern entstehen vier Stahlgitter-Hilfspfeiler, die nach Fertigstellung des Bauwerks wieder abgebaut werden. Die Schrägstiele der beiden Y-förmigen Hauptpfeiler werden nachträglich betoniert. Der Überbau wird in zehn Betonierabschnitten mit einer oben laufenden Vorschubrüstung hergestellt.