Stadtleben

Bierflaschen – Pfandrückgabe

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Bierflaschen – Pfandrückgabe

Das Bier in Geislingen wird knapp!

Kürzlich haben wir von einem Bekannten zwei Flaschen Bier mitgebracht bekommen. Hübsche Bügelflaschen, etwas außergewöhnlich, mit Prägung der Brauerei im Glas. Natürlich kommt es bei Bierflaschen nicht nur auf das Äußere an, der Inhalt ist hier wesentlich wichtiger. Aber auch dieser war wirklich köstlich. Nun waren die beiden Flaschen natürlich umgehend leer und sollten auch zeitnah den vorbestimmten Weg aller Pfandflaschen gehen, nämlich via Mehrweg-System zurück an eine Brauerei zur Wiederbefüllung. Doch mehrere ortsansässige Getränkehändler, denen wir unsere hübschen Pfandflaschen zum Rückerwerb anboten, weigerten sich standhaft, die beiden zurückzunehmen.

Der Grund dafür ist relativ simpel. Alle Getränkehersteller haben für ihre Marken unterschiedliche Flaschenformen, damit sich ihre Produkte von denen der Mitbewerber unterscheiden. Dementsprechend passen die mittlerweile alleine in Deutschland erhältlichen 300 verschiedenen Bierflaschen auch nicht in die gleichen Kästen. Hat nun der Händler diese spezielle Marke nicht im Sortiment, so hat er natürlich auch keine Kästen in die die Flaschen passen. Und ohne Kästen lassen sich die Flaschen nun mal schlecht verschicken.

Für viel Geld schicken nun manche Brauereien die akzeptierten und zurückgenommenen Bierflaschen, die nun in Kästen ihrer Säuberung und Wiederbefüllung entgegensehen, erst mal in ein Sortierzentrum, wo sie nach Form, Farbe und Verschluss geordnet werden. Mittlerweile gibt es auch 80 verschiedene Bügelverschlüsse, die natürlich alle in die richtige Kiste wandern sollten. So sind es jährlich 50 Millionen Flaschen, die in der Sortieranlage Coburg ankommen und sortiert wieder Richtung Heimatbrauerei verschickt werden. Was für ein Aufwand für ein Produkt, das leer und einzeln gebraucht gerade mal 8 Cent wert ist. Ökologisch funktioniert anders.

Die Flaschen brauchen lange bis in die Heimatbrauerei

Ein weiteres Problem ist, nicht alle von der Brauerei verkauften Flaschen finden auch ihren Weg nach dem Genuss des beinhalteten Bieres in die Heimatbrauerei zurück. Und da wir Geislinger auch gerne weiterhin unser Bier genießen wollen, hat auch unsere Kaiser Brauerei nun ein großes Problem. Denn eine normale Bierflasche -und die Kaiser Brauerei hat nur „normale“ Bierflaschen im Sortiment, für die die Kaiser Brauerei 8 Cent Pfand erhält, kostet Unternehmer Kumpf neu dazugekauft ganze 13 Cent. Bei Bügelflaschen, für die 15 Cent Pfand genommen wird, sind es gar 50 Cent, die diese im Einkauf kostet. Und bei den Kisten, die 1,50 Euro Pfand einbringen, müssen schon 5-6 Euro pro Kiste bei der Neuanschaffung hingeblättert werden.

Selbst die, die in Mathe nie ein Käpsele waren (so wie ich), erkennen hier, dieses Geschäft kann für die Brauerei nicht aufgehen. Zumal gegenwärtig der Trend wieder hin zur Glasflasche und weg von der PET Einwegflasche geht. Was heißt, es werden wieder mehr Glasflaschen geordert, wo vorher der Absatz für die Glashütten eher immer weniger wurde. Nun müssen sich diese Betriebe erst wieder auf höhere Bestellungen der Brauereien umstellen, was alles Zeit kostet. Daher kommt es schon zu Lieferengpässen bei der Nachbestellung neuer Bierflaschen, denn nicht nur die Glashütten haben hier ein Problem, schnell genug auf die gestiegene Nachfrage ihrer Produkte zu reagieren, auch bei den Speditionen, die diese von A nach B bringen sollen, herrscht nach wie vor ein mittlerweile chronischer Fachkräftemangel. Alles also nicht so einfach, wie beim Genuss des Feierabendbiers noch gedacht.

Nun stellt sich die Frage, wie sich die Sache gestalten würde, würde das Flaschenpfand für Mehrwegflaschen nach einigen Jahrzehnten nun endlich angehoben werden. Denn für 20 Flaschen Bier samt Kiste sind gegenwärtig gerade mal 3.10 Euro fällig. Rein rechnerisch schaut da noch nicht mal die Fahrt zum Getränkeladen raus. Aber es ist doch auch recht angenehm, wenn der Platz im Keller wieder frei ist und sogleich eine neue, volle Kiste dasteht. Anders sieht das bei diesen neuerdings so modernen Kleingebinden aus.

Diese Flaschen finden noch seltener den Heimweg in die Brauerei und landen stattdessen oft im Glascontainer, da sie lose irgendwo im Haus herumfahren und immer dann umfallen, wenn es am wenigsten angebracht ist. Oder direkt dort liegengelassen werden, wo sie konsumiert wurden. Würde nun aber so eine nervige Bierflasche 25 Cent Pfand bringen, so könnte der Ein oder Andere doch mit der Rückgabe des Teiles im Flaschenautomat liebäugeln.

Andere Getränkehersteller haben das selbe Problem

Natürlich betrifft das Ganze auch die Sprudelwasser Trinker, denn Sprudelflaschen sind davon ebenfalls betroffen. Auch hier geht -glücklicherweise- der Trend wieder weg vom Einweg zum Mehrwegsystem, oder gar zum Selbstaufsprudeln. In den letzten Jahren wurden immer mehr Einwegflaschen produziert, sie kosten immerhin 25 Cent Pfand und daher scheint es sich auch eher zu lohnen, mit federleichten Säcken voller Einwegflaschen zum Getränkehändler zu pilgern. Aber Einwegflaschen belasten in mehrfacher Sicht unsere Umwelt und das Klima.

Sie verbrauchen bei der Produktion, dem Versand und auch der Entsorgung wesentlich mehr Energie, als Mehrwegflaschen auch wenn bedacht wird, dass diese zur Sortierung geschickt werden müssen. Zu dem verursacht dieses Plastik jede Menge Müll, denn mittlerweile enthalten diese Flaschen vielerlei Plastiksorten, dass es mit dem Recycling sehr schwer wird.

Wen das noch nicht überzeugt, Plastikflaschen geben nach gewisser Zeit giftige Stoffe ab. Natürlich sehen Institute, die diese für die PET Flaschen verwendeten Kunststoffe untersuchen, immer nur ihre Richtwerte, die diese Flaschen erfüllen müssen. Doch auch die Kunststoffe dieser Flaschen beherbergen jede Menge Stoffe, die zwar in diesen geringen Mengen ungefährlich für den menschlichen Organismus sind, allerdings wird hier nicht mitgerechnet, wie viele andere als unbedenklich geltende Stoffe wir Verbraucher sonst noch täglich, meist unbemerkt, konsumieren. Und schon nehmen wir Giftstoffe in Mengen auf, die jenseits des einmal als unbedenklich erklärten Richtwerts liegen, und so macht auch hier die Menge das Gift. Also ist Glas auf jeden Fall immer Plastik vorzuziehen.

Als Sofortmaßnahme gegen die Flaschenknappheit und um eine Sprudel- und vor allem natürlich eine Bierknappheit in den heißen Sommermonaten, wo natürlich mehr getrunken wird, abzuwenden, wäre es doch ratsam, erst mal im Keller und der Vorratskammer nach Bier- und Sprudelflaschen und Kisten zu fahnden und diese zum Getränkehändler des Vertrauens zurückzubringen.

Was noch getan werden kann, ist, beim Bierkauf darauf zu achten, dass die Flaschen, die erworben werden, möglichst einfach gehalten sind, so wird diesem unsinnige Trend, dass es bei einer Bierflasche auf das Design ankommt, Einhalt geboten und es wird wieder mehr Wert auf den Inhalt als auf die Verpackung gelegt.

Eure Andrea