Stadtleben

Buchsbaumzünsler

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Buchsbaumzünsler
Die Buchsbaumdezimierer

Buchsbaumzünsler

Eigentlich sind es sehr hübsche grüne Räupchen mit schwarzen Punkten und auch der daraus entstehende schwarzweiße Falter ist wirklich schön anzusehen. Aber die Schäden, die er verursacht, sind nun auch hier in Geislingen nicht mehr zu übersehen.

In den letzten drei Jahren hat der städtische Bauhof alles unternommen, um dem Buchsbaumzünsler Einhalt zu gebieten und die vorhandenen Buchsbestände zu retten, was nicht immer gelang. Viele Pflanzen mußten schon entsorgt werden, da der Zünsler ihnen den Gar ausgemacht hatte. Und auch nicht alle Geislinger Buchsbesitzer haben mitgezogen und ihre befallenen Pflanzen behandelt.

So kam es, dass der kleine weiße Falter sich nun auf dem vermeindlichen Siegeszug befindet und die Stadt Geislingen beschlossen hat, sich von allen befallenen Buchsbäumen zu trennen. Besonders in den Bronnwiesen, wo viele Buchspflanzen stehen, wurde die letzten Jahre mit Pheromonfallen und einem biologischen Fraßgift, das nur für Raupen tödlich ist, gearbeitet. Doch nun ist der Punkt erreicht, wo die städtischen Buchspflanzen so stark geschädigt sind und auch eine Weiterbehandlung einfach zu kostspielig wäre.

Dabei könnte der ursprünglich aus Ostasien stammende und durch Pflanzenimporte eingeschleppte Zünsler, der Anfang des 21. Jahrhundert hier zum ersten Mal gesichtet wurde und nun als invasive Spezies unter uns lebt, für viele unserer heimischen Vogelarten eine willkommene Bereicherung ihres Speiseplans sein. Durch die Ausrottung einiger Insektenarten ist die Aufzucht der Jungtiere immer schwieriger.

Aber da hat der fiese, kleine Kerl vorgesorgt, er schmeckt wohl sehr unattraktiv, ja sogar bitter und hat gemeinerweise zu dem noch Giftstoffe des Buchsbaumes im Körper einlagert. Das hat unseren heimischen Vogelarten anfangs gar nicht behagt, jedoch wurden neuerdings Singvögel, einige Sperlingarten und auch Meisen beobachtet, wie sie den Zünsler eingesammelt und an die Jungschar verfüttert haben. Wie die Kleinen dieses Mahl vertragen haben, ist leider noch nicht bekannt, aber er wurde wohl von den Elterntieren gekostet und als essbar eingestuft.

Dennoch muß bedacht werden, dass der Genuss des Zünslers vielleicht für Elterntiere noch verträglich ist, bei den jungen Vögeln aber doch zu Schäden führen kann. Wie sich der Genuß dieses neuen Insekts auf die Vogelpopulation auswirkt, bleibt also abzuwarten. Der Bauhof der Stadt Geislingen wird nun aber alle Buchsarten, die durch den Zünsler geschädigt wurden, entfernen. Seltsamerweise mögen die Zünsler nicht alle Buchsarten. Großblättriger Buchs wurde bislang eisern verschmäht. Aber wenn erst alle wohlschmeckenden Pflanzen aus dem Stadtgebiet weg sind, kann es gut sein, dass der Schädling auch auf andere Arten umsteigt, denn der Hunger treibt es bekanntlich rein, auch wenn es nicht so schmeckt.

Beim Entfernen der Buchsbäume wird natürlich darauf geachtet, dass keine brütenden Vögel gestört werden, solche, die als Nistplatz dienen, werden dann erst im Herbst herausgenommen. Natürlich wird unsere schöne Stadt dann nicht kahl zurück bleiben, der Bauhof hat schon Alternativen für den Buchs gefunden, wie die Zwergkiefer mit dem drolligen Namen Piccobello, Thuja oder Gold Wacholder und Muschelzypressen sollen nun den Buchs ersetzen und für Abwechslung in der Begrünung sorgen. Auch eine Eibenart ohne Beeren, die vor allem für Kinder sehr verlockend aussehen, doch äußerst giftig sind, sollen im Stadtgebiet gepflanzt werden.

So kann aus einem vermeidlichen Desaster doch etwas neues, vielleicht sogar Besseres entstehen. Der Zünsler jedenfalls wird es im nächsten Jahr sehr schwer haben, noch Nahrung in Geislingen zu finden und so wird sein Gastspiel hier auch hoffentlich bald zu Ende sein. Wie man aus den Gebieten, wie der Schweiz und Bayern, wo der Zünsler zuerst zugeschlagen hatte, erfährt, war das Entfernen der Buchsbäume die richtige Entscheidung, denn der Zünsler fand in den darauffolgenden Jahren immer weniger Nahrung und konnte daher auch mit Hilfe der auf den Geschmack gekommenen gefiederten Freunde gut eingedämmt werden. Und wer weiß, vielleicht kann der Buchs dann auch eines Tages wieder hier in Geislingen gedeihen.