Stadtleben

Corona zum Nachdenken

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Corona zum Nachdenken

Geislinger Apotheker Dr. Welte klärt auf

Eigentlich wollte ich in dieser Ausgabe unseres KOI ´s nichts zur allgegenwärtigen Corona–Diskussion beitragen – denn uns allen muss bewusst sein: was heute zu Corona geschrieben wird, kann bei der Drucklegung dieses Artikels morgen schon überholt sein, weil uns die neuen Erkenntnisse einfach überrollen. Deshalb ist es äußerst wichtig, dass wir uns täglich informieren: Internet, Radio, TV und Tageszeitung bieten uns dazu die besten Möglichkeiten.

Und dennoch gibt mir dieser Artikel Gelegenheit, gerade junge Menschen zu sensibilisieren und zu bitten, durch ihr eigenes Verhalten einen Beitrag dazu zu leisten, dass wir (hoffentlich) alle diese Herausforderung gesund überstehen. Denn Covid-19, wie diese Krankheit offiziell heißt, ausgelöst durch das Virus Sars-CoV-2, betrifft uns alle!

Den einen mehr, den anderen weniger, den Dritten tödlich.

Erinnern wir uns: China war der Ausgangspunkt der Krankheit. Die Ärzte aus Wuhan, die zuerst vor dieser Krankheit gewarnt hatte, wurden sofort mundtot gemacht. Die dortigen Behörden haben anfangs vertuscht bis zum geht nicht mehr. Medizinische Nachweise mussten vernichtet werden. Jetzt wird von dort verbreitet, bei der Virus-Bekämpfung sollte sich die Welt an China ein Beispiel nehmen!! Was soll man dieser Staatsführung glauben??

Meldungen überstürzen sich aus Ländern, von denen man lange nichts gehört hat, wie zum Beispiel aus Frankreich oder England. Man wundert sich, warum das so ist. Und Amerika??? —- Donald Duck würde man es vielleicht abnehmen, dass er Corona besiegt hätte, aber Donald Trump??? — Amerika als scheinbar reichste Nation der Welt hat nach Überzeugung ihres Präsidenten das beste Gesundheitssystem aller Länder — mit ca. 30 % nicht sozialversicherten Menschen!! Diese sind wohl gegen Corona immun? – Nein!! Nur für sie wären Tests und Behandlungen zu teuer. Solche Lügen kann man nur in die Welt setzen, wenn man nach der Überzeugung verfährt: America first! Jeder ist sich selbst der Nächste.

Laut einer Feststellung der amerikanischen Notenbank (FED) haben jedoch 40% der Amerikaner Probleme, im Notfall kurzfristig 400 Dollar aufzubringen. Wir werden sehen, wie sich die Krankheit dort noch entwickelt. Verzicht ist zum Unwort geworden in unserer heutigen Überfluss-Gesellschaft. Das sah man jetzt auch an verständnislosen Kommentaren von Kreuzfahrern in der Karibik, am Wehklagen von Fußball-Vereins-Bossen über ihre entgangenen Einnahmen.

Man sah es auch am Verhalten vieler Leute, die trotz behördlicher Empfehlung dem geselligen Zusammensein frönen. In diesem Zusammenhang möchte ich einen Internet-Joke zitieren, der gut zu diesem Verhalten passt: „Die beste Waffe gegen das Corona Virus ist der gesunde Menschenverstand – doch wir sind verloren – viele von uns sind unbewaffnet!“

Schon Ende Januar hatte ich viele junge Leute- aber auch ältere Semester – gefragt, ob sie schon mal was von der Spanischen Grippe gehört hätten? Eine erschreckende Mehrzahl beantwortete diese Frage mit „NEIN“. Erst in letzter Zeit kann man wieder etwas über diese Krankheit hören, die in den Jahren 1918 / 1920 über 50 Millionen (50.000.000)! Menschenleben gefordert hat. Dagegen nehmen sich die 17 Millionen Toten des ersten Weltkrieges fast harmlos aus.

Das öffentliche Leben wurde damals nicht beschnitten, waren doch die Entbehrungen des Weltkrieges noch so nah. Doch eine Begebenheit von damals sollte auch die Sorglosen unter uns zum Nachdenken anregen: trotz offizieller Warnungen fand in der US Stadt Philadelphia am 18. Sept. 1918 eine große Siegesparade mit 200 000 dicht gedrängt stehenden Menschen statt. Wenige Tage später platzten die Krankenhäuser aus allen Nähten, weil sich 45 000 Menschen infiziert hatten. Mehr als 12 000 von ihnen starben in den nächsten Wochen an der Grippe.

In St. Louis dagegen wurde schon vor dem ersten Fall auf die Gefahr von großen Menschenansammlungen aufmerksam gemacht und gewarnt, Schulen, Kinos, Kirchen wurden geschlossen, öffentliche Veranstaltungen wurden untersagt. Dadurch verteilte sich die Zahl der Infektionen über einen längeren Zeitraum – die Patienten konnten besser behandelt werden – und nur 700 Patienten starben in St. Louis an der Grippe.

Lernen wir doch aus der Geschichte!!!!! Sie wiederholt sich heute nicht anders, wenn wir nicht vernünftig werden.

Wir alle müssen jetzt versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren, denn diese jetzige Herausforderung wird nicht die letzte bleiben. Auch ein Impfstoff lässt noch auf sich warten. Jedes Virus mutiert und kann uns im nächsten Jahr aufs Neue überraschen. – Nur sollten wir bis dahin wieder aus den jetzt gemachten Erfahrungen gelernt haben.

Titelbild: I. Zakharevich | 123RF.com