Stadtleben

Das Mordloch

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Das Mordloch
Der Geislinger Untergrund

Das Mordloch

Wir werden in den nächsten Ausgaben ein wenig die Katakomben bzw. den Geislinger Untergrund durchleuchten und fangen mit der viertgrößten Höhle Baden-Württembergs an. Dem berühmten Mordloch!

Das Mordloch erhielt seinen Namen naheliegenderweise durch einen legendären Mord. Davon erzählt folgende lokale Sage: Vor etlichen hundert Jahren hat ein Wilderer in der Nacht den Eybacher Schloßförster ermordet, der ihn beim Wildern ertappt hatte. Er versteckte die Leiche in jener gesagten Höhle. Doch der treue Hund des Försters vermisste seinen Herrn, suchte ihn und fand ihn dort. Daraufhin erhielt das Mordloch seinen Namen. Der Mörder stürzte etwas später am Ravensteiner Fels ab und wurde dabei tödlich verletzt. Auf dem Sterbebett bekannte er seine Tat. Soviel zur Sage.

Das Mordloch ist mit einer Gesamtlänge von 4.320 m die zweitlängste Höhle der Schwäbischen Alb. Der Eingang liegt etwa 1.200 m oberhalb der Oberen Roggenmühle. Seit Jahrzehnten wurde das Mordloch immer wieder erforscht, neue Gänge entdeckt und vermessen. Man stellte dabei ein unübersehbares Labyrinth von Gängen, Kriechstellen, Hallen und Seen von unterschiedlicher Größe fest. Das Mordloch ist eine ausgeprägte Ganghöhle, eine Horizontalhöhle die im Wesentlichen aus zwei Gängen besteht. Sie trennen sich nicht weit hinter dem Eingang in der Betahalle. Die Gänge sind ganz außergewöhnlich stark am lokalen Klutnetz angelegt, so dass die Gänge abwechselnd Nord-Süd und Ost-West verlaufen. Im gesamten Höhlenverlauf kommt es nur wenige Male zu eher kleinräumigen Verbreiterungen, lediglich die Gammahalle, an der sich die beiden Hauptgänge treffen, weist etwas größere Dimensionen auf. Typisch sind linsenförmige Korrosionsprofile sowie rechteckige Versturzprofile.

Eine ganz wichtige Besonderheit des Mordlochs ist seine Wasserführung. Der größte Teil der Höhle führt ganzjährig Wasser, lediglich der Eingangsbereich, etwa 70m bis zum ersten Syphon fällt in trockeneren Jahreszeiten trocken. Dies ist auch der einzige Höhlenteil, der während dieser Trockenzeiten gefahrlos befahren werden kann. Der Rest der Höhle ist ausschließlich erfahrenen Höhlenforschern vorbehalten. Und das sind immerhin weit über vier Kilometer, was die Höhle zwar noch nicht zur Großhöhle macht, aber immerhin zur zweitlängsten der Schwäbischen Alb. Dass mit dem Wasser des Mordlochs nicht zu spaßen ist, erfuhren 1977 vier Sporttaucher, die in der Höhle vom Hochwasser eingeschlossen wurden. Engstellen im Höhlengang stauen das Wasser und führen bei Schneeschmelze und nach Gewittern zu einem raschen Ansteigen des Wassers in der Höhle. Glücklicherweise konnten sich die Eingeschlossenen in die Gammahalle retten, die von der Betahalle steil nach oben führt. Dieser Höhlenteil wird nicht geflutet, und so waren die Eingeschlossenen wenigstens vor dem Ertrinken gerettet. Es sei deshalb noch mal eindringlich vor den Gefahren des Mordlochs gewarnt. Nur die ersten Meter bis zum ersten Syphon können gefahrlos befahren werden, auch wenn man dafür häufig Gummistiefel benötigt. Der ganze Rest der Höhle ist nur für erfahrene Höhlenforscher. Schon das Durchtauchen des ersten Syphons ohne entsprechende Ausrüstung und Ausbildung ist hochgradig lebensgefährlich.

Etwas enttäuscht ist man vielleicht, wenn man vor dem Mordloch im Roggental steht. Nichts deutet darauf hin, dass man sich hier am Eingang einer der längsten und interessantesten Höhlen der Schwäbischen Alb befindet. Es ist für normal Sterbliche nicht einmal möglich, einige Meter in die Höhle hineinzugehen. Das Mordloch gilt als die zweitlängste Höhle der Schwäbischen Alb. Es ist eine aktive Klufthöhle. Die längste Höhle der Schwäbischen Alb ist die Wulfbachquellhöhle im Oberen Donautal.

Neugier und wissenschaftliche Erkenntnis treiben die Forscher in die Tiefe. Das “Mordloch” ist eine der größten Wasserhöhlen der Schwäbischen Alb und bietet immer neue geologische Sensationen. Bei ihrer Erforschung seit 1963 hat sich herausgestellt, dass es viel größer ist, als ursprünglich angenommen wurde. Forscher vermuten, dass das “Mordloch” die einzige große Höhle ist, die sich über drei übereinanderliegende Gesteinsformationen erstreckt.