Stadtleben

Der Bart

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Der Bart
Der Sauerkohl im Gesicht…

Der Bart

Der Bart war und ist bis heute der Inbegriff von Männlichkeit und Durchsetzungsvermögen, schließlich ist Testosteron (unter anderem) der „Dünger“, der hier das Wachstum reguliert. (Praktisch für die bildliche Gestaltung dieses Berichtes ist es einen Kollegen mit mehr als genug Bartwuchs zu haben, der täglich verschiedene Bartvariationen würdevoll  präsentieren kann und abends dann wieder mit einem Vollbart bestückt ist.) 

Der Weihnachtsmann ohne weißen Rauschebart? Kann man sich kaum vorstellen. Auch sonst ist der Sauerkohl im Gesicht kaum noch wegzudenken aus der Gesellschaft. Ich sitze hier gerade in einem Geislinger Café mit dem Rechner und schaue mir die männlichen Menschen an, kaum einer ist glatt rasiert. “Oben ohne” trägt Mann schon lange nicht mehr. Inzwischen sind Männer ohne Bart ja fast schon so etwas wie Exoten. Liegt es etwa am Hipstertum, dass die Gesichtsbehaarung aus dem Straßenbild einfach nicht mehr wegzudenken ist? Oder wollen alle Männer auf Biegen und Brechen so sexy aussehen wie Holzfäller, damit alle Frauen ihnen kreischend hinterher rennen? Ganz und gar nicht. Denn reihenweise Bärte bekam man auch schon Jahrzehnte und Jahrhunderte vor dem Auftauchen des ersten Hipsters zu Gesicht. Es muss also etwas anderes dahinterstecken.  

Da gibt es mehrere sehr interessante Ansatzpunkte: Ihre Entwicklung sei vermutlich nicht dadurch begünstigt worden, dass Frauen so sehr auf die Gesichtsbehaarung anspringen würden. Vielmehr seien Bärte ein “Männerding”. Damit unterstreiche ein Mann nämlich seine Stellung gegenüber anderen Männern. Aus evolutionsbiologischer Sicht könne Dominanz wichtig für den Fortpflanzungserfolg sein. Denn um bei einem potenziellen Partner landen zu können, reiche Attraktivität nicht aus. Man befinde sich nämlich in einer ständigen Konkurrenzsituation mit dem eigenen Geschlecht, sodass man versuchen müsse, sich von der Masse irgendwie abzuheben. Ansonsten würden die Chancen, sein Erbmaterial weitergeben zu können, sinken. Unterstrichen wird dies durch eine frühere Studie zwischen 1842 und 1971 die sich mit der Abhängigkeit vom Verhältnis von Männern zu Frauen auf dem Heiratsmarkt beschäftigte. Es stellte sich heraus: Sobald es mehr Single-Männer als –Frauen gab, tauchten Bärte und Schnauzer wieder aus der Versenkung auf. In vielen Kulturen diente der Bart als Erkennungszeichen für Priester oder Könige. So unterschieden sich die ägyptischen Pharaonen von ihren Untertanen neben ihrer herrschaftlichen Kleidung vor allem durch einen blau gefärbten Bart. Der Bart war zu allen Zeiten ein viriles Dominanzzeichen. Das legt den Schluss nahe, dass Gesichtsbehaarung als Merkmal diente, um den Feind einzuschüchtern und um noch stärker und größer zu wirken als ohnehin. Die Männchen zeigen damit, dass sie in der Lage sind, das Weibchen zu beschützen. Parallelen finden sich im Tierreich, zum Beispiel bei den männlichen Löwen mit ihrer eindrucksvollen Mähne, aber auch bei den Menschenaffen. Sie wirken durch extensiven Haarwuchs noch größer, als sie sind. Begehrenswerte Frauen hingegen erscheinen zierlich und schutzbedürftig. Sie mussten dem Kindchen-Schema entsprechen; da sind zu viele Haare am Körper kontraproduktiv.

Die Wikinger wurden oft als Gestalten mit wildem Bartwuchs beschrieben, um ihre Gefährlichkeit zu untermauern. Und warum heißt es wohl in dem alten Volkslied: »Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein«? Noch heute erkennt man an ihrem langen Bart Rabbis, orthodoxe Priester und Mullahs im Islam. In den alten Religionen ist der Bart das Symbol für das Patriarchat schlechthin. Moderner Prototyp ist der Weihnachtsmann, der mit seinem weißen, langen Rauschebart großväterliche Güte und männliche Autorität verkörpert.

Nun ist die Evolution eine Gesetzmäßigkeit, die darin besteht, dass sich die besser an die Umwelt angepasste Art im Laufe der Zeit durchsetzt. In diesem Rahmen liegt die Antwort auf die Frage, warum Männer Bart haben, relativ nahe, denn Bartträger wurden bereits in grauer Vorzeit von den Damen aufgrund ihrer Dominanz bevorzugt. Bärte gelten als Zeichen der Männlichkeit. Sie verstecken Emotionen, spenden Wärme in kalten Tagen und schützen die Haut vor äußeren Einwirkungen. Nun haben Forscher herausgefunden, dass Bärte eine spezielle Wirkung auf andere Menschen haben. Bartträger werden schneller als wütend wahrgenommen als Menschen ohne Bart. 

Australische Forscher haben in einem Studie, die in der April-Ausgabe der Fachzeitschrift „Psychological Science“ veröffentlicht wurde, herausgefunden, welche Wirkung Bärte auf soziale Interaktionen haben könnten. In einem Experiment wurden 227 Teilnehmern eine Reihe von Fotos gezeigt. So schnell sie konnten, sollten sie entscheiden, ob das Gesicht Freude oder Aggression signalisiert. Die Fotos zeigten glückliche und aggressive Gesichter — mit Bart und ohne Bart. Um Fehlerquellen auszuschließen, zeigten die vier Fotos jeweils denselben Mann: „Das schloss den Einfluss von möglichen systematischen Gesichtsstrukturen oder Unterschieden im Gesichtsausdruck zwischen Männern, die einen Bart haben und jenen, die glatt rasiert sind, aus“, heißt es in der Studie. Die wütenden, bärtigen Gesichter stachen dabei heraus: Die Teilnehmer ordneten diese schneller der aggressiven Kategorie zu, als alle anderen Fotos. Daraus lässt sich schließen, dass Bärte womöglich visuelle Hinweise verstärken, die mit Wut assoziiert werden, so die Forscher. Bartträger zeigen in diesem Bereich also mehr Präsenz. Außerdem wurden glattrasierte Männer schneller als fröhlich erkannt, als die vollbärtigen. 

Männer mit Bart werden als sozialer eingestuft 

Um ein generell negatives Vorurteil gegenüber Bartträgern auszuschließen, führten die Forscher eine Folgestudie durch. Sie führten dasselbe Experiment noch einmal durch, mit dem kleinen Unterschied, dass die wütenden Gesichter durch traurige Gesichter ausgetauscht wurden. Würden die traurigen bärtigen Gesichter ähnlich schnell erkannt werden, wie die wütenden, so gebe es vielleicht ein Vorurteil, so die Wissenschaftler. Das Gegenteil war der Fall: „Die Teilnehmer erkannten traurige Gesichtsausdrücke bei Bartträgern nicht so schnell wie bei glattrasierten Männern. Das weist darauf hin, dass der Erkennungsvorteil für bärtige Gesichter aus dem ersten Experiment nicht für alle negativen Emotionen gilt“, so die Forscher. 

Der Effekt scheint also auf Wut limitiert zu sein. 

In einem dritten Experiment konzentrierten sich die Forscher auf soziale Vorteile. Würden die 450 Teilnehmer Bartträger in den Eigenschaften Männlichkeit, Aggressivität und Prosozialität besser bewerten als Bartlose? Natürlich wurden die Männer mit Bärten als männlicher und aggressiver eingestuft — zur Überraschung der Forscher jedoch auch als sozialer. Die bärtigen fröhlichen Gesichter wurden als sozialer bewertet als die fröhlichen rasierten Gesichter.  In Verbindung mit der stärkeren Präsenz bei Aggressionen scheint das Lächeln von Bartträgen also umso wärmer zu wirken. 

 Was wir über Bärte wissen – und was nicht 

Charles Darwin war vom männlichen Gesichtshaar fasziniert. “Es scheint, als sei der Bart für unsere affenähnlichen Vorfahren ein Ornament gewesen, mit dem die Männchen versuchten, die Weibchen zu bezaubern oder zu erregen”, schrieb der Evolutionsbiologe in “Die Abstammung des Menschen” (1871). Er wusste aber aus Berichten, dass der Bartwuchs der Männer weltweit sehr verschieden ausfällt. “Bei den Einheimischen Ceylons fehlen sie häufig”, schrieb er. “Jenseits von Indien verschwinden Bärte, zum Beispiel bei den Siamesen, Malaien, Kalmücken, Chinesen und Japanern. Dagegen sind die Ainos, die auf den nördlichsten Inseln des japanischen Archipels leben, die haarigsten Männer der Welt.” Wie kamen diese Unterschiede zu Stande? Darwin spekulierte, dass sie die Konsequenz einer sexuellen Auslese sein mussten. Frauen in verschiedenen Teilen der Welt mussten Bärte unterschiedlich attraktiv finden. Nur so konnten sich unterschiedliche Bartstärken über viele Generation entwickeln. Dass Hormone den Bartwuchs steuern, zeigte sich erst 80 Jahre später.  

Die Zwillingsstudien von James B. Hamilton aus dem Jahr 1958 legten nahe, dass die Gene in den Zellen der Gesichtshaut eine große Rolle spielen mussten. Für seine Experimente verglich der Anatom von der State University of New York (weiße) Zwillinge und Brüderpaare aus den USA sowie Japaner. Er rasierte alle Männer, wartete 24 Stunden, rasierte sie noch mal und wog dann die Stoppeln. Das Ergebnis: Wie erwartet hatten die Japaner insgesamt sehr viel schwächeren Bartwuchs als die Amerikaner. In beiden Kulturen aber hatten eineiige Zwillinge nahezu identischen Bartwuchs, sowohl in der Menge, der Dichte als auch der Verteilung der Barthaare. Unter nicht identischen Zwillingen und Brüderpaaren waren diese Barteigenschaften dagegen sehr viel variabler. Aus diesen Beobachtungen schloss Hamilton, “dass genetische Faktoren einen viel stärkeren Einfluss” auf den Bartwuchs haben “als die Konzentration von männlichen Geschlechtshormonen im Blut”.  

 Drei-Tage-Bart 

Der Drei-Tage-Bart besitzt den Ruf, vor allem von Männern getragen zu werden, die vor lauter Abenteuerlust keine Zeit zum Rasieren finden. Dementsprechend wird er von Abenteurern, Rebellen und Non-Konformisten getragen.  

Vollbart 

Mysteriös und undurchschaubar – so lässt der klassische Vollbart seinen Träger wirken. Er verleiht außerdem eine wilde, geheimnisvolle Optik, die an Holzfäller und Naturburschen erinnert. Unter den Bartträgern steht er für echte Männlichkeit.  

Henriquatre 

Der Henriquatre ist besonders gut bei einer kantigen Gesichtskontur geeignet, da er runde Formen optisch eher verstärkt. Seinen Namen verdankt er dem französischen König Heinrich IV, wobei er gerne auch als “Rund-um-den-Mund”-Bart bezeichnet wird.  

Oberlippenbart – Der Bart für die ganz Mutigen. 

Der Bart mit 1000 Namen und Facetten. Der Oberlippenbart trägt viele Namen: Man bezeichnet ihn als edlen Moustache, neutral als Schnurrbart, aber bisweilen auch mal als Rotzbremse.  

Soul Patch 

Der Soul Patch ist ein spitzer Kinnbart direkt unterhalb der Unterlippe. Er wird in der Form eines nach unten zulaufenden Dreiecks gehalten und wirkt besonders stark, wenn der Rest des Gesichts glatt rasiert wird. Seinem Träger verleiht der Soul Patch Persönlichkeit, lässt ihn besonders smart und dadurch anziehend wirken. 

Rap Industry Standard 

Der Rap Industry Standard – kurz RIS – gehört durchaus zu den zeitaufwendigen und pflegebedürftigen Barttypen. Dafür ist dieser Bart absolut charismatisch und steht für ein starkes Selbstbewusstsein 

Backenbart 

Der Backenbart eignet sich nicht für jeden, sondern nur für echte Kerle, die seinem Image gerecht werden: der Herrschaft würdig, wild, ein echter Blickfang. Nur das Kinn und der Hals werden rasiert, um einen Backenbart stehen zu lassen. Er wirkt besonders stark und lässt seinen Träger definitiv auffallen. 

Koteletten 

Die klassischen Koteletten haben ein Rock ’n’ Roll-Image. Dabei werden nur an den Schläfen Haare stehen gelassen. Ihr Träger kann selbst entscheiden, ob er lieber schmale oder etwas breitere Streifen bevorzugt.  

 

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