Stadtleben

Der Blitzer

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Der Blitzer

Nach Corona Gesprächsthema Nummer 2

Was wird über diesen Blitzer nicht alles geredet und philosophiert. Es gibt sogar Chats in den sozialen Medien, die auf den momentanen Standort des portablen Blitzdingsbumses hinweisen.

Rätsche Geislingen - Livestream

Der Geislinger Blitzer ist seit Anfang März 2020 im Einsatz und sorgt also seit nunmehr zwei Monaten für Recht und Ordnung. Wer ihn noch nicht gesehen hat – es handelt sich dabei um einen diebstahl- und vandalismussicheren Blitzer-Anhänger. Im Herbst 2019 hatte der Gemeinderat die Anschaffung für knapp 170.000 Euro beschlossen. Das ist natürlich eine ganze Stange Geld und der ein oder andere Bewohner wüsste sicher einige Möglichkeiten, das Steuergeld aus seiner Sicht besser einzusetzen. Allerdings geht die Stadt davon aus, dass sich das Gerät inklusive Wartungskosten in zirka ein bis zwei Jahren amortisiert hat – und dann hört der Blitzerei ja nicht auf! Allerdings wird das Blitzgerät nicht als Gelddruckmaschine gesehen – weniger Raserei, weniger Unfälle und ein geringerer Lärmpegel sind das Ziel.

Eines der Hauptziele ist die Überwachung von vielbefahrenen Straßenabschnitten mit Tempo 50 am Tag und Tempo 30 aus Lärmschutzgründen in der Nacht. Diese abwechselnden Geschwindigkeiten kann der Trailer aufgrund seiner technischen Ausstattung sehr gut überwachen. „Darüber hinaus kommen wir mit dem Blitzer der Aufforderung vieler Bürgerinnen und Bürger nach, an verschiedenen Stellen „auch mal länger“ oder „auch mal am Wochenende“ die Geschwindigkeit zu überwachen sowie die Einhaltung der Geschwindigkeit an kritischen Stellen wie Spielstraßen, Tempo-30-Zonen, Straßen in Wohngebieten, Durchgangsstraßen in den Stadtbezirken zu überwachen. Natürlich gibt es Personen, die sich über den neuen Blitzer aufregen, aber wir erhalten momentan auch sehr viel positives Feedback. Endlich überwachen wir mal die Geschwindigkeit an Stellen, wo zuvor kein Blitzer stand“, so Christiane Wehnert von der Stadt Geislingen.

Der mobile Hochsicherheitsblitzer kann Dank acht Akkus mehrere Tage vollautonom am Straßenrand arbeiten, ohne dass ein Mitarbeiter der Stadt oder sonst wer sich darum kümmern muss. Natürlich sind vor allem die mobilen Eigenschaften schlecht für die Raser …

Stahlabdeckung

Die Stahlabdeckung verhindert, dass genervte Autofahrer an das Innere gelangen. Hinter der Heckklappe und dem Panzerglas befindet sich dann auch schon der gefürchtete Blitzer … Und wer daran gedacht hat, das Gerät abzufackeln – viele dieser Blitzer verfügen über Pulverlöschanlagen … Wenn ein Feuer ausbrechen sollte oder es außen rum zu heiß werden sollte, dann löst sich die Löschanlage aus und bedeckt und bestaubt alles innendrin mit kleinen Kügelchen. Im Anschluss wird die Maschine kinderleicht wieder gereinigt, die Kügelchen abgesaugt und weiter geht’s.

Der Blitzer breitet einen Laserteppich auf der Straße aus und erfasst somit alle Fahrtzeuge auf den unterschiedlichen Spuren. Neben der erhöhten Geschwindigkeit erkennt das Gerät auch, wenn LKWs auf einer Spur unterwegs sind, die für sie eigentlich zu klein ist. (Anmerkung Frank Dehmer: In Geislingen allerdings nicht relevant.)

Auch dann gibt’s ein Foto. Die Blitzer sind übrigens auch schusssicher, was für den deutschen Raum jetzt nicht sonderlich oft bewiesen werden muss. In Frankreich allerdings wird sehr häufig auf Blitzer geschossen.

Beschränkungen der maximal erlaubten Geschwindigkeit existierten bereits im Jahr 1860. Damals waren 3 km/h erlaubt. Ob diese auch eingehalten wurden, kontrollierte ein Mann mit einer weißen Flagge. 1896 wurde der erste Strafzettel aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung ausgestellt: Ein Fahrer aus England war mit 13 km/h unterwegs gewesen und hatte die Höchstgeschwindigkeit demnach um 10 km/h überschritten. Später wurde ein Tempolimit von 23 km/h eingeführt, die weiße Flagge wurde ebenfalls abgeschafft. Es gab dann zwei Polizisten, die sich verkleideten und mit jeweils einer Stoppuhr ausgestattet auf der Lauer lagen, um Raser zu erwischen. Ab 1905 wurde dann erstmals geblitzt: Auf einem bestimmten Abschnitt der Straße wurden an zwei Standpunkten Fotoaufnahmen von den Temposündern gemacht. Diese enthielten die jeweilige Zeitangabe, wann der betroffene Fahrer den ersten und wann er den zweiten Punkt passiert hatte. So konnte die gefahrene Geschwindigkeit ermittelt werden. Auch damals schon suchten die Menschen nach Mitteln und Wegen, um gegen die unliebsamen Blitzer vorzugehen. Der Britische Autofahrer Club (Auto-mobile Association) beispielsweise engagierte Radfahrer, welche die Mitglieder des Clubs warnen sollten, wenn Kontrollen durchgeführt wurden. Nachdem dies verboten wurde, musste eine neue Möglichkeit her. Also grüßten die Fahrradfahrer ab diesem Zeitpunkt jedes Mitglied des Clubs, was ein Zeichen dafür war, dass mit keiner Messung zu rechnen war. Grüßten sie nicht, konnte von einem am Straßenrand platzierten Blitzer ausgegangen werden.

Immer mehr Verkehrstote

Nachdem es jedoch immer mehr Verkehrstote gab (1955 waren es knapp 15.000) und die Autos immer schneller wurden, kam es im Jahr 1957 zur Einführung der Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften. Dies sollte für mehr Sicherheit im Verkehr sorgen. Ein besonders dunkler Tag für die Raser war dann schließlich der 15. Februar 1959, der als Tag in die Geschichte einging, an dem erstmalig ein mobiler Blitzer eingesetzt wurde. Die Apparatur der Firma Telefunken bestand aus einem Kasten von der Größe eines Fernsehers und einer Kamera mit Blitz, die mittels Dreibein-Stativ aufgestellt wurde. Der Kasten sendete elektromagnetische Wellen im Radiofrequenzbereich aus, die dann vom Auto reflektiert wurden. Durch die Relativbewegung des Fahrzeugs zum Sender ändert sich die Frequenz der reflektierten Strahlung (Doppler-Effekt), über die dann die Geschwindigkeit errechnet werden konnte. Lag diese über einem Limit, wurde ein Foto (mit Blitz) ausgelöst. Das Foto zeigte das Nummernschild und oben rechts die Geschwindigkeit. Obwohl es mit 20 000 Mark nicht ganz billig war, favorisierte die deutsche Polizei dieses Gerät, da es leicht bedienbar war und zuverlässige Beweise für die Geschwindigkeitsübertretung lieferte. Nach zahlreichen Weiterentwicklungen verwendet die Polizei heute verschiedene High-Tech-Instrumente zur Geschwindigkeitsmessung, die weitaus kleiner sind. Genutzt werden neben der Radarmessung die Detektion mit Laserstrahlung und Lichtschranken (Einseitensensoren).

Das Streckenradar (Section Control) kontrolliert die Geschwindigkeit über einen längeren Abschnitt (3 bis 8 km). Dabei wird jedes Fahrzeug zu Beginn der Strecke von hinten fotografiert. Am Streckenende wird erneut abgelichtet. Mithilfe von Computern wird die Geschwindigkeit berechnet (Weg-Zeit), ist diese zu hoch wird noch ein klassisches Blitzer-Foto aufgenommen. Diese Technik ist in Österreich und den Niederlanden im Einsatz. Bei den installierten Starenkästen rangiert Deutschland übrigens auf Rang 5 hinter Brasilien, Italien, den USA und Großbritannien. Die meisten davon stehen in Baden-Württemberg, gefolgt von Nordrhein-Westfalen.

Welchen abgrundtiefen Hass eine Radarkontrolle auslösen kann, musste die Polizei im Jahr 2000 in Hessen erfahren: Als ein Fernfahrer geblitzt wurde und fürchten musste, seinen Führerschein zu verlieren, kehrte er um, erschoss einen der Polizisten und verletzte einen zweiten Beamten schwer.